Im Test – Chuck Norris, der Ego-Shooter
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Im TestChuck Norris, der Ego-Shooter

14 Jahre mussten «Duke Nukem»-Fans auf die Rückkehr der 90er-Jahre Spiel-Ikone warten. Herausgekommen ist ein abgedrehtes Ballerspiel.

Die Story ist im Grunde schnell erzählt. Duke Nukem. Cooler Held. Heiße Babes. Der Duke hat es nach seiner letzten Aliensäuberung der Erde zu einigem an Starruhm gebracht und tingelt nun von Interviewtermin zu Interviewtermin. Er eröffnet einige Stripschuppen und nennt eine Burgerkette sein Eigen.

So trifft man den Duke am Anfang des Spiels in seinem Penthouse in Las Vegas, mit toller Aussicht auf den Fellatio-Brunnen - eine Anspielung an den berühmten Bellagio-Brunnen. Der witzige Einstieg in die Ballerorgie zeigt, wie der Duke sein eigenes Videospiel spielt, während sich zwei Blondinen um sein leibliches Wohl sorgen.

Leider machen sich die nachtragenden Aliens erneut auf, die Erde zu übernehmen. Dass sich die Ausserirdischen mit Vorliebe mit der Entführungen der heißesten Babes der Erde beschäftigen, schmeckt dem Duke natürlich gar nicht - und so nehmen die Ereignisse erneut ihren Lauf. Duke und Aliens auf einem Planeten, das passt nicht. Also Schrotflinte gepackt und den Aliens eins übergebraten.

Ballern bis die Finger bluten

Das Gameplay ist beste Ego-Shooter-Kost, wie man das von «Duke Nukem» gewohnt ist. Es gilt sich mit Hilfe allerlei Waffen durch Levels zu ballern und den Aliens zu zeigen, wer der Herr im Hause ist. Aufgelockert wird das Ganze durch kleine Rätsel. Auch haben die Aliens eine Schrumpftechnologie mit an Bord, so dass der Duke teilweise als Mini-Duke vorankommen muss. Witzig dabei ist, wie sich die markante Duke-Stimme zu einem piepsigen Mäusestimmchen wandelt.

Hier und da darf man auch im Cockpit eines Monstertrucks oder als Mini-Duke am Steuer eines ferngesteuerten Spielzeug-Autos Platz nehmen und so die Gegend unsicher machen. Aber der Fokus liegt ganz klar auf dem Ballerspass.

Welche Waffen stehen im Angebot?

Groß, laut und zerstörerisch sind die Waffen in «Duken Nukem Forever». Denn schließlich jagen sich die Aliens nicht von allein in die Luft. Das würde zwar die Befreiung der Erde einfacher gestalten, aber einem auch irgendwie den Spass an der Sache nehmen.

Also volle Kraft voraus und her mit den Schieß-Eisen. Und davon gibt es reichlich. Neben den Klassikern wie Pistole, Schrotflinte und Raketenwerfern gibt es auch spassige Schrumpfkanonen, mit denen die Widersacher auf Miniaturformat geschrumpft werden, nur um sie anschliessend mit hämischem Lachen und einem beherzten Tritt des Stiefels zermantschen zu können.

Altbackene Grafik

Seit den Glanzzeiten des Dukes Mitte der 90er-Jahre hat sich in der Welt der Computerspiele viel getan. Leider nicht im Hause Nukem. Die Grafik ist zwar zweckmäßig und hübsch anzuschauen und es wurden viele Details ins Spiel integriert, welche immer wieder zum Schmunzeln anregen. Seien es herumliegende Bücher von Dukes eigenem Bestseller «Why I’m so great» oder die überall vorhandenen Duke-Statuen. Man merkt dem Spiel allerding die lange Entwicklungszeit an. Die Grafik kann nicht mit aktuellen Titeln mithalten. Die Texturen sind simpel und auch die Animationen vermögen nicht so recht zu überzeugen. Wobei das im Falle des Dukes auch wieder lustig sein kann: So springt er, wenn man sich in einem Spiegel selbst betrachtet, immer noch gleich animiert wie Anfang der 90er-Jahre.

