Komplett-Lockdown – Chinesen tauschen Zigaretten gegen Essen

Publiziert

Komplett-LockdownChinesen tauschen Zigaretten gegen Essen

In Xi’an gilt seit fast zwei Wochen einer der strengsten Lockdowns seit Pandemiebeginn in China. Die Lebensmittel werden knapp – doch die Bewohner wissen sich zu helfen.

Die Lebensmittel in der chinesischen Metropolenstadt Xi'an werden nach mehr als zwei Wochen im rigorosen Corona-Lockdown knapp. Bewohner und Bewohnerinnen sehen sich derzeit gezwungen, Güter und Zigaretten gegen Nahrung einzutauschen, wie auf sozialen Plattformen zu sehen ist.

Seit dem 23. Dezember sind rund 13 Millionen Menschen in Xi'an eingeschlossen. Sie dürfen ihre Häuser nicht einmal zum Einkaufen verlassen. Die Behörden haben zwar kostenlose Lebensmittel zur Verfügung gestellt, aber auf Social Media waren zahlreiche Beschwerden eingegangen, dass die Pakete mit Früchten, Gemüse und Schweinefleisch trotz Versprechen nicht geliefert werden. Bewohner und Bewohnerinnen beklagten sich, dass ihre Vorräte zur Neige gingen und dass sie noch keine Hilfe erhalten hätten.

«Kann das Gebäude nicht verlassen und es wird immer schwieriger, im Internet Lebensmittel zu kaufen», schrieb eine Person aus Xi’an unter dem Namen Mu Qingyunani Sayno auf der Online-Plattform Weibo. Der Post stammt von einem verifizierten Account.

«Rückkehr in eine primitive Gesellschaft»

Bilder auf der Social-Media-Plattform Weibo zeigen nun User, die etwa Zigaretten gegen Kohl, Geschirrspülmittel gegen Äpfel und Damenbinden gegen eine kleine Portion Gemüse tauschten. In einem Video ist ein Bewohner zu sehen, der seine Nintendo-Switch-Konsole gegen eine Packung Instant-Nudeln und zwei Brötchen eintauschte. Ein anderer Mann gab sein Smartphone und ein Tablet her, um etwas Reis zu erhalten.

Ein Mann namens Wang erzählte in einer Sendung auf Radio Free Asia, wie das System funktioniert: «Die Leute tauschen ihre Sachen mit anderen im selben Gebäude, weil sie nicht mehr genug zu essen haben.» Ein anderer User auf Weibo nannte es eine «Rückkehr in eine primitive Gesellschaft». Man sei wieder «im Zeitalter des Tauschhandels angekommen», ärgerte er sich. «Es werden Kartoffeln gegen Wattestäbchen getauscht», schrieb er auf Weibo.

Im Online-Netzwerk Weixin schrieb die Autorin Jiang Xue: «In diesem Zeitalter des materiellen Überflusses, in dem alle abzunehmen versuchen, ist es plötzlich zu einer schwierigen Aufgabe geworden, genügend zu essen zu finden.» Andere User sehen die positive Seite der Lebensmittelknappheit: Sie seien «gerührt» von der Freundlichkeit ihrer Nachbarn, die ihre Vorräte mit ihnen teilten.

1,17 Millionen Menschen in Quarantäne wegen drei asymptomatischer Fälle

Der Komplett-Lockdown trägt allerdings erste Früchte: Nach knapp zwei Wochen ist die Zahl der Corona-Fälle in Xi'an rückläufig. Die Behörden meldeten am Sonntag 122 neue Infektionen – der niedrigste Stand seit dem 25. Dezember. Seit dem 9. Dezember wurden in Xi’an mehr als 1500 Fälle der Delta-Variante des Coronavirus gemeldet.

China folgt einer «Null-Covid»-Politik. So hat am Montagabend auch die Stadt Yuzhou in der zentralchinesischen Provinz Henan den 1,17 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen untersagt, ihre Häuser und Wohnungen zu verlassen. Der Grund: In den vergangenen Tagen waren drei Corona-Ansteckungsfälle entdeckt worden.

Einen Monat vor dem Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking hat auch die chinesische Hauptstadt Peking ein System der vollständigen Abschottung für Sportstätten und Helfer in Gang gesetzt. In den kommenden Wochen sind Tausenden Beteiligten sämtliche direkte Kontakte zur Außenwelt untersagt. Betroffen sind Freiwillige, Reinigungskräfte, Küchenpersonal und Fahrer. Auch die rund 3000 Athleten und Medienvertreter, die zu den Olympischen Spielen nach Peking kommen, sollen sich für die gesamte Dauer ihres Aufenthalts in strikte Abschottung begeben.

(L'essentiel/Karin Leuthold)

Deine Meinung