Elektro-Festival – Bonapartes Party-Feldzug in der Region

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Elektro-FestivalBonapartes Party-Feldzug in der Region

VÖLKLINGEN - Am Samstag ist die große Premiere des Festivals «Electro-Magnetic» in der Völklinger Hütte. Wir haben vorab mit «Bonaparte» gesprochen.

«Monsieur Bonaparte», so nennt sich Tobias Jundt, Frontmann der Band Bonaparte, der bei Auftritten Plüschpelzmütze, ein schwarz umkreistes Auge und klassische Militär-Jacketts trägt.

«Monsieur Bonaparte», so nennt sich Tobias Jundt, Frontmann der Band Bonaparte, der bei Auftritten Plüschpelzmütze, ein schwarz umkreistes Auge und klassische Militär-Jacketts trägt.

duplex/caesar

Die Berliner Band Bonaparte ist ein Kollektiv mit Künstlern aus zehn verschiedenen Ländern. Ihr musikalischer Stilmix bewegt sich irgendwo zwischen Elektropunk, Synthie-Pop und Jazz. Bekannt sind Bonaparte für ihre expressiven wie exzessiven Bühnenperformances in trashigen wie opulenten Kostümen. Party ist ihr politisches Statement. L'essentiel Online konnte im Vorfeld des «Electro-Magnetic» Festivals, das am Samstag, den 7. Juli im Weltkulturerbe Völklinger Hütte stattfindet, mit dem Schweizer Frontmann der Band, Tobias Jundt, sprechen.

2010 hattet Ihr auf dem Sonic Visions Festival in der Rockhal in Esch/Alzette gespielt? Hast Du noch bestimmte Erinnerungen daran?
Tobias Jundt: Ja, stimmt. Ich kann mich noch an das riesige Gebäude und die hohe Galerie darin erinnern. An die Vorbands auch und dass die Zuschauer sehr nett waren. Wenn man so oft und an so vielen Orten spielt, bleibt einem eher das Drumherum im Gedächtnis.
2007 haben wir außerdem schon mal auf einem Festival in Mettlach im Saarland gespielt. Das war in irgendeinem Schloss von Villeroy & Boch, glaube ich. Das war einer der spannenderen Gigs, die wir bisher gemacht haben. Am Samstag ist dann also unser drittes Konzert in der Region. Andere Regionen in Deutschland oder Frankreich haben wir schon öfter bespielt, Saarbrücken hat deshalb ein bisschen Aufholbedarf und es ist super, dass wir dort spielen.

Was erwartet uns auf Eurem dritten Album «Sorry, we’re open», das im August erscheint?
Im Vergleich zu den Vorgängeralben ist «Sorry, we’re open» ein 3-dimensionales Album. Das erste und zweite Album wurde unterwegs zum Beispiel im Tour-Bus aufgenommen. Beim dritten Album haben wir dagegen viel Zeit im Studio verbracht. Ich habe alte Sound-Maschinen und Sounds, die ich mag, verwendet. Es ist tiefer, breiter und wärmer geworden als die bisherigen Alben. Das Album ist eine Art Schiffsreise, die zu verschiedenen kleinen Song-Inseln führt. Der erste Song («Quarantine»), der bereits raus ist, ist in Zusammenarbeit mit Housemeister entstanden. Das Album führt die Reise von Bonaparte weiter, der Sound führt Bonaparte allgemein weiter.

Was hat es mit dem Titel des vierten Songs «C’est à moi qu‘tu parles?» denn auf sich? Ist das zufällig eine Bezugnahme zum Film «Taxi Driver» von Martin Scorsese, bei dem Robert De Niro als Travis Bickle diese Frage mit einer Waffe in der Hand an sein Spiegelbild stellt?
Es ist ein französisches Lied und besteht nur aus Fluchwörtern. Das Interessante dabei ist, dass man in der französischen Sprache Dinge ausdrücken kann, für die man in anderen Sprachen viel mehr Wörter braucht. Es ist wirklich ein lustiges Lied, es wird die ganze Zeit nur geflucht. Der Satz des Titels kommt zwar in «Taxi Driver» von Martin Scorsese aus der 70er Jahren vor, aber er ist eher ganz allgemein ein Spruch, wenn man einen Streit anfängt. Am Samstag werden wir voraussichtlich drei Songs vom neuen Album spielen, den vierten allerdings noch nicht.

Der Titel von Track fünf sind die Koordinaten der Williamsburg Bridge in New York, die von Track neun die der Elbe am Hamburger Hafen und die von Track 13 irgendwo im Pazifik bei Neuseeland? Was ist dabei der Hintergrund?
Auf dem ganzen Album sind irgendwo Koordinaten versteckt, auch im Intro. Das Album ist an eine Schiffsreise angelegt, bei der es Zwischenstationen gibt. Die Koordinaten haben zum Teil mit dem Leben zu tun. Eigentlich sollte es noch mehr Koordinaten auf dem Album geben, aber dann wäre es zu lang geworden. Das Album hat sowohl mit der Zukunft als auch mit der Vergangenheit zu tun und auch damit, wo ich das nächste Album schreiben werde. In den Songs gibt es überall viele Hinweise, die die Schiffsreise untermalen.

