Ein Mann, eine Marke – Bruno Banani, der Rodler aus der Südsee
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Ein Mann, eine MarkeBruno Banani, der Rodler aus der Südsee

Ein Rodler aus dem Pazifikstaat Tonga will an den Olympischen Winterspielen 2014 in Sotschi teilnehmen. Daher hat sich Bruno Banani einen einprägsamen Namen zugelegt.

Bruno Banani will sich für die Winterolympia 2014 in Sotschi qualifizieren.

Bruno Banani will sich für die Winterolympia 2014 in Sotschi qualifizieren.

DPA

Bruno Banani ist der erste Wintersportler aus Tonga. Dies ist aus zwei Gründen verwunderlich. Erstens: Der Name ist im Königreich, das zu Polynesien gehört, nicht geläufig. Zweitens: Die durchschnittliche Jahrestemperatur auf dem sonnigen Inselstaat im Südpazifik beträgt knapp 27 Grad Celsius, Regen ist für die Bewohner ein Fremdwort. Dennoch könnte Bananis Traum von Olympia 2014 in Erfüllung gehen.

Falls der Rodler in Sotschi tatsächlich am Start ist, hat er dies in erster Linie Tongas Prinzessin Mafile’o Pilolevu Tuita zu verdanken. Sie begleitete oft ihren Vater, König Tupou IV., in die Skiferien nach St. Moritz in die Schweiz. Außerdem pflegte Tuita eine gute Bekanntschaft zu Monacos Fürst Albert, der schon mehrmals als Bobfahrer an Olympischen Winterspielen teilnahm, berichtet die «Welt». Daher erinnert Bananis Geschichte auch stark an den Film «Cool Runnings». Dieser erzählt von der erstmaligen Teilnahme eines jamaikanischen Bobteams bei Olympia 1988 in Calgary.

Casting auf Tonga

Prinzessin Tuita wollte die Idee eines Wintersportlers aus Tonga unbedingt in die Tat umsetzen. Sie organisierte 2009 ein Casting in der Hauptstadt Nuku’alofa, um den besten Kandidaten unter den 100 000 Inselbewohnern zu finden. Im einwöchigen Camp mussten die Athleten, die sonst dem Volkssport Rugby nacheifern, Kraft- und Geschicklichkeitstests absolvieren. Zum Abschluss gab es eine Art Schlittenfahren auf Sand.

Beim Casting, das von der amerikanischen Marketingagentur Makai durchgeführt wurde, kreuzten sich zum ersten Mal die Wege von Banani und der ehemaligen deutschen Rodlerin Isabel Barschinski, die von einem Sponsor auf den Inselstaat geschickt wurde. Nach einem Gespräch unter vier Augen mit Tongas Prinzessin wurde der 24-Jährige als Sieger des Castings gekürt.

In Europa in den Weltcup

Banani siedelte 2009 nach Deutschland über und wird seitdem von Barschinski trainiert. Mit Erfolg. Er schaffte im Dezember 2010 den Sprung vom zweitrangigen Nationencup in den Weltcup. Mit fast drei Sekunden Rückstand erreichte er in seinem ersten Rennen Platz 26. «Was für ein Tag. Das ist einfach unglaublich», sagte Banani. Auch seine Trainerin war voll des Lobes: «Ich bin sehr zufrieden. Die Qualifikation für die Winterspiele in Sotschi ist realistisch, wenn er das Leistungslevel halten kann.»

Unter falschem Namen unterwegs

Bruno Banani heißt mit bürgerlichem Name eigentlich Fuahea Semi. Die Namensgleichheit mit dem deutschen Unterwäschehersteller galt bisher als Zufall. Nun ist der Schwindel aber aufgeflogen. Wie der «Spiegel» berichtet, räumte der europäische Geschäftsführer der Marketingagentur Makai, Mathias Ihle ein, dass der Name auf seine Anregung hin von den Behörden in Tonga im Reisepass und in der Geburtsurkunde geändert worden sei. Das Modelabel sei damals nicht eingeweiht gewesen.

Ungeachtet dieser Namensänderung trainiert Banani dennoch auf sein großes Ziel hin und will als erster Winter-Olympionike Tongas in die Geschichte eingehen.

(L'essentiel online/heg )

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