Politische Gefangene – Britin und ihre Tochter (2) im Iran in Haft
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Politische GefangeneBritin und ihre Tochter (2) im Iran in Haft

Die Britin Nazanin Zaghari-Ratcliffe reiste vor einem Jahr mit ihrer Tochter in den Iran, um ihre Familie zu besuchen. Seither sitzt sie im Gefängnis.

Vergangenen Sonntag kamen Freunde und Angehörige von Familie Ratcliffe im Fortune Green Park in London zusammen und banden gelbe Schleifen an Bäume, um auf den Fall von Nazanin Zaghari-Ratcliffe (37) aufmerksam zu machen. An diesem Tag war es genau ein Jahr her, dass die Britin im Iran festgenommen wurde.

Zaghari-Ratcliffe, die einen britischen und einen iranischen Pass besitzt und in London wohnt, war mit ihrer Tochter Gabriella (2) in ihr Heimatland gereist, um das traditionelle persische Neujahrsfest Nowruz mit ihrer Familie zu verbringen. Revolutionsgarden nahmen sie am Flughafen in Teheran fest, als sie am 3. April 2016 ausreisen wollte. Der Grund: angebliche Gefährdung der nationalen Sicherheit.

Im September wurde Zaghari-Ratcliffe zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt. Die genaue Anklage gegen sie wurde jedoch nie veröffentlicht. Nicht einmal die Angeklagte bekam diese zu sehen.

Ist Ehemann Richard ein Spion?

Zaghari-Ratcliffe arbeitete in London als Projektmanagerin der Thomson-Reuters-Stiftung, die weltweit Journalisten ausbildet. Ein iranisches Revolutionsgericht warf ihr vor, Mitarbeiter für das Farsi-TV-Programm der BBC anwerben zu wollen. «Meine Frau hat vor vielen Jahren an einem BBC-Trainingsprojekt für Jugendliche in Afghanistan und Iran mitgearbeitet, aber sie hat noch nie für BBC-Farsi gearbeitet», sagt Ehemann Richard Ratcliffe (41) zur Deutschen Welle.

Außerdem hieß es vor Gericht, dass sie mit einem britischen Spion verheiratet sei. «Sie meinen mich», so Ratcliffe weiter. Er aber ist als Buchhalter in einem Londoner Unternehmen tätig.

Der Ehemann vermutet einen Fall von politischer Justiz dahinter. «Wir hatten im Sommer eine Botschaft erhalten mit dem Inhalt: Wenn die britische Regierung bereit wäre, den Revolutionsgarden entgegenzukommen, würden sie die Anklage fallen lassen», erzählt er. Nazanin werde als Druckmittel bei Verhandlungen um ausstehende Geschäfte eingesetzt, vermutet ihre Schwägerin Rebecca Jones gegenüber dem Sender BBC.

Krank und niedergeschlagen

Ihre Familie appelliert nun an die britische Regierung, sich endlich für die Freilassung von Nazanin Zaghari-Ratcliffe einzusetzen. Doch so einfach ist das nicht. Weil der Iran keine doppelten Staatsangehörigkeiten anerkennt, können britische Inhaftierte keine konsularische Unterstützung erhalten. «Die iranische Regierung gibt dem Konsulat nicht einmal die Erlaubnis, Nazanin im Gefängnis zu kontaktieren», sagt ihr Mann.

Richard Ratcliffe macht sich derzeit große Sorgen um seine Familie. Seine Tochter Gabriella lebt seit einem Jahr bei den Großeltern, seine Frau ist gesundheitlich sehr angeschlagen. «Sie hat ein Problem mit ihrem Hals, ihrem Rücken, ihrer Schulter – und sie hat Panikattacken. Sie müsste eigentlich komplett ins Krankenhaus verlegt werden. Aber die Staatsanwaltschaft hat das noch nicht genehmigt», sagt Ratcliffe. Er kämpft unermüdlich weiter, damit Nazanin bald freikommt.

(L'essentiel/kle)

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