Grinch-Attacke – Bots klauen im Internet die Geschenke

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Grinch-AttackeBots klauen im Internet die Geschenke

Programme schnappen menschlichen Kunden die Produkte in Onlineshops weg. Dahinter steckt ein bedenkliches Geschäftsmodell.

Bald ist Weihnachten – wer im Internet noch nach beliebten Geschenken sucht, könnte es schwer haben. Denn zurzeit treiben sogenannte Grinch-Bots ihr Unwesen in Onlineshops: Diese sind darauf programmiert, menschlichen Käufern Produkte wegzuschnappen.

Hinter dem Geschenkeklau steckt nicht einfach Missgunst, sondern ein Geschäftsmodell. Die Bots kaufen so lange Trendprodukte in Maßen zum Originalpreis ein, bis diese ausverkauft sind. Dann wird die Ware überteuert wieder ins Netz gestellt, wie die «Wirtschaftswoche» schreibt.

Dabei haben es die Grinch-Bots besonders auf limitierte Produkte abgesehen, wie Sneaker oder Spielkonsolen wie etwa die Playstation 5 von Sony. Diese ist aufgrund des weltweiten Chipmangels bereits schwer erhältlich. Bots kaufen diese sofort und verkaufen sie mindestens doppelt so teuer.

So funktionieren Grinch-Bots

Grinch-Bots arbeiten mit künstlicher Intelligenz und machen menschliches Verhalten nach. So ahmt ein Grinch-Bot Mausbewegungen und Tastenanschläge nach. «Zudem verwenden fortgeschrittene Grinch-Bots hochwertige, private IPs», so Digital-Experte Reto Joller. Diese werden von der Firewall der Onlineshops als sicher erachtet. Darüber hinaus wechseln Grinch-Bots ihre IP regelmäßig, um Bestellungen zu machen. So gibt es keine einzelne IP mit einer großen Anzahl von Anfragen, weshalb die Bots den Händlern nicht auffallen.

Bots, die automatische Bestellungen in Onlineshops tätigen, gibt es schon länger, wie Darius Zumstein, Dozent für E-Commerce, bestätigt: «Dahinter steckt teilweise kriminelle Energie und es werden Produkte an Fake-Adressen bestellt und nicht bezahlt.»

Grinch-Bots sind aber nicht wirklich illegal. Denn die Ware wird normal bezahlt. «Dagegen können die Händler nicht viel machen», so Zumstein. Manche Onlineshops führen darum eine sogenannte Blacklist. Dort stehen verdächtige Käufer drauf, die nicht mehr beliefert werden.

Bots können identifiziert werden

Dass es das Konzept der Grinch-Bots schon länger gibt, bestätigt auch Digital-Experte Reto Joller: «Früher haben einfach Menschen mehrere iPhones oder Konzerttickets gekauft und dann teuer weiterverkauft: Heute übernimmt das die Technik.»

Das Problem: Die Bots sind viel schneller und können mehr Ware auf einmal kaufen – zum Ärger der Kundschaft und der Händler. Darum gibt es in den USA, Großbritannien oder teilweise auch in der EU bereits Vorstöße, die Praxis rechtlich zu unterbinden, wie Joller erklärt.

«Ich sehe das aber kritisch: Händler sollten sich besser technisch dagegen schützen.» Denn die Grinch-Bots können laut dem Experten identifiziert werden. Dafür bieten professionelle Dienstleister Programme an.

(L'essentiel/Barbara Scherer)

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