Cannabis-Freigabe – Chamber liebäugelt mit kanadischem Modell

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Cannabis-FreigabeChamber liebäugelt mit kanadischem Modell

LUXEMBURG – Am heutigen Donnerstag hat in der Chamber eine öffentliche Debatte über eine Petition stattgefunden, die eine staatliche Reglementierung von Cannabis fordert.

In einer öffentlichen Debatte hat sich die Chamber heute mit der Freigabe von Cannabis beschäftigt.

In einer öffentlichen Debatte hat sich die Chamber heute mit der Freigabe von Cannabis beschäftigt.

Die Chamber hat am heutigen Donnerstag in einer öffentlichen Debatte anlässlich einer Petition über einen neuen gesetzliche Umgang mit Cannabis diskutiert. Konkret geht es um die Freigabe der Droge und deren Ausgabe, beispielsweise in Coffeshops. Petent Joe Schmit verfolgt mit seiner Eingabe verschiedene Ziele. Zwar sei er selbst kein Konsument, trotzdem habe er festgestellt, dass «Cannabis bereits heute immer und überall verfügbar» sei. Eine staatliche Reglementierung sei deshalb sinnvoll, um die Jugend, alle Konsumenten aber auch den Rechtsstaat zu schützen.

An seiner Seite argumentiere Guy Munhowen leidenschaftlich für ebendiese Sache. «Es geht nicht um eine komplette Freigabe von Cannabis, sondern um eine sinnvolle Reglementierung», sagt Munhowen. Diese wirft allerdings eine Vielzahl von Problemen auf, angefangen bei der Akzeptanz in der Bevölkerung. Laut Justizminister Félix Braz (déi Gréng) sei «die Drogenpolitik der letzten Jahrzehnte nicht erfolgreich zu nennen». Es müssten neue und einheitliche Regelungen her, denn: «Das was unter Strafe gestellt ist, muss bei Menschen auf Akzeptanz stoßen», so Braz.

Kanadisches Modell als Vorbild

Auch Gesundheitsministerin Lydia Mutsch (LSAP) erkennt an, dass sich am derzeit geltenden Recht etwas ändern muss. Derzeit gebe es eine «Widersprüchlichkeit» in der Gesellschaft im Umgang mit verschiedenen Drogen, namentlich mit Alkohol, den man zu verschiedenen Anlässen konsumiere. Es sei für Kinder und Jugendliche nicht nachvollziehbar, warum Cannabis anders behandelt werden solle, als die allseits akzeptierte Kulturdroge Alkohol. Dennoch müsse man die gesundheitlichen Risiken, die mit dem Konsum von Cannabis einhergingen im Auge behalten, wenn man über eine wie auch immer geartete Freigabe diskutieren wolle.

Zur Sprache kam immer wieder das kanadische Model. Das nordamerikanische Land hat im Jahr 2016 eine Freigabe von Cannabis beschlossen und wird allenthalben gelobt. «Um es mal auf gut Luxemburgisch zu sagen: die Kanadier haben sich jahrelang den Arsch aufgerissen, um ein vernünftiges und in sich schlüssiges System auf die Beine zu stellen», sagt Munhowen. Laut Mutsch könne Kanada aber nur bedingt als Modell für Luxemburg dienen, da wegen der erst kürzlich vorgenommenen Einführung noch keine langfristigen Auswirkungen auf die Gesellschaft abgeleitet werden könnten.


Aufklärung, Kontrolle, Prävention

Der Tenor aus der heutigen Sitzung könnte etwa lauten: Wir sind aufgeschlossen, aber wir wollen «kein Hau-Ruck-Verfahren», wie Alex Bodry (LSAP) sagt. Dem schließen sich auch déi Lenk und déi Greng an. Die CSV zeigt sich «offen für einen weiteren Austausch» über das Thema, so Marine Mergen. Allerdings müsse über verschieden Aspekte wie den befürchteten Drogentourismus, Präventionsmaßnahmen und eine Weitergabe von Cannabisprodukten an Minderjährige noch diskutiert werden.

«Probleme sind nur zu lösen, wenn man sie offen anspricht», findet Munhowen. «Es wäre doch mal erfrischend, wenn ein Jugendlicher in der Schule offen sagen könnte, dass er ein Drogenproblem hat. Diese Jugendlichen gibt es nämlich bereits jetzt schon.»

(dix/L’essentiel)

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