«Ihr seid gefickt»

Der Soundkulisse ist passend und lebt vorwiegend von den Kommentaren des Dukes. Es empfiehlt sich das Spiel auf Englisch zu spielen. Obwohl die deutsche Synchronstimme von keinem Geringeren als Manfred Lehmann - der deutschen Synchronstimme von Bruce Willis - kommt, ist das Original gesprochen von Jon St. John nochmals deutlich knackiger. Ganz davon abgesehen, dass einige Sprüche in der deutschen Synchronisation einfach albern klingen. So wird aus einem coolen «You’re fucked» ein obszön wirkendes «Ihr seid gefickt».

Multiplayer nur Beigemüse

Da selbst ein harter Knochen wie der Duke ab und zu Gesellschaft braucht, hat das Spiel einen Multiplayer-Modus spendiert bekommen. In den Modi «Deathmatch», «Team-Deathmatch», «Capture the Babe» und «Hail to the King» ballert man sich mit menschlichen Mitspielern durch die Levels. Der Multiplayer-Modus muss hier aber allenfalls als nette Dreingabe betrachtet werden und kann sich nicht mit Referenzen wie «Call of Duty» oder «Battlefield» messen.

Fazit: Ein solider Shooter für Fans

Kann das Spiel dem hohen Erwartungsdruck, der sich über die letzten 15 Jahre aufgebaut hat, überhaupt gerecht werden?

Ja und nein. Die Fans bekommen wohl genau das, was sie erwartet haben: einen soliden Shooter mit der nötigen Portion Coolheit in Form des Dukes. Trotzdem muss man dem Spiel neben der eher altbackenen Grafik die strenge Linearität vorwerfen. Der Spieler rennt wie in einem Schlauch durch die Levels, spielerische Freiheit ist hier Fehlanzeige. Auch ist die künstliche Intelligenz der Gegner nicht unbedingt auf dem höchstem Niveau. Man hält einfach drauf, bis nichts mehr steht - das Ballerspiel «Serious Sam» lässt grüssen. Allenfalls die Boss-Kämpfe haben noch einen gewissen taktischen Anspruch, aber auch der hält sich in Grenzen.

Dennoch macht es Spass, die rund zehn Stunden dauernde Kampagne zu absolvieren. Das Spiel lebt klar von seinem Hauptcharakter. Es macht einfach Laune, sich zwischendurch eine handvoll Steroide einzuwerfen und dann sämtlichen Aliens einen gehörigen Arschtritt zu verpassen. Das Spiel ist wunderbar überdreht, ohne sich dabei selbst zu ernst zu nehmen.

In diesem Sinne: Hail to the King und auf dass es nicht weitere 14 Jahre dauert bis zum nächsten Teil.

«Duke Nukem Forever» wurde auf einem PC mit aktueller Hardware getestet. Das Spiel ist ebenfalls auf PS3 und Xbox 360 erhältlich.

L'essentiel Online/O.Marti

Coole Sau, heiße Babes

Die coolste Sau der Videospielgeschichte ist nach langem Warten wieder zurück. Sie wissen nicht, wer der Duke ist? Es handelt sich um «The alien-killing, girl-getting, cigar-smoking bad-ass». Es gibt viele Bezeichnungen, die auf den Duke passen würden und doch wird ihm keine so wirklich gerecht - dem Chuck Norris des Videospieles. Aber der Reihe nach.

Duke, mit Nachnamen Nukem, erblickte 1991 zum ersten Mal das Licht der virtuellen Welt. Der geneigte Leser mag an dieser Stelle das Wortspiel Nuk’em erkennen, was frei übersetzt bedeutet: «Mach Ihnen Feuer unter dem Arsch». Damals noch als kleiner Pixel-Duke in 2D gelangte er schnell zu einer großen Fangemeinde. Dies ist vor allem auf seinen Coolness-Faktor zurückzuführen, gepaart mit markanten Sprüchen der Marke: «Als ich versprochen habe, dich als letzten zu töten, da habe ich gelogen.»

Der Glanz des Dukes bröckelt

Obwohl das Spiel «Duke Nukem Forever» 1997 zum ersten Mal angekündigt wurde, hat es sage und Schreibe 14 Jahre gedauert, bis Herr Nukem wieder in den Kampf gegen fiese Alienhorden steigt.

Die einschlägige Presse verschandluderte den offiziellen Titel also nicht zu unrecht zu «Duke Nukem Never» oder «Duke Nukem whenever». Im Laufe der Entwicklungsarbeiten und ständiger Verschiebungen wurde es dem ursprünglichen Entwicklerstudio 3D-Realms dann auch irgendwann zu blöd und man verlegte sich auf «It’s done when it’s done».

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