Wenig überraschend – Chinas Bevölkerung altert schnell
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Wenig überraschendChinas Bevölkerung altert schnell

Im Reich der Mitte leben immer mehr alte Menschen. Sie könnten zur Belastung werden für das «Wirtschaftswunder». Doch die Regierung will die Ein-Kind-Politik nicht lockern.

In China ist schon fast mehr als jeder achte Mensch über 60 Jahre alt. (Bild: Reuters)

In China ist schon fast mehr als jeder achte Mensch über 60 Jahre alt. (Bild: Reuters)

Die chinesische Bevölkerung altert schnell, und jeder zweite der heute rund 1,3 Milliarden Einwohner der Volksrepublik lebt inzwischen in einer Großstadt. Das hat die Volkszählung ergeben, die am Donnerstag von der Regierung in Peking vorgestellt wurde.

Jünger als 14 Jahre sind der Zählung zufolge inzwischen nur noch 16,6 Prozent der 1,34 Milliarden Einwohner Chinas, das sind 6,3 Prozentpunkte weniger als im Jahr 2000. Die Zahl der Über-60-Jährigen ist um fast drei Prozentpunkte auf 13,3 Prozent gestiegen.

Gefahr für wirtschaftliche Entwicklung

Die Resultate dürften die Debatte um die Ein-Kind-Politik in China weiter anheizen. Die Regelung wurde 1980 «vorübergehend» eingeführt mit dem Ziel, das Bevölkerungswachstum in China zu bremsen. Derzeit ist Paaren in Städten nur ein Kind erlaubt, Familien auf dem Land dürfen zwei Kinder haben.

Die rasche Alterung gefährdet die wirtschaftliche Entwicklung Chinas, weil ähnlich wie in Europa immer weniger arbeitende Menschen für immer mehr Pensionäre aufkommen müssen. Medien und Experten spekulieren bereits seit längerem darüber, dass die Regierung die Ein-Kind-Politik möglicherweise bald lockert. Allerdings hat Staatspräsident Hu Jintao dies erst am Dienstag gegenüber hohen Parteimitgliedern ausgeschlossen.

Mehr Knaben als Mädchen

Dabei gibt es einen weiteren problematischen Aspekt: Laut den aktuellen Daten kommen in China auf sechs neu geborene Knaben nur fünf Mädchen. «Normal» wäre ein leichter Überschuss bei den weiblichen Geburten. In der chinesischen Kultur jedoch werden traditionell Knaben bevorzugt. Dies dürfte das schon heute bestehende Problem weiter verschärfen, dass immer mehr Männer keine Frau finden werden.

Knapp die Hälfte der Bevölkerung (49,7 Prozent) lebt in Großstädten, vor zehn Jahren waren es noch etwa 36 Prozent. Durchschnittlich leben der Ende vergangenen Jahres durchgeführten Volkszählung zufolge 3,1 Personen in einem chinesischen Haushalt; vor zehn Jahren betrug der Schnitt 3,44.

Die gesamte Bevölkerung Chinas wuchs seit 2000 auf 1,3397 Milliarden. Der jährliche Zuwachs seit 2000 lag nur bei 0,57 Prozent. Für den großen Zensus, der alle zehn Jahre stattfindet, waren im November sechs Millionen Volkszähler zehn Tage lang von Tür zu Tür gegangen und hatten 400 Millionen Haushalte besucht.

L'essentiel Online/20min.ch/pbl/sda

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