Aufrüstung – Chinas Tarnkappen-Jet macht USA Sorgen

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AufrüstungChinas Tarnkappen-Jet macht USA Sorgen

Als US-Präsident Barack Obama in Peking weilte, führte China seinen neuen Tarnkappen-Flieger J-31 vor. Chinas militärisches Aufrüsten verändert das globale Machtgefüge.

Die Triebwerke fauchten, als das im Showprogramm als «geheim gehalten» aufgeführte Kampfflugzeug über den Köpfen der internationalen Gäste seine Runden drehte. Mit der Flugpremiere vom Dienstag an der Flugschau in Zhuhai führte China erstmals seinen hochentwickelten Tarnkappen-Flieger J-31 vor. Er könnte die rüstungstechnische Vormachtstellung der USA infrage stellen.

Der Probeflug wurde inszeniert, während US-Präsident Barack Obama zusammen mit anderen regionalen Staatsoberhäuptern in Peking am Forum für asiatisch-pazifische Wirtschaftszusammenarbeit teilnahm. Für Chinas kommunistische Machthaber sind solche Muskelspiele nicht unüblich. Ein anderer auf Radarschirmen unsichtbarer Jet des Typs J-20 wurde vor drei Jahren genau dann vorgestellt, als der damalige US-Verteidigungsminister Robert Gates zu Besuch in Peking weilte.

Dem F-35 auffällig ähnlich

Der für die eigene Luftwaffe gedachte J-20 beeindruckte die amerikanischen Experten damals nicht sonderlich. Das könnte beim J-31 anders werden. Wie ein Offizieller der deutschen Bundeswehr der «Financial Times» sagte, ähnelt der chinesische Tarnkappen-Jet auffällig dem amerikanischen F-35 Lightning II. Dieser universell einsetzbare «Joint Strike Fighter» zählt neben dem besonders wendigen F-22 Raptor zu den US-Spitzenmodellen.

Noch sind die USA das einzige Land, das Tarnkappen-Jets aktiv einsetzt. Die von Lockheed Martin hergestellten F-35 werden aber an befreundete Nationen vor allem in Europa exportiert. Seine chinesische Kopie, der J-31, könnte für Käufer interessant werden, die als Kunden der USA aus politischen Gründen nicht infrage kommen.

Der Weltmarkt ist bereit

«Es ist unser Traum, das Monopol des Auslands bei Kampfflugzeugen der neuen Generation zu brechen», sagte an der Flugshow Li Yuhai, stellvertretender Generaldirektor der Herstellerfirma Aviation Industry Corporation of China (Avic), laut «Financial Times». «Der J-31 wird für uns ein Flaggschiffprodukt im internationalen Rüstungsmarkt sein.»

Das Käuferpotenzial sei vorhanden, sagt Professor Robert Farley, Rüstungsexperte an der University of Kentucky, zur «New York Times». Pakistan wäre ein Abnehmer, und mehrere lateinamerikanische Staaten suchten neue Flugzeuge für ihre Luftwaffen, so Farley. Zudem gebe es im Nahen Osten viel Unzufriedenheit mit den USA und amerikanischer Ausrüstung. «Ein billigeres Tarnkappen-Kampfflugzeug aus China wäre gut genug.»

Strategische Neuausrichtung nach außen

Auch strategisch könnte der J-31 einiges bewegen: China rüstet rapide auf und gibt dafür inzwischen mindestens 150 Milliarden Dollar aus. Seine Volksbefreiungsarmee entwickelt ihre bisher territorial ausgerichtete Luftwaffe zu einer nach außen wirksamen Kraft. Die J-31-Tarnkappenflieger könnten die amerikanische Lufthoheit im pazifischen Raum gefährden.

Ein US-Kampfpilot sagte dem Newsdienst des Naval Institute: «Ich glaube, sie werden irgendwann unseren Jets der fünften Generation ebenbürtig sein. Das sollten sie auch, denn die Industriespionage blüht.» US-Piloten sehen vor allem eine Gefahr, wenn China seine Kampfflugzeuge in großer Zahl einsetzen sollte.

Ihr einziger Trost ist die vorläufige Unsicherheit über die wirklichen Fähigkeiten des J-31. Ein Schwachpunkt sind die Triebwerke. Anders als der einmotorige F-35 braucht das chinesische Flugzeug zwei Triebwerke russischer Produktion.

Testflug des J-31 im Smog der Flugschau von Zhuhai:

(L'essentiel/sut)

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