Prozess gegen Attentäter – Breivik bricht vor Gericht in Tränen aus

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Prozess gegen AttentäterBreivik bricht vor Gericht in Tränen aus

Seit dem Morgen muss sich der Attentäter Anders Behring Breivik in Oslo vor Gericht verantworten. Kurz vor Mittag zeigte der Massenmörder erstmals eine Regung.

Im Prozess gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hat das Gericht am Montag einen Kurzfilm gezeigt, den er am Tag der Anschläge veröffentlicht hatte.

Während der zwölf Minuten lange Film im Verhandlungssaal auf einer Großleinwand lief, wischte sich Breivik Tränen aus den Augen. Im Film sind Fotos und Zeichnungen zu sehen, die vor allem muslimische Fundamentalisten zeigen.

Man habe lange darüber diskutiert, ob der Film vollständig gezeigt werden müsse, führte Staatsanwalt Svein Holden aus, und sei zu dem Schluss gekommen, dass dies nötig sei. «Der Film kann dem Gericht einige Hinweise auch in Bezug auf Breiviks Erklärung morgen geben», sagte Holden. Der Angeklagte wird an diesem Dienstag mit seinen Ausführungen beginnen.

«Nicht schuldig»

Anders Behring Brevik hat sich beim Prozessauftakt «nicht schuldig» bekannt. «Ich gebe die Taten zu, bekenne mich aber nicht strafschuldig», sagte der 33-Jährige vor Gericht. Er habe in Notwehr gehandelt. Breivik ist wegen Terrorismus und vorsätzlichen Mordes angeklagt. Er muss sich für den Tod von 77 Menschen verantworten.

Der rechtsradikale Islamhasser hatte zuvor bereits gestanden, im Juli 2011 in Oslo eine Bombe gezündet und auf der Insel Utoya in einem Feriencamp gezielt junge Sozialdemokraten erschossen zu haben. Er wertet diese Taten seinem Verteidiger zufolge aber nicht als Verbrechen. Vielmehr habe er Norwegen vor einer Islamisierung schützen wollen.

Breivik darf sich fünf Tage lang äußern

Zuvor hatte Breivik den Gerichtssaal mit ausgestreckter geballter Faust - ein bei rechtsextremen geläufiger Gruß - betreten. Breivik darf vor Gericht fünf Tage lang über seine rechtsradikalen Motive sprechen. Die Norweger erwarten schockierende Aussagen.

Zu Beginn des Prozesses las die Anklagevertreterin die Namen der Opfer der beiden Attentate vor. Staatsanwältin Inga Bejer Engh beschrieb in allen Einzelheiten, wie die Menschen beim Bombenanschlag im Regierungsviertel von Oslo starben, wie die Jugendlichen auf der Ferieninsel Utoya eiskalt erschossen wurden.

Die Richter sollen nun über die Schuldfähigkeit Breiviks entscheiden. In einem ersten Gutachten wurde er für unzurechnungsfähig erklärt, in einem zweiten bescheinigten die Experten ihm geistige Gesundheit.

(L'essentiel Online/dapd/dpa)

Keine Hinweise auf rechtsradikales Netzwerk hinter Breivik

Das rechtsradikale Netzwerk «Tempelritter», auf das sich der geständige Attentäter Anders Behring Breivik beruft, existiert nach Einschätzung der norwegischen Staatsanwaltschaft nicht. Die Polizei habe keine Hinweise auf eine solche Organisation gefunden, sagte ein Staatsanwalt beim Prozessauftakt am Montag in Oslo. Breivik habe bei dem Doppelanschlag von Oslo und Utoya im vergangenen Sommer allein gehandelt. Zuvor hatte der 33-Jährige den Ermittlern gesagt, er sei ein Widerstandskämpfer der «Tempelritter», die sich am Vorbild des christlichen Ordens zur Zeit der Kreuzzüge orientierten. (dapd)

Erschreckende Tonaufnahme von Utoya

Die Tonaufnahme eines Notrufs von der Fjordinsel Utoya hat Angehörige und Zuhörer im Prozess gegen den norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik schockiert. Auf dem Band, das die Anklage am Montag vorspielte, ist zu hören, wie ein Mädchen während des Amoklaufes im vergangenen Sommer minutenlang die Polizei um Hilfe bat.

«Kommt schnell, kommt schnell», sagt das Mädchen in der Aufnahme - im Hintergrund Schüsse und Schreie. Breivik zeigte keine Gefühle, atmete allerdings tief durch.

Staatsanwalt Svein Holden hatte die Angehörigen im Gerichtssaal zuvor vor «kräftigem Tonmaterial» gewarnt und ihnen Gelegenheit gegeben, den Raum zu verlassen.

Junges Mädchen bricht zusammen

Grausame Details und ein gleichgültiger Massenmörder - der Prozess gegen Anders Behring Breivik in Oslo nimmt die Überlebenden des Massakers und die Angehörigen der Opfer extrem mit. Ein junges Mädchen brach am Montag in der Prozesspause zusammen und musste betreut werden. Während Staatsanwältin Inga Bejer Engh die Anklage verlas, flossen bei vielen im Gerichtssaal Tränen.

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