Hochhaus-Inferno von London – Brand-Fassade wird auch in Luxemburg verkauft

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Hochhaus-Inferno von LondonBrand-Fassade wird auch in Luxemburg verkauft

LUXEMBURG - Fast 80 Menschen starben, als der Londoner Grenfell Tower in Flammen aufging. Leicht brennbare Verkleidungen werden auch im Großherzogtum eingesetzt.

Ein Feuerwehrmann begutachtet am 16.06.2017 in London (Gro�britannien) den Schaden an dem ausgebrannten Grenfell Tower. Bei der Brandkatastrophe in dem Hochhaus in London am 14.06.2017 starben zahlreiche Menschen. Foto: Rick Findler/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

Ein Feuerwehrmann begutachtet am 16.06.2017 in London (Gro�britannien) den Schaden an dem ausgebrannten Grenfell Tower. Bei der Brandkatastrophe in dem Hochhaus in London am 14.06.2017 starben zahlreiche Menschen. Foto: Rick Findler/PA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++

DPA/Rick Findler

Die Bilder des brennenden Hochhaus in London gingen um die Welt. 79 Menschen starben, als am 14. Juni der Grenfell Tower in London brannte. Eine Kühl-Gefrierkombination war in Brand geraten. Die leicht brennbare Fassade aus synthetischen Dämmstoffen dürfte zum Inferno beigetragen haben. «Wenn dieses Material in einem Hochhaus verbaut wird, ist ein Brand für die Feuerwehr kaum noch beherrschbar», sagte ein deutscher Feuerwehr-Experte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Ähnliche Materialen – es handelt sich um Polyethylene, Polystyrole (Styropor) und Polyurethane – sind auch in Luxemburg weit verbreitet, und das, obwohl sie leicht entzündlich sind. Laut Experten werden diese Erdölderivate seit zwei Jahrzehnten am Bau eingesetzt, weil sie billig sind und gut isolieren. Die Materialien werden oft direkt an die Gebäudestruktur geklebt. Wenn ein Haus abgerissen wird, ist es fast unmöglich, die Stoffe vom Holz oder Beton zu trennen. Alles muss als Sondermüll entsorgt werden.

Türme auf dem Kirchberg nicht gefährdet

Problematisch sind diese Stoffe vor allem bei Hochhäusern, weil sich Brände dort durch den Kamineffekt rasch ausbreiten können. Die wenigen Hochhäuser, die in Luxemburg – genauer gesagt auf dem Kirchberg – stehen, sind allerdings nicht gefährdet. «In den Türmen auf dem Kirchberg wurden nichtbrennbare Dämmstoffe wie zum Beispiel Glaswolle verwendet», sagt Marc Mamer, Präsident des nationalen Feuerwehrverbands. Zudem verfügten diese Gebäude über moderne Brandschutz- und Evakuierungssysteme.

Verhältnisse wie in England herrschen in Luxemburg demnach nicht. Auf der Insel gibt es bis jetzt kein Verbot der leicht brennbaren Dämmstoffe für Hochhäuser. «Bei normalen Wohnhäusern unter einer gewissen Bauhöhe ist eine Evakuierung der Bewohner normalerweise kein Problem, auch im Falle, dass die Fassade brennt. In London kam noch erschwerend hinzu, dass Notausgänge und ein Sicherheits-Treppenhaus gefehlt haben», sagt Mamer.

Moderne Isolierungen bereiten den Luxemburger Brandschützern durchaus Probleme. «Es kann schon einmal vorkommen, dass ein Brand über Tage lodert», sagt der Feuerwehrpräsident und verweist auf das jüngste Feuer in einer Maison Relais in Bettendorf. «Wir müssen uns definitiv auf neue Situationen einstellen.» Mamer ortet auch ein Problem bei stromproduzierenden Sonnenkollektoren: «Die Anlagen stehen ständig unter Strom, bei einem Brand kann das für unsere Männer gefährlich werden.» Einmal mehr fordert Marc Mamer einheitliche Brandschutzvorschriften, die für ganz Luxemburg gelten. Bislang werden diese Regeln meist von den Gemeinden ausgearbeitet.

(jt/ehs/L'essentiel)

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