Spitzenplatz in Südamerika – Chile entwickelt sich zum Impf-Champion

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Spitzenplatz in SüdamerikaChile entwickelt sich zum Impf-Champion

Chile zählt mittlerweile zu den erfolgreichsten Ländern beim Prozentsatz der bereits gegen das Virus geimpften Einwohner.

Chile hat im Umgang mit dem Coronavirus das Blatt gewendet. Anfangs war das südamerikanische Land dafür kritisiert worden, dass es infizierte Personen schlecht ausfindig gemacht und isoliert habe. Inzwischen ist Chile eines der erfolgreichsten Länder weltweit dabei, einen hohen Prozentsatz seiner Bevölkerung geimpft zu haben. Mehr als 25 Prozent der rund 19 Millionen Einwohner haben mindestens eine Impfung gegen das Virus erhalten. Damit liegt Chile hinter Israel, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Großbritannien auf Platz vier.

Im Vergleich zur Schweiz wird deutlich, wie stark die Chilenen aufs Impfpedal gedrückt haben. Hierzulande liegt die Quote an Personen, die mindestens einmal geimpft wurden zurzeit bei 7,7 Prozent. Im vergangenen Monat hat man den Prozentsatz der geimpften Personen in Chile um über 15 Prozent steigern können.

Chilenen begannen früh zu verhandeln – auch mit China

Der chilenische Wissenschaftsminister Andrés Couve sagte der Nachrichtenagentur AP, dass offizielle Verhandlungen mit Impfstoffherstellern im vergangenen April begonnen hätten, nur einen Monat nach der Ausrufung einer Pandemie wegen des Coronavirus. Bis Mai hätten Experten und Behördenvertreter dem Präsidenten Sebastián Piñera einen Plan vorgelegt, wie Handelsabkommen und vorherige Kontakte zu Pharmaunternehmen genutzt werden könnten, um Impfstoffe zu bekommen, sobald sie verfügbar seien.

Der chilenische Biochemiker Alexis Kalergis war im Oktober 2019 nach Peking zu einem internationalen Kongress gereist. Dort traf er Experten des chinesischen Pharmaunternehmens Sinovac Biotech Ltd.. Kalergis hatte sich bereits bei Sinovac zu einer möglichen Zusammenarbeit bei der Impfstoffforschung erkundigt. Als China im Januar 2020 bekanntgab, dass es ein neues Virus ausfindig gemacht habe, wusste Kalergis, dass er sich bei seinen Kollegen bei Sinovac melden musste.

Die Experten drängten die chilenische Regierung daraufhin, dass das Land an klinischen Studien des chinesischen Herstellers teilnehmen solle, worauf der zuständige Minister einwilligte. Bis Juni hatte Chile einen Vertrag mit Sinovac geschlossen. Das Unternehmen stimmte zu, eine frühe Ladung des Impfstoffs an Chile zu übergeben. Gleichzeitig hat das Land auch mit anderen Pharmakonzernen verhandelt. «Wir haben uns verschiedene Alternativen angeschaut und haben nicht alles auf eine Karte gesetzt», sagte der Chefunterhändler Rodrigo Yáñez.

1,3 Impfungen pro 100 Einwohner sind Weltrekord

Chile bekam im Dezember seine ersten Impfstoffdosen. Es waren rund 21.000 von Pfizer und Biontech. Damit impfte Chile sofort Mitarbeiter des Gesundheitswesens. Bis Ende Januar hatte Chile seine ersten vier Millionen Dosen von Sinovac. Dadurch konnten die Impfungen beschleunigt werden. Massenimpfungen begannen im Februar. Seit Anfang Februar hatte Chile fast täglich mehr als 100.000 Impfungen verabreicht. Diese Quote hat sich in dieser Woche mehr als verdreifacht. Am Mittwoch erzielte das Land einen täglichen Weltrekord von 1,3 Impfungen pro 100 Einwohner. Israel lag mit 1,04 Dosen auf Platz zwei, wie die Kooperation Our World in Data mitteilte.

In Lateinamerika liegt Chile klar vorn. Brasilien hat bislang nur vier Prozent seiner Bevölkerung geimpft, Argentinien rund drei Prozent. Die chilenischen Behörden spendeten im März 20.000 Dosen des Sinovac-Impfstoffs an Paraguay und genauso viele an Ecuador.

(L'essentiel/DPA/pme)

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