Wahlkampf im Saarland – CDU will plötzlich zu neun Jahren Gymnasium zurück

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Wahlkampf im SaarlandCDU will plötzlich zu neun Jahren Gymnasium zurück

SAARBRÜCKEN – Seit 20 Jahren gibt es im Saarland das achtjährige Gymnasium. Nun geht die CDU mit der Rückkehr zu G9 in den Wahlkampf. Die SPD fordert das schon lange.

Tobias Hans und Anke Rehlinger sind die Spitzenkandidaten von CDU und SPD bei den kommenden Landtagswahlen. (Archiv)

Tobias Hans und Anke Rehlinger sind die Spitzenkandidaten von CDU und SPD bei den kommenden Landtagswahlen. (Archiv)

DPA

Die CDU im Saarland will nach zwei Jahrzehnten eine Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium. Vieles habe sich seit der Einführung von G8, dem Abitur nach acht Gymnasialjahren, verändert, sagte der CDU-Landesvorsitzende und saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). «Jugendliche brauchen mehr Zeit, um den wirklich immer wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.» Daher wolle man den Schüler wieder ein Jahr mehr geben – «zum Lernen, zum Arbeiten, zum Forschen».

Das Saarland hatte als erstes westliches Bundesland 2001 das Abitur nach acht Jahren an allen Gymnasien eingeführt. Der frühere Regierungschef Peter Müller (CDU) hatte die kürzere Gymnasialzeit damals mit Wettbewerbsnachteilen gegenüber anderen europäischen Länder begründet.

Mit dem Konzept zieht die CDU Saar in den Wahlkampf. Man wolle am Ende der Legislaturperiode der CDU/SPD-Koalition sagen: «Wenn es nach uns geht, geht es so weiter», sagte Hans. Im Saarland wird am 27. März ein neuer Landtag gewählt. An Gemeinschaftsschulen machen Schüler auch derzeit ihr Abitur nach neun Jahren.

Seitenhiebe von der SPD

Die saarländische SPD-Landesvorsitzende Anke Rehlinger twitterte nach der Vorstellung des Konzepts: «Wir als SPD waren immer für G9. Dafür sind große Investitionen in Räume und deutlich mehr Lehrerstellen notwendig, dagegen hat sich die CDU leider stets gestemmt, wir mussten in den letzten Jahre um jede Lehrerstelle kämpfen.»

Zur neuen Haltung der CDU schrieb Rehlinger: «Es ist nie zu spät zum Dazulernen, liebe @cdu_saar, nachdem ihr G8 eingeführt hattet! Hätten wir auch in dieser Legislatur schon ändern können. Aber Wahlkampf ist natürlich auch schön.»

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Commerçon teilte mit: «Die CDU gesteht einen Fehler ein und übernimmt die SPD-Position: Gut so. Schlecht, dass die Kehrtwende 74 Tage vor der Landtagswahl offensichtlich taktisch motiviert ist.» Das Saarland hat sich unter SPD-Führung seit 2012 im Bildungsranking stärker als alle anderen Bundesländer verbessert – vom vorletzten Platz auf Platz 5.

In den vergangenen Jahren war die Forderung zur Rückkehr zu G9 an Saar-Gymnasien immer wieder laut geworden. Eine Eltern-Initiative war Anfang 2018 mit einem Volksbegehren für G9 gescheitert. Andere Bundesländer sind bereits zu G9 zurückgekehrt.

(L'essentiel/dpa)

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