Krieg in Libyen – «Bring mir sein Ohr» - Rebellen rücken vor

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Krieg in Libyen«Bring mir sein Ohr» - Rebellen rücken vor

Die Tage der Verzweiflung scheinen vorbei zu sein, Libyens Rebellen haben wieder Oberwasser. Denn jetzt kommt Nachschub an Waffen und Munition.

An der westlichen Stadtgrenze von Adschdabija herrscht Hochbetrieb. Im Zwei-Minuten-Takt fahren Kastenwagen mit Freiwilligen in Richtung Front. Die libyschen Rebellen sind optimistisch. Ausgestattet mit neuen Waffen, Munition und Funkgeräten - über deren Herkunft sie sich ausschweigen - wollen sie die Truppen von Machthaber Muammar al-Gaddafi Muammar al-Gaddafineue Suche mit diesem Objektverfeinern nach diesem ObjektVerfügbare Bedeutungen: al-Gaddafi - libyscher Politiker herausfordern. Die wurden an diesem sonnigen Apriltag 35 Kilometer weiter gesichtet.

Die arabische Version von Ché Guevara

Ein Mann mit schwarzem Bart und Turban verteilt Saft, Brot, Käse und Flugblätter mit Belehrungen über den «Heiligen Krieg» an die Kämpfer. «Vertraue immer auf Gott», steht auf den Zetteln. «Bring mir sein Ohr», ruft ein junger Libyer den Kämpfern zu, die hinten auf den mit Decken und Granaten beladenen Fahrzeugen stehen. Er meint Gaddafis Ohr.

Mit Sechstagebart und schwarzer Kappe sieht der junge Mann aus wie die arabische Version von Ché Guevara. Er lacht. Die Rebellen auf den Kastenwagen schauen ernst. Die Zeiten, in denen sie für die Kameras der Journalisten posierten und in die Luft ballerten, sind vorbei. Viele von ihnen haben schon Freunde oder Bekannte im Kampf verloren. Auch die vom libyschen Fernsehen ausgestrahlten Aufnahmen von Rebellen, die den Gaddafi-Truppen an der Front in die Hände gefallen waren, haben sie nachdenklich gemacht.

Soldaten haben sich den Aufständischen angeschlossen

Ein Bauer, der gekommen ist, um nach seinen Schafen zu sehen, darf den Schlagbaum im Westen von Adschdabija nicht passieren. «Keine Zufahrt für Zivilisten», sagt ihm ein Rebellenkommandeur. Nachdem mehrere Reporter und Fotografen von Gaddafi-Truppen gefangen genommen und - in Misurata - sogar bei Kämpfen getötet wurden, dürfen auch Journalisten die Rebellen nur noch mit Sondergenehmigung auf dem Weg in die Schlacht begleiten.

Weiter im Westen, zwischen Adschdabija und Al-Brega, warten Soldaten der libyschen Armee, die sich den Aufständischen angeschlossen haben. Sie geben den Freiwilligen Befehle und Ratschläge. «Die meisten Kämpfer an der Front sind inzwischen Armeeangehörige oder ehemalige Soldaten, die auf Befehle hören. Nur einige junge Männer unter den kämpfenden Zivilisten wollen manchmal nicht hören, wenn man ihnen sagt, dass sie sich zurückziehen sollen», erklärt Suleiman al-Refadi.

Apotheker als freiwilliger Sanitäter

Der Arzt aus der östlichen Stadt Derna fährt gelegentlich mit an die Front, um im Feldlazarett zu helfen. Jetzt sitzt er in der Notaufnahme des Krankenhauses von Adschdabija, die gleichzeitig eine Art Nachrichtenzentrale ist. Hier werden täglich Familien vorstellig, die verschwundene Angehörige suchen und Fotos von verschwundenen Kämpfern und Zivilisten abgeben.

Auch der Apotheker Jamen al-Drissi, der sich freiwillig zum Dienst als Sanitäter an der Front gemeldet hat, ist froh, dass sich das Chaos ein wenig gelegt hat: «Die Revolutionäre sind jetzt zum Glück etwas besser organisiert, als in den ersten Wochen.» Die Sanitäter bleiben normalerweise ein bis zwei Kilometer hinter den Rebellen zurück. Wenn es Verletzte gibt, bringt sie der Krankenwagen erst nach Adschdabija und dann in eines der größeren Krankenhäuser in Bengasi. «Gestern haben wir vier Verletzte transportiert, heute ist noch nichts passiert, Gott sei Dank», sagt Al-Drissi.

Adschdabija ist eine Stadt fast ohne Einwohner

Was ihn in den vergangenen Tagen mehr schockiert hat als der Anblick der toten und verwundeten Rebellen, sind die verletzten Söldner, die sie von der Front erst ins Krankenhaus transportiert und dann den Aufständischen übergeben haben. «Vor zwei Wochen fanden wir in Al-Brega einen schwerverletzten Mauretanier, der mit seinem Telefon Leichen fotografiert hatte und gefangene Rebellen. Auf einem Bild war zu sehen, wie ein libyscher Soldat einen Revolutionär mit einem Gürtel stranguliert.»

Adschdabija ist eine Stadt fast ohne Einwohner. Seit zwei Tagen hat ein einziges kleines Geschäft wieder geöffnet, das Getränke, Kekse und Konserven anbieten. Am Straßenrand stehen ausgebrannte Autowracks. Ein Mann mit weißem Turban fährt mit einem Kleinlaster vorbei. Er hat in Adschdabija seinen Esel, zwei Schafe und einen Kühlschrank abgeholt. Mit seiner Ladung fährt er dann wieder in Richtung Bengasi, wo die meisten Vertriebenen aus den umkämpften Ortschaften von Ras Lanuf bis Adschdabija Unterschlupf gefunden haben.

Vertrauen auf Franzosen

Saleh Ali ist mit Frau und acht Kindern vor zwei Tagen in sein Haus in Adschdabija zurückgekehrt. Er hat sich eine Waffe gekauft, für den Fall, dass die Gaddafi-Truppen noch einmal in die Stadt eindringen sollten. «In unserem Viertel wohnt keine Menschenseele mehr. Die Nachbarn haben alle zu viel Angst, dass sie von Gaddafis Truppen als menschliche Schutzschilde benutzt werden könnten», sagt er.

Doch er vertraut darauf, dass ihm die Franzosen und die Nato Natoneue Suche mit diesem Objektverfeinern nach diesem ObjektVerfügbare Bedeutungen: Nato die Angreifer vom Hals halten werden. Die von der westlichen Allianz zerstörten Panzer und Militärlastwagen, die an der Straße zwischen Bengasi und Adschdabija im Sand liegen, geben ihm Zuversicht.

L'essentiel Online /

(dpa)

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