Großbritannien – Boris Johnson baut sein Kabinett um

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GroßbritannienBoris Johnson baut sein Kabinett um

Premier Boris Johnson will mit einem «schlagkräftigen Team» aus der Pandemie kommen und hat mehrere Mitglieder der Regierung ausgetauscht.

Der britische Premierminister Boris Johnson hat nach einer Reihe politischer Fehlentwicklungen mit dem Umbau seines Kabinetts begonnen. Das Büro Johnsons erklärte, der Premier werde «ein starkes und vereintes Team» zusammenstellen, um eine bessere Erholung von der Pandemie zu bewerkstelligen.

Bildungsminister Gavin Williamson bestätigte als erster seine Entlassung. Bei Twitter erklärte er, es sei ein Privileg gewesen, seit 2019 als Bildungsminister zu dienen. Er freue sich darauf, den Premierminister und die Regierung weiterhin zu unterstützen. Wer Williamson ersetzen soll, wurde zunächst nicht bekannt. In die Kritik geraten war der Minister für seinen Umgang mit der Pandemie, in der die Schulen lange geschlossen waren, es zu raschen Politikwechseln kam und wichtige Prüfungen für die Zulassung zu Universitäten ausfielen.

Williamson entschuldigte sich zudem für den «echten Fehler», zwei schwarze Athleten verwechselt zu haben – den Fußballstar Marcus Rashford und den Rugby-Spieler Maro Itoje. Beide werben für mehr Hilfen der Regierung für arme Kinder. Williamson sagte einer Zeitung, er habe sich via Zoom mit Rashford unterhalten, tatsächlich sprach er mit Itoje.

Raab muss gehen, Sunak bleibt

Mehrere andere enttäuschende Minister der konservativen Regierung verlieren ihre Jobs , darunter Außenminister Dominic Raab, der im Urlaub weilte, als die Taliban in Afghanistan die Kontrolle übernahmen, und dafür massive Kritik einstecken musste. Der bisherige Chefdiplomat wechselt ins Justizministerium, wie der Regierungssitz Downing Street am Mittwoch per Twitter mitteilte. Zudem werde Raab zum Stellvertreter von Premier Boris Johnson und zum Lord Chancellor berufen. Raabs Nachfolgerin wird die bisherige Handelsministerin Liz Truss. Diese gilt als Liebling der konservativen Basis und machte sich einen Namen mit dem erfolgreichen Abschluss mehrerer internationaler Handelsabkommen nach dem Brexit.

Ihre Posten räumen mussten auch der bisherige Justizminister Robert Buckland sowie Wohnungsbauminister Robert Jenrick. Finanzminister Rishi Sunak bleibt dagegen im Amt.

Johnson hatte bereits nach seinem Wahlsieg im Dezember 2019 für beachtliches Stühlerücken in der Regierung gesorgt und Abgeordnete kaltgestellt, die es an Unterstützung für den Brexit-Kurs hatten mangeln lassen. Zurück blieb ein Führungsteam aus starken Brexit-Befürwortern, doch einige ambitionierte und kompetente Abgeordnete schieden aus der Regierungsarbeit aus.

Gegner von Johnsons konservativer Regierung sagen, dieser Mangel an Tiefe habe sich gezeigt, als Großbritannien mit dem Nachbeben des Brexits in Kombination mit der Gesundheitskrise und den wirtschaftlichen Problemen in Folge der Corona-Pandemie konfrontiert worden war.

(L'essentiel/AP/DPA/trx)

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