Luxemburg-Stadt – Bürger prangern «Chaos» im Bahnhofsviertel an

Publiziert

Luxemburg-StadtBürger prangern «Chaos» im Bahnhofsviertel an

Luxemburg-Stadt – Bevölkerung und die Behörden haben am Mittwochabend über die Sicherheit im Bahnhofsviertel diskutiert. Ebenso besorgt wie auch verärgert.

Etwa 350 Bewohner des Bahnhofsviertels machten am Mittwochabend ihrem Unmut und Ärger Luft.

Etwa 350 Bewohner des Bahnhofsviertels machten am Mittwochabend ihrem Unmut und Ärger Luft.

Editpress

Gewalt, Drogenkriminalität, Prostitution und mangelndes Sicherheitsgefühl: Das Bahnhofsviertel steht schon lange als Brennpunkt im Fokus. Und so ist es kaum verwunderlich, dass rund 350 Personen am Mittwochabend dem Aufruf der Stadt Luxemburg in die Sporthalle in der Rue de Strasbourg gefolgt sind, um sich über die Sicherheitslage im Bahnhofsviertel auszutauschen. Zumal die Stadt Ende November beschlossen hatte, die Verträge mit den privaten Sicherheitsdiensten nicht neu auszuschreiben.

Als Minister für Innere Sicherheit – und an diesem Abend das einzige Regierungsmitglied – musste sich Henri Kox also Hunderten besorgter und verärgerter Bürger stellen. Als er «ein Maßnahmenpaket» und ein «Gesamtkonzept» zur Bekämpfung des allgemeinen Unsicherheitsgefühls ankündigte, meldete sich ein Bürger zu Wort: «Zwei Jahre später, ein neuer Minister, und immer noch nichts!». Die Bewohner des Viertels führen immer wieder konkrete Beispiele an, wie ihr Alltag und der ihrer Kinder im Viertel beeinträchtigt und erschüttert werden.

«Unzivilisiertheit, gewalttätige Übergriffe und Drogenhandel»

Lydie Polfer, Bürgermeisterin der Hauptstadt, versuchte die Wogen zu glätten und betonte, dass «die Polizei die Arbeit nicht allein machen kann». Sie beklagt «Unzivilisiertheit, aber auch gewalttätige Übergriffe und Drogenhandel». Dabei beklagten die betroffenen und sichtlich verärgerten Bürger vor allem den Drogenhandel und die Prostitution in ihrem Viertel – ebenso wie mangelnde Maßnahmen.

Für Henri Kox sei es nötig, ein «Gesamtkonzept zu erarbeiten, bei dem die Innere Sicherheit, aber auch das Gesundheitswesen, das Außenministerium, die Justiz, das Bildungswesen und die Kommunen zusammenarbeiten». Der Minister für Innere Sicherheit erwähnte zwar «die Einstellung von 200 Polizisten» in diesem Jahr, einen Gesetzesentwurf, der den Zugang zum eigenen Gebäude erleichtern soll, wenn dieser durch Personen blockiert werde, oder auch die Wirksamkeit der Videoüberwachung. Die anwesenden Bürger, die von einer «chaotische Situation» am Bahnhof sprachen, vermochte er aber nicht zu überzeugen.

Auch Patrick Ewen, Generaldirektor der Polizei in der Hauptstadt, war nicht begeistert. Er sprach von einer erhöhten Polizeipräsenz vor Ort, von repressiven und präventiven Maßnahmen, um das Gefühl der Sicherheit im Viertel zu erhöhen, und untermauerte dies auch mit Zahlen. Bei der Versammlung stieß er aber nicht auf Zustimmung. Und der Grund liegt auf der Hand, die Bewohner des Viertels haben vor allem eines: Das Bedürfnis nach Sicherheit.

(Jean-François Colin/L'essentiel)

Deine Meinung