Finanzkrise – Bunkern Griechen ihr Geld in Luxemburg?
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FinanzkriseBunkern Griechen ihr Geld in Luxemburg?

LUXEMBURG/ATHEN – Wohlhabende Griechen fürchten offenbar den Euro-Austritt und Staatsbankrott. Und überweisen ihr Erspartes nach Luxemburg. Das behauptet ein Ökonom aus Athen.

Wandert der Inhalt griechischer Sparschweine besonders häufig nach Luxemburg?

Wandert der Inhalt griechischer Sparschweine besonders häufig nach Luxemburg?

DPA

Griechenland zittert sich in dieser Woche abermals durch die Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern. Die wohlhabende Privatleute aus dem Mittelmeerland bangen derweil um ihre Sparguthaben – und schicken ihre Euros auf die Reise in sicherere Gefilde. 80 Milliarden Euro haben das Land auf diese Weise seit Anfang 2010 verlassen. Wohin? «Am attraktivsten sind Luxemburg und Deutschland. Und Luxemburg ist einfacher – es gibt weniger Restriktionen.» Das sagt der Ökonom Nikolaos Georgikopoulos vom griechischen Wirtschaftsinstitut KEPE, dass unter anderem die Athener Regierung berät, im Gespräch mit L'essentiel. Georgikopoulos Job: Die Geldströme überwachen, die in und aus Griechenland fließen.

Daten aus dem Großherzogtum, die die Geldströme aus Griechenland Richtung Luxemburg belegen, gibt es offiziell nicht. Sowohl die Bankenaufsicht CSSF als auch der Bankenverband ABBL verweigern auf Nachfrage jede Auskunft. Einzig die Großbank BGL BNP Paribas durchforstet für L’essentiel ihre Statistiken. Einen Anstieg von Einzahlungen aus Griechenland finden die Banker jedoch nicht.

Dabei wäre es so einfach. Ökonom Georgikopoulos: «Kapital zu bewegen ist nicht schwer. Man geht zu einer Bank und eröffnet ein Konto. Die Frage ist nur: Wo?» Zypern, lange Zeit das Land der Wahl für solvente Griechen, habe seit der Finanzkrise selbst große Probleme, Asien und Südamerika seien risikobehaftet. «Also bleibt man in Europa», erklärt Georgikopoulos. Vielen falle da als attraktivstes Land sofort die Schweiz ein – «Aber dort muss man inzwischen viel bezahlen, um sein Geld anzulegen.»

«Den Superreichen sind Kontogebühren egal»

Den oberen Zehntausend ist das möglicherweise egal, sagt Georgikopoulos. Aber die hätten ihr Kapital schon schon lange aus Griechenland abgezogen. Jetzt gehe es um die wohlhabende aber bürgerliche Oberschicht. «Es geht um Menschen wie Sie und ich, die keine Millionen haben», erklärt der Wissenschaftler. «Die gehen dorthin, wo es einfach ist, Geld anzulegen – aber wo man nicht viel bezahlt.» Luxemburg und Deutschland seien über die Banken- und Handelssysteme leicht erreichbar. Und zudem brauche man sich in diesen Ländern nicht um sein Geld zu fürchten.

«Die Deutschen bieten beispielsweise keine hohen Zinsen, aber Sicherheit», sagt Georgikopoulos. «Und Deutschland ist gerade einmal zweieinhalb Flugstunden von Griechenland entfernt.» Der Vorteil von Luxemburg sei zudem die Verschwiegenheit der Banker im Großherzogtum. «Es geht hier nicht um illegales Geld – aber die Leute wollen trotzdem nicht, dass es irgendwo auftaucht.»

(Tobias Senzig/L'essentiel)

Nikolaus Georgikipoulos ist Gastprofessor an der New York University – Stern Business School und Forschungsbeauftragter am KEPE-Wirtschaftsinstitut in Athen.

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