Du bist, was du likst – Computer kennen uns besser als unsere Freunde

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Du bist, was du likstComputer kennen uns besser als unsere Freunde

Mit jedem «gefällt mir» geben wir viel preis. Das zeigt eine Studie mit 86.000 Facebook-Nutzern. Sie hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Wohl nirgendwo sonst können Menschen ihre Meinung so einfach kundtun wie in sozialen Netzwerken wie Facebook. Ein einziger Klick reicht schon aus, um Zustimmung auszudrücken. Der «Gefällt mir»-Button macht es möglich.

Doch so harmlos wie das Treiben scheint, ist es nicht. Denn damit geben die User den Firmen dahinter die Möglichkeit, sie ganz genau kennenzulernen. Das berichten Forscher der University of Cambridge in den Proceedings of the National Academy of Sciences. Demnach ermöglicht allein die Auswertung der Facebook-Likes eines Menschen, dessen ethnische Zugehörigkeit oder sexuelle Orientierung zu identifizieren. Und das mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 90 Prozent.

Du bist, was du likst

Für die Studie untersuchte das Team um Psychologin Wu Youyou die Likes von insgesamt 86.220 Facebook-Nutzern. Zusätzlich absolvierten diese einen umfangreichen psychologischen Test, der Aufschluss über ihre Persönlichkeit bot. Im Fokus standen dabei die Aspekte Aufgeschlossenheit, Gewissenhaftigkeit, Weltoffenheit, Verträglichkeit und Neurotizismus, was den Grad der emotionalen Labilität beschreibt.

Mit den so gewonnenen Daten fütterten die Forscher ihren Computer. So konnten sie feststellen, welche Muster von Likes typisch für bestimmte Persönlichkeitsmerkmale sind. Mit anderen Worten: Anhand der Facebook-Daten kann das Computersystem erkennen, welche charakterlichen Eigenschaften ein Facebook-Nutzer besitzt.

Viel braucht es nicht

Anschließend prüften Youyou und seine Kollegen, wie gut diese Leistung im Vergleich zum menschlichen Urteilsvermögen ist. Dafür baten sie Angehörige und Freunde der Probanden, Einschätzungen über deren Persönlichkeitsmerkmale abzugeben. Die Angaben verglichen sie dann mit den mittels Computeranalyse gewonnenen Daten.

Dabei zeigte sich, dass schon zehn Likes für einen Computer ausreichten, um den Charakter einer Person besser einschätzen zu können als Arbeitskollegen. Um besser zu sein als Freunde, brauchte das System mindestens 70 Likes. Um so gut zu sein wie Familienmitglieder, waren es 150. Mithalten mit der Genauigkeit der Computer können nur Lebenspartner, so Youyou in einer Mitteilung: Um deren Einschätzungsgenauