Outsourcing-Massnahmen – Cargolux will Piloten nach Italien auslagern

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Outsourcing-MassnahmenCargolux will Piloten nach Italien auslagern

LUXEMBURG - Aus Kostengründen will die Frachtfluggesellschaft die Basis in Mailand stärken. Der Heimatbasis in Luxemburg kämen damit 25 neue Mitarbeiter abhanden.

Cargolux verlegt sich aufs Sparen und setzt nun verstärkt auf seine italienische Tochterfirma nahe Mailand.

Cargolux verlegt sich aufs Sparen und setzt nun verstärkt auf seine italienische Tochterfirma nahe Mailand.

AFP

Die Gewerkschaft LCGB äußert sich besorgt über eine mögliche Outsourcing-Welle am Flughafen Findel. Anlass ist der Plan der Frachtfluggesellschaft Cargolux, 25 Pilotenstellen nach Italien auszulagern. Auch die «Association
Luxembourgeoise des Pilotes de Ligne» (ALPL) äußerte sich besorgt.

Ursprünglich hatte das Unternehmen geplant, dieses Jahr 75 neue Mitarbeiter in Luxemburg einzustellen, nun sollen es nur 50 werden. Die restlichen sollen für die italienische Basis nahe Mailand angeheuert werden. «Die Verträge wurden in Italien unterzeichnet und beinhalten andere arbeitsrechtliche Bedingungen als im Großherzogtum», erklärt Aloyse Kapweiler vom LCGB.

Die Tochterfirma Cargolux-Italia soll zudem mit einem zweiten Flugzeug ausgestattet werden, das von Luxemburg nach Italien überstellt werden soll. Aber die Outsourcing-Pläne reichen noch weiter: Das Hauptquartier stellt nämlich nicht nur eine weitere Maschine an Cargolux-Italia ab, sondern will offenbar auch Flugverbindungen vom Großherzogtum in die Lombardei auslagern. Von Vizzola Ticino nahe Mailand werden derzeit die Destinationen Dubai, Osaka, São Paulo, Luxemburg, Almaty und Hongkong bedient. Entlassungen werde es jedoch keine geben, wurde betont. «Es handelt sich um 25 Posten, die hierzulande geschaffen werden sollten, die aber nun in Italien vergeben werden. Wir fürchten, dass das erst der Anfang ist», sagt Kapweiler.

«Ironische Situation»</b>

Auf Anfrage von L'essentiel will Cargolux Licht in die Situation bringen. Laut Firmenchef Dirk Reich wird das Outsourcing durch die Tatsache gerechtfertigt, dass die italienischen Flieger 20 Prozent länger als luxemburgische Piloten fliegen dürfen. Die Kostendifferenz betrage 25 Prozent.
Der Ausfall eines Cargolux-Flugzeuges soll im November ausgeglichen werden. «Wir wollen mit den Gewerkschaften sprechen, um eine harmonische Lösung zu finden. Das ist lebenswichtig für Cargolux», sagt Reich.

Laut den Gewerkschaften versucht Cargolux, durch diese Maßnahmen Kosten zu sparen. Für den LCGB ergeben diese Überlegungen jedoch wenig Sinn, da sich die Pilotengehälter in Luxemburg und Italien nur minimal unterscheiden würden.

«Wenn man die Situation ein bisschen ironisch betrachten will, kann man auch die indirekte Beteiligung von 65 Prozent, die der Staat an Cargolux hält, erwähnen», so Kapweiler. «Der Staat Luxemburg würde damit 25 Cargolux-Mitarbeiter in Italien kofinanzieren und muss zudem einen Verlust von Arbeitsplätzen, Steuergeldern und einen möglichen Schaden für die Logistik am Findel in Kauf nehmen.»

(lb/jt/L'essentiel)

Hintergrund

Die Tochterfirma Cargolux-Italia wurde 2008 gegründet, um Frachtflüge zwischen Milan und Osaka (Japan) abzuwickeln. Um die Flugrechte in Anspruch nehmen zu können, musste Cargolux um eine italienische Fluglizenz ansuchen und eine neue Tochterfirma gründen. Die Flüge von der Basis in Mailand wurden eine Zeit lang vom luxemburgischen Personal der Frachtfluggesellschaft durchgeführt, seit 2013 sind die Piloten allerdings nach italienischem Arbeitsrecht angestellt. Cargolux-Italia beschäftigt derzeit 40 Mitarbeiter, in Luxemburg arbeiten 460 Personen für Cargolux.

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