Die Völklinger Hütte ist keine ganz gewöhnliche Location für ein Konzert, was war denn bisher der abgefahrenste Ort, an dem Ihr gespielt habt?
Die Völklinger Hütte ist schon ein spezieller Ort. Die Bilder, die ich davon gesehen habe, erinnern mich an das Melt Festival, da wirkt auch vieles futuristisch, viele riesige Maschinen stehen da herum. Die wirklich abgefahrenen Konzerte waren aber die kleineren. Zum Beispiel Hauspartys, bei denen man das Gefühl hat, das Haus könnte jederzeit zusammenbrechen. Das wirklich abgefahrenste, was wir als Band bisher gemacht haben, war als wir in Neuseeland hinten auf einem Truck gespielt haben und durch die Straßen gefahren sind. Zum Glück konnten wir schon an vielen außergewöhnlichen Orten spielen. Abgefahren waren vor allem die kleineren, improvisierten Gigs, das was sich eher spontan ergeben hat. Bei Konzerten und Festivals wird ja doch viel vorbereitet und geplant, Improvisation hat da viel mehr Nervenkitzel.

Wie die Festival-Besucher am Samstag drauf sein werden, ist schwierig abzuschätzen. Aber wie sollte Euer Publikum denn am besten sein?
Ohne Publikum geht es nicht, das heißt wenn die Leute nur rumstehen. Es muss mitmachen, es muss ein Teil der Show sein. Von Anfang bis Ende muss es alles geben, genau wie die Band, die an ihre Grenzen geht, bis die Leute fast umkippen. Man muss von Anfang an 100 Prozent geben, sonst funktioniert es nicht. Und das Publikum weiß das, es erwartet das auch und macht dementsprechend mit. Band und Publikum müssen sozusagen eins sein.

Im März habt Ihr eine Tour in den USA gemacht, welche Erfahrung war das für Euch?
Es war in erster Linie toll endlich vor amerikanischem Publikum Bonaparte‘sche Songs zu spielen und zu merken, dass diese da genauso gut funktionieren wie in Europa. Natürlich muss man noch zwei drei Mal hin, bis die Leute in gleichem Maße ausrasten wie hierzulande, aber die paar hundert Nasen, welche da an den Gigs waren, hatten eine sichtlich gute Zeit mit uns, und wir mit ihnen. New York, Austin, Los Angeles,...alles tolle Erinnerungen. Der beste Gig von allen war wohl in San Francisco. Es tut immer wieder gut, durch kleinere Clubs zu tingeln, denn das sind normalerweise die Gigs mit der wildesten und punkigsten Energie, wenn man sehr nahe auf den Leuten drauf ist.

Der «Berner Zeitung» hast Du gesagt, dass es ein Ziel sei nach Amerika zurückzukehren und vielleicht ein Album zu veröffentlichen. Aus welchem Grund?
Naja, Amerika ist das Land des Rock ’n‘ Roll. Hier zu touren ist einfach einzigartig, man hat es täglich mit riesigen Wegstrecken zu tun, kriegt wenn man Glück hat warmes Bier als Entlohnung und spielt trotzdem an Orten und in Städten, die nun mal für die Musikgeschichte inspirierend waren oder sind. Jedes Land hat seinen besonderen Reiz. Und nachdem wir zweimal Russland und zweimal Neuseeland und ganz oft Europa Tour gemacht haben, sind die USA natürlich oben auf der Liste, wenn es um Nervenkitzel geht. Es ist immer ein riesiges Unterfangen, auf der anderen Seite des Teiches zu touren und man will es wieder tun.

Das Interview führte L'essentiel Online-Mitarbeiter Jonas Heintz.

Der offizielle Trailer der Band Bonaparte.

(Quelle: Vimeo.com)

Electro-Magnetic Festival

Line-up: Digitalism, Fritz Kalkbrenner, Turntablerocker, Lexy & K Paul, Bonaparte, Moonbootica, Tiefschwarz, Monika Kruse, André Galuzzi, The Hundred in the Hands, Karotte, Matthias Tanzmann, The Koletzkis, Dominik Eulberg, uvm.

Zusätzlich legen rund 20 DJs bis Sonntag 6 Uhr auf.

Es gibt eine Mainstage und vier weitere Floors in Kombination mit verschiedenen Lichtilluminationen und Kunstinstallationen.

Circa 8 000 Besucher werden erwartet. Rund 7 000 Tickets wurden bereits verkauft. Kurzentschlossene können noch auf der Website des Festivals über eine «Print@Home»-Funktion Tickets kaufen und diese dann direkt ausdrucken.

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