Nach Referendum – Brüssel hofft noch auf Deal mit den Griechen

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Nach ReferendumBrüssel hofft noch auf Deal mit den Griechen

Die Griechen haben die Sparzwänge satt, das wurde beim Referendum deutlich. Nun beginnen neue Gespräche über einen Weg aus dem Schulden-Schlamassel - ohne Rebell Varoufakis.

European Commission president Jean-Claude Juncker gives a press conference following a meeting between the EU Commission and the Luxembourg government at the EU Council headquarters in Luxembourg on July 3, 2015. AFP PHOTO / THIERRY MONASSE

European Commission president Jean-Claude Juncker gives a press conference following a meeting between the EU Commission and the Luxembourg government at the EU Council headquarters in Luxembourg on July 3, 2015. AFP PHOTO / THIERRY MONASSE

AFP/Thierry Monasse

Ungeachtet des Neins der griechischen Wähler beim Referendum hält die EU-Kommission einen Kompromiss im Schuldenstreit immer noch für möglich. «Falls alle Seiten ernsthaft arbeiten, ist es möglich, eine Lösung in dieser sehr komplizierten Lage zu finden», sagte der für den Euro verantwortliche Kommissionsvizechef Valdis Dombrovskis am Montag in Brüssel.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker hatte zuvor mit EU-Gipfelchef Donald Tusk, Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank EZB, Mario Draghi über das weitere Vorgehen beraten. Am Dienstag will der Luxemburger vor das Europaparlament in Straßburg treten. Juncker hatte bis zuletzt die griechische Bevölkerung mit eindringlichen Worten aufgefordert, den Sparvorgaben der Gläubiger zuzustimmen, um eine griechische Staatspleite zu verhindern.

«Nein macht Dinge komplizierter»

Dombrovskis sagte, für Verhandlungen mit Athen über ein neues Hilfsprogramm brauche die Kommission einen Auftrag der Euro-Finanzminister. Dieses Mandat gebe es bisher nicht. Die Ressortchefs werden am Dienstag zu einem Sondertreffen zusammenkommen.

«Das Nein-Votum macht die Dinge noch komplizierter», sagte Dombrovskis. Er verteidigte den Kurs seiner Behörde, die ein Ja zu den umstrittenen Spar- und Reformvorgaben der internationalen Geldgebern empfohlen hatte. «Es gibt keinen einfachen Weg aus der Krise. Zuviel Zeit und zu viele Gelegenheiten wurden vergeben.»

Isolierter Varoufakis tritt ab

Bei der Volksabstimmung hatte eine klare Mehrheit der Griechen am Sonntag gegen die strikten Sparvorgaben der Gläubiger gestimmt. 61,31 Prozent der Wähler votierten mit «Nein» und 38,69 Prozent mit «Ja», wie das Innenministerium in Athen mitteilte. Regierungschef Tspiras forderte nach diesem Ergebnis Zugeständnisse der Geldgeber.

Tsipras' Finanzminister Varoufakis gab am Montag sein Amt auf, obwohl das «großartige Nein» der Bevölkerung den Kurs der Regierung unterstützte. Sein Rücktritt könne dem Regierungschef möglicherweise helfen, eine Vereinbarung mit den Geldgebern zu erreichen. «Aus diesem Grund verlasse ich das Finanzministerium heute», erklärte Varoufakis. Er galt im Kreise der Euro-Finanzminister als isoliert.

(L'essentiel/dpa)

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