Costa-Concordia-Drama – Bühne frei für Kapitän Schettino

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Costa-Concordia-DramaBühne frei für Kapitän Schettino

Der Prozess gegen Kapitän Francesco Schettino wird am Mittwoch erneut aufgenommen. Für die Sitzung wurde in Grosseto eigens ein Theatersaal umfunktioniert.

Kapitän Schettino (r.) mit seinem Anwalt Domenico Pepe zum Prozessauftakt in Grossetio am 9. Juli. Wegen eines nationalen Anwaltstreiks war die Sitzung dann aber auf heute, den 17. Juli, verschoben worden. (Bild: Keystone/AP)

Kapitän Schettino (r.) mit seinem Anwalt Domenico Pepe zum Prozessauftakt in Grossetio am 9. Juli. Wegen eines nationalen Anwaltstreiks war die Sitzung dann aber auf heute, den 17. Juli, verschoben worden. (Bild: Keystone/AP)

Der Prozess gegen den Unglückskapitän Francesco Schettino hätte eigentlich bereits vor einer Woche eröffnet werden sollen, wurde aber durch einen landesweiten Streik der Anwälte verhindert. Am Mittwoch startet die italienische Justiz einen zweiten Anlauf, um über die Schuld oder Unschuld des Süditalieners in der Katastrophe rund um das gesunkene Kreuzfahrtschiff «Costa Concordida» zu entscheiden.

Für den Prozess sind bereits vor einer Woche Medienvertreter aus aller Welt angereist. Um genügend Platz anbieten zu können, hat die Stadt Grosseto sogar sein «Teatro Moderno» in einen Gerichtssal umgewandelt.

«Ein Mann will versuchen, sich zu erklären»

Das alles behagt dem angeschuldigten Kapitän nicht. Gegenüber italienischen Medien beklagte er den Rummel rund um den Prozess. «Das ist nicht irgendein Dorffest, das ist ein Prozess. Menschen starben und ein Mann will versuchen, sich zu erklären.» Schettino zeigte sich überzeugt, dass die «Wahrheit ans Licht» kommen werde.

Nach Angaben eines Gerichtssprechers sollen zunächst Verfahrensfragen geklärt werden. So soll das Gericht unter anderem darüber entscheiden, ob weitere Nebenkläger zugelassen werden. Ob die Anklage schon am Mittwoch verlesen wird, war zunächst noch unklar.

32 Tote

Das Kreuzfahrtschiff «Costa Concordia» war im Januar 2012 vor der Mittelmeer-Insel Giglio auf einen Felsen gefahren, war dabei aufgeschlitzt worden und gekentert. 32 Menschen starben, zwei der Opfer werden eineinhalb Jahre nach dem Unglück noch vermisst.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schettino vor, mit dafür verantwortlich zu sein, dass das Schiff zu nahe an die Insel heranfuhr. Zudem soll er den Kreuzfahrtriesen noch vor Ende der Evakuierung verlassen haben. Schettino selbst hält sich nicht für den Hauptschuldigen.

Einziger Angeklagter

Der Kapitän ist der einzige Angeklagte in dem Verfahren, ihm droht eine langjährige Haftstrafe. Dem 52-Jährigen werden unter anderem mehrfache fahrlässige Tötung und Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes vorgeworfen.

Fünf weitere Beschuldigte, darunter der Steuermann und zwei Offiziere, hatten sich in den Voranhörungen mit der Staatsanwaltschaft auf Absprachen über das Strafmass geeinigt. Das Gericht in Grosseto soll am 20. Juli entscheiden, ob es dieses Vorgehen zulässt.

Prozess dürfte sich hinziehen

Wegen des grossen öffentlichen Interesses findet der Prozess weiter in dem umfunktionierten «Teatro Moderno» in Grosseto statt. Das Gericht hat zunächst drei Verhandlungstage für Mittwoch, Donnerstag und Freitag angesetzt.

Es wird erwartet, dass sich der Prozess allein bis zu einem Urteil in erster Instanz über Monate hinzieht. Mehr als 400 Zeugen sind geladen, mehr als 200 Nebenkläger zugelassen, darunter auch die Reederei Costa Crociere und die Insel Giglio.

(L'essentiel Online/gux/sda)

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