EU-Stresstest – Cattenom auf Störfall schlecht vorbereitet
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EU-StresstestCattenom auf Störfall schlecht vorbereitet

Sollte es im grenznahen AKW Cattenom zu einem Unfall kommen, sind die Sicherheits-Vorkehrungen unzureichend. Das geht aus einem EU-Stresstest hervor.

Catenom ist auf einen Unfall schlechter vorbereitet als das älteste französische AKW im elsässischem Fessenheim.

Catenom ist auf einen Unfall schlechter vorbereitet als das älteste französische AKW im elsässischem Fessenheim.

AFP

Das lothringische Atomkraftwerk Cattenom hat in einem internen Stresstest der EU-Kommission erhebliche Mängel aufgewiesen («L'essentiel Online» berichtete). Kommt es in der Atomanlage zu einem Zwischenfall, so ist sind das Sicherheitsmanagement und die Notfallpläne unzureichend. Zudem stellten die Prüfer der EU-Kommission in Lothringen Mängel beim Schutz gegen Erdbeben und Hochwasser fest.

Dies geht aus dem Bericht hervor, der «L'essentiel Online» in Auszügen vorliegt. Damit weist das AKW in Cattenom bei den Notfallvorschriften noch erheblichere Mängel auf als das umstrittene älteste französische Atomkraftwerk im elsässischen Fessenheim, wie die Zeitung «Le Figaro» berichtet. Im Gegensatz zu Cattenom soll das AKW in Fessenheim 2016 abgeschaltet werden.

Europaweit schneiden laut EU-Report französische AKWs besonders schlecht ab. Kritikpunkte sind vor allem fehlende oder ungenügende Erdbeben-Messgeräte, die sichere Lagerung von Unfallausrüstung und Mängel bei der Prüfung von Erdbeben- und Flutgefahren. Der Bericht fordert jedoch nicht nur von den französischen Betreibern Nachbesserungen bei der Sicherheit der Atomanlagen.

Investitionen von 10 – 25 Milliarden europaweit nötig

Auch die deutschen AKWs haben demnach enorme Sicherheitslücken. Bei allen werden die zwei genannten Punkte in punkto Erdbeben bemängelt. 2011 hatte die Bundesregierung die Stilllegung von acht der 17 AKW verfügt. Über einen ersten Entwurf des EU-Berichts hatte zuvor auch die Zeitung «Die Welt» berichtet.

Wenn ein Werk durchfällt, müsste es nachgerüstet oder abgeschaltet werden, heißt es in dem EU-Bericht. Um die Mängel zu beheben, müssten die Betreiber europaweit nach Rechnung der EU-Kommission für alle 134 noch laufenden Reaktoren in den kommenden Jahren zwischen 10 und 25 Milliarden Euro investieren.

In Finnland und Schweden besonders schwere Mängel

Besonders schwerwiegende Mängel belegt der EU-Report für zwei Werke - Olkiluoto in Finnland und Forsmark in Schweden -, wo die Betreiber weniger als eine Stunde Zeit haben, um nach einem kompletten Stromausfall und/oder einem Ausfall der Kühlsysteme die Sicherheitssysteme wieder hochzufahren.

Innerhalb der EU setzen derzeit 14 von 27 Staaten auf Kernenergie. Als Reaktion auf das Unglück im japanischen Fukushima hatte die EU europaweit alle 145 Nuklearreaktoren (aktive und stillgelegte) auf ihre Sicherheit hin geprüft.

Offiziell wird der Bericht erst am 18. oder 19. Oktober vorgestellt.

(sb/L'essentiel Online mit dpa)

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