Flut in Australien – Brisbane droht in den Fluten zu ertrinken

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Flut in AustralienBrisbane droht in den Fluten zu ertrinken

Die Millionenstadt Brisbane erlebt eine Flutkatastrophe: Der Wasserstand steigt stündlich – ein Ende ist nicht in Sicht. Wer kann, flieht.

Eines ist bereits jetzt sicher: Brisbane erlebt die größte Überschwemmung der Geschichte. Der drittgrößten Stadt Australiens steht das Wasser wörtlich bis zum Hals. Die tödlichen Fluten des Brisbane River haben eine Schneise durch die Stadt geschlagen und sich auf den Straßen ausgebreitet. Wer kann, flieht in höher gelegen Vororte oder auf Wolkenkratzer. Die Flucht ist allerdings alles andere als einfach.

Die Wassermassen haben zahlreiche Straßen unter sich ertränkt. Zwei Meter hoch war der Stand bei den vergangenen Messungen - von Autos sind nur noch die Dächer, von Tankstellen sind knapp noch die Spitzen der Zapfsäulen zu sehen. Die Flut bedroht fast 20 000 Wohnungen in den tieferen Regionen der Zwei-Millionen-Stadt, sagte Bürgermeister Campbell Newman. Noch ist der Höhepunkt nicht erreicht, sondern soll am Donnerstag folgen. Die Prognosen werden allerdings ständig überarbeitet und es wird konsequent schlimmer, wie es hieß.

«Das Wasser wird bis zum Dach meines Hauses steigen»

Die Aussichten für das Hab und Gut zahlreicher Einwohner sind düster: «Das Wasser wird bis zum Dach meines Hauses steigen», sagt eine Frau der Nachrichtenagentur AP. Sie versucht wie viele andere zu retten, was gerettet werden kann. Wer kein Boot hat, der bleibt allerdings bereits jetzt teilweise eingesperrt von den Wassermassen. Viele haben auch die Supermärkte gestürmt – in den Regalen sind Wasser, Milch und Batterien längst Mangelware. Die Bewohner warteten auch teilweise bis zu vier Stunden, um sich einige Sandsäcke zu sichern.

Nicht nur die steigenden Wassermassen bedrohen die Einwohner, sondern auch die teilweise reißenden Fluten. Wie Nachrichtenagenturen berichten, sind Boote von ihren Liegeplätzen gerissen worden und schweben in den Fluten gemeinsam mit großen Mengen von Schutt. Die Strömung riss ein beliebtes Restaurant am Wasser stromabwärts mit. Die Uferpromenade ist längst unter dem Druck aufgebrochen. Die Behörden sperrten sie, weil sie umständlich zu sichern sei. Teilweise sollen Pfähle bereits abgerissen worden sein und schwimmen in den Fluten. Zwei Fähren wurden zum Versenken freigegeben, weil sie drohten wie ein «Torpedo» die Fluten herunterzugleiten und Schaden anzurichten, wie die Behörden mitteilten.

Ministerpräsidentin ruft zum Zusammenhalt auf

Von den Überschwemmungen würden nach Schätzungen der Behörden rund 19 700 Menschen besonders stark betroffen sein, sagte Newman weiter. In der Stadt seien Evakuierungszentren eingerichtet, in denen voraussichtlich bis zu 6 500 Menschen in den kommenden Tagen Schutz vor den Wassermassen suchen würden. «Es gibt keinen Grund zur Panik», versuchte Ministerpräsidentin Anna Bligh die zwei Millionen Einwohner Brisbanes zu beruhigen. Sie rief Menschen in höheren Gebieten auf, Flüchtlinge aufzunehmen. «Wir müssen jetzt zusammenhalten.»

Videosimulation zeigt Folgen der Katastrophe

Die australische Firma AAM hat eine Videosimulation erstellt, die die Folgen der Katastrophe aufzeigt, sollte der Fluss weiterhin steigen. AAM hat sich drei verschiedene Szenarien vorgestellt: Bei 3,5 Metern wäre vor allem die Flanierzone rund um den Fluss betroffen. Anders sieht es bei 5,5 Metern aus: Große Teile der Innenstadt stünden dann unter Wasser. Bei einem Pegelstand von 7,5 Metern würden gar mehrere Stadtteile komplett unter den Wassermassen verschwinden.

Die Simulation von AAM zeigt, wie es bei 3,5 und 7 Metern aussieht

Momentan steht das Wasser laut dem australischen Wetterbüro bei rund 4,5 Metern. Der Wasserpegel soll aber weiter ansteigen und am Donnerstagmittag (Ortszeit) den Stand von 5,5 Metern übertreffen, der bei der großen Flut 1974 erreicht wurde.

(20min.ch/amc)

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