Nervosität – China zensiert das Telefon

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NervositätChina zensiert das Telefon

Die Kontrollwut der chinesischen Regierung macht selbst vor Telefongesprächen nicht mehr halt. Wer beispielsweise das Wort «Proteste» benutzt, fliegt aus der Leitung.

Selbst wenn in Hamlet-Zitaten verdächtige Wörter vorkommen, kann das Gespräch durchaus unterbrochen werden.

Selbst wenn in Hamlet-Zitaten verdächtige Wörter vorkommen, kann das Gespräch durchaus unterbrochen werden.

Keystone/keystone

Dass China rigoros das Internet überwacht und nicht genehme Inhalte blockiert, ist ein offenes Geheimnis. Dass die Zensur mittels des Einsatzes modernster Technologien inzwischen auch auf das Telefonnetz ausgeweitet wurde, war bislang nicht bekannt. Aufgefallen ist dies, weil in den vergangenen Wochen vermehrt Telefonate plötzlich unterbrochen worden sind. Offenbar ist dahinter ein Muster zu erkennen.

Laut einem Bericht der «New York Times» werden die Telefonate auf sogenannte Keywords hin überwacht. In einer als Beispiel angeführten Konversation wurde ein Hamlet-Zitat erwähnt, in dem das Wort «Protestieren» vorkommt. Als es ein zweites Mal wiederholt wurde, soll die Leitung gekappt worden sein. Im NYT-Artikel wird die Vermutung geäußert, dass damit mit aller Macht verhindert werden soll, dass die zurzeit im arabischen Raum stattfindenden Revolten gegen die totalitären Regierungsstrukturen auf China überschwappen.

Chef-Zensor rechtfertigt sich

Mitte Februar verteidigte Dr. Fang Binxing, Chinas Chef-Zensor, in einem Interview die Maßnahmen. Gegenüber der staatlich kontrollierten Zeitung «Global Times» sagte er: «So viel ich weiß, überwachen rund 180 Nationen, dazu zählen unter anderen Südkorea und die USA, das Internet auch. Es ist also ein weitverbreitetes Phänomen.» Geht es nach seinen Plänen, soll die Firewall künftig verbessert werden, damit die Zensurmaßnahmen noch besser greifen.

Im chinesischen Volk ist Binxing nicht beliebt, das bekam er im vergangenen Dezember deutlich zu spüren. Ein von ihm veröffentlichter Microblog löste innerhalb weniger Stunden Tausende von kritischen Kommentaren aus. Binxing wurde als Lakaie der Regierung beschimpft. Daraufhin verschwand der Microblog wieder vom Netz – und mit ihm auch die wenig schmeichelhaften Kommentare.

mbu/L'essentiel Online

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