Städte zu vermieten – Chinas Geisterstädte

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Städte zu vermietenChinas Geisterstädte

Für ihre aufstrebende Mittelklasse stampfen die chinesischen Behörden ganze Städte aus dem Boden. Viele stehen leer, da die Menschen sich die teuren Wohnungen nicht leisten können.

Dass es in China Geisterstädte gibt, ist angesichts einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen nicht auf Anhieb vorstellbar. Es handelt sich allerdings auch nicht um gewöhnliche Geisterstädte: Sie wurden nicht verlassen, sondern waren im Gegenteil noch nie bewohnt.

Überall im Land entstehen Satellitenstädte komplett mit Wohnungen, Regierungsgebäuden, Straßen, Schulen und Museen. Der chinesischen Mittelklasse soll so ein komfortables Leben außerhalb der verstopften Ballungszentren ermöglicht werden. Das Problem ist, dass die Behörden schneller bauen, als die Menschen einziehen können. Für die meisten sind die Mieten schlicht nicht bezahlbar.

Gefahr einer Immobilienblase

Wie die «Financial Times» schon 2010 schrieb, sind falsche Anreize für die Regionalregierungen Teil des Problems. Niemand will in seinem Verwaltungsgebiet ein Bruttoinlandprodukt (BIP) unter dem nationalen Durchschnitt ausweisen. Ein einfacher Weg für die Behörden, das BIP zu forcieren, sind staatliche Immobilienprojekte. Am besten ganze Satellitenstädte, je pompöser, desto besser. Ob diese dann während Jahren leer stehen, kümmert die Beamten nicht, da sie bis dann längst einen anderen Job haben.

Ob sich die Geisterstädte jemals mit Leben füllen werden, darüber gehen die Meinungen der Experten auseinander. Manche halten es angesichts des anhaltenden Wachstums der chinesischen Wirtschaft für eine Frage der Zeit, bis genügend Leute ausreichend verdienen, um sich die teureren Wohnungen leisten zu können. Andere sehen die Gefahr einer gefährlichen Immobilienblase. Da die Zentralregierung in Peking die Zinsschraube inzwischen angezogen hat, werden einige Regionalregierungen Schwierigkeiten bekommen, ihre leerstehenden Prestigeprojekte zu finanzieren.

Augenschein in Ordos, der berühmtesten Geisterstadt Chinas:

Quelle: Youtube/Al Jazeera)

Ordos liegt in der inneren Mongolei:

L'essentiel Online/kri

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