«Sketch History» – «Brutus! Ich liebe dich, du Arschloch!»
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«Sketch History»«Brutus! Ich liebe dich, du Arschloch!»

Das ZDF wagt eine satirische Reise durch die Geschichte. Dabei sticht ein Darsteller heraus: Max Giermann ist echter als viele seiner Figuren, die er imitiert.

Da ist er wieder: Adolf Hitler. «Ganz ehrlich? Ich finde, ich bin zu Tode parodiert worden. Von diesem seltsamen Chaplin, von Bruno Ganz bis hin zu diesem unsäglichen Christoph Maria Herbst. Keiner von denen hat mich richtig hinbekommen. Ich spreche ja eigentlich recht normal», lästert der «Führer», gespielt von Holger Stockhaus («Ladykracher»), im sogenannten Zeitzeugen-Interview trotzig-ironisch in die Kamera.

Es sind Szenen wie diese, die «Sketch History – Neues von gestern» so unterhaltsam machen. Überzeugend tritt zudem Matthias Maschke («Polizeiruf 110») auf, der als US-Präsident John F. Kennedy den dauergeilen Lüstling abgibt. «Was heißt auf Russisch: ‹Ich möchte meinen letzten Sex mit meiner Dolmetscherin haben?›», fragt er die hübsche Frau im Oval Office, nachdem er mit unbedarften Äußerungen soeben den Dritten Weltkrieg angezettelt hat.

«Du dumme Sau, du»

Antoine Monot Jr., der kürzlich im Schweizer «Tatort: Ihr werdet gerichtet» einen kaltblütigen Heckenschützen spielte, beweist in der Show, dass er durchaus auch ein komödiantisches Talent besitzt.

Eine Galavorstellung seines Könnens liefert indes Max Giermann ab. Der 40-jährige Breisgauer, vielen Zuschauer noch aus «Switch reloaded» bekannt, mimt Julius Cäsar, der laut «Sketch History» allerdings ein Urahne von Klaus Kinski gewesen sein soll. Die Persiflage gelingt so gut – Kinski selber wäre vor Neid erblasst.

«Du müsstest dich mal selbst hören, du dumme Sau, du», ätzt Cäsar seinen Ziehsohn Brutus an. Dabei wollte dieser ihm doch nur einen Lorbeerkranz aufsetzen, weil Gallien erfolgreich besiegt wurde. «Bringt mir Wein und Huren», stöhnt der römische Feldherr nach mehreren Wutausbrüchen schließlich – und bittet Brutus und seinen Begleiter, sofort zu verschwinden. Nur, um ihm sogleich nachzurufen: «Brutus! Ich liebe dich, du Arschloch!»

Monthy Python als Vorbild

Für «Sketch History» verantwortlich zeichnet sich Chefautor Chris Geletneky, der schon hinter Erfolgsformaten wie «Pastewka» und «Ladykracher» steht. In einem Interview mit der «Berliner Zeitung» bezeichnet er Monthy Python als seine Vorbilder. Tatsächlich erinnert die ZDF-Sendung an die legendäre Comedy-Truppe. Blödeleien, aber mit Niveau.

Zehn Episoden sind vorläufig geplant, ausgestrahlt werden sie in unregelmäßigen Abständen. Gut möglich, dass die Staffel danach aber in eine zweite Runde geht. schließlich bietet die Geschichte noch einiges an verwertbarem Stoff an. Stoff, der nur darauf wartet, von «Sketch History» gehörig durch den Fleischwolf gedreht zu werden.

«Sketch History», Freitag, 4. Dezember um 23 Uhr im ZDF.

(L'essentiel)

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