PsychologiscE Hilfe – CFL schickt Betreuer in Luxemburger Loks

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PsychologiscE HilfeCFL schickt Betreuer in Luxemburger Loks

LUXEMBURG - Nach dem tödlichen Zugcrash warten Pendler und Bahnverantwortliche auf die Ergebnisse der Justizermittlungen. Lokführer erhalten indes eine spezielle Unterstützung.

Bei der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL herrscht momentan Krisenmodus.

Bei der nationalen Eisenbahngesellschaft CFL herrscht momentan Krisenmodus.

L'essentiel

Eine Woche nach der tödlichen Zugkollision bei Düdelingen ist der Bahnverkehr zwischen Luxemburg und Thionville wieder zögerlich angelaufen. Am Dienstag verkehrten ungefähr ein Drittel aller regulären Zugverbindungen, wie CFL-Sprecher Mike van Kauvenbergh bestätigt. Zusätzlich schickte die Eisenbahngesellschaft Ersatzbusse auf die Straße. «Wir tun alles, was in unseren Kräften steht, um so viele Reisende wie möglich zu transportieren.»

Wie es im grenzüberschreitenden Bahnverkehr in den nächsten Tagen weitergeht, hängt auch von den Ermittlungen der Justiz ab. Die Blackboxen des Unglückszuges konnten mittlerweile aus dem Wrack geborgen werden. Mit einem raschen Abschluss der Untersuchung ist allerdings nicht zu rechnen.

Gutachter reist Ende dieser Woche an

«Ein unabhängiger Experte aus der Schweiz wird Ende dieser Woche nach Luxemburg kommen und die gesammelten Daten und Beweise in Zusammenarbeit mit dem Untersuchungsrichter sichten», sagt der beigeordnete Staatsanwalt David Lentz zu L'essentiel. Er wird sich auch ein Bild von der Strecke, den Maschinen und dem Stellwerk machen. Die Untersuchungen sollen «so schnell wie möglich» zu einem Ergebnis kommen, sagt Lentz. Trotz der gebotenen Eile will die Staatsanwaltschaft vermeiden, mit vorschnellen Schlüssen an die Öffentlichkeit zu gehen. Bekannt ist bislang nur, dass der Lokführer des Personenzugs vor dem Crash mit dem Güterzug ein Stoppsignal überfahren hat.

Bis zur Klärung der Unfallursache kommen auf der Linie 90 nur Garnituren der CFL zum Einsatz. Die französische Bahn SNCF weigert sich wegen Sicherheitsbedenken ihrer Lokführer, nach Luxemburg zu fahren. Auch der TGV macht derzeit einen Bogen um das Großherzogtum. Pendler müssen daher weiterhin mit Verzögerungen und überfüllten Zügen rechnen.

Nicht nur bei den Bahnreisenden sitzt der Schock nach dem Unglück bei Düdelingen tief. Besonders betroffen sind auch die Lokführer der CFL, die einen geschätzten Kollegen verloren haben und seit dem Crash mit einem mulmigen Gefühl in den Führerstand treten. Um den Mitarbeitern zusätzlichen Halt in dieser schwierigen Phase zu geben, bietet der Bahnbetreiber in den nächsten Tagen eine spezielle psychologische Unterstützung an. Ausbilder der Abteilung «Trains et matériel» begleiten die Lokführer, sofern diese damit einverstanden sind, auf der Unglücksstrecke in Richtung Süden. «Das Angebot ist als moralische Unterstützung gedacht. Es wird bislang gut von unseren Lokführern angenommen», sagt van Kauvenbergh. Bereits unmittelbar nach dem Unfall sei den Lokführern psychologische Hilfe angeboten worden.

Links:
CFL-Ersatzfahrplan
Generalstaatsanwaltschaft Luxemburg

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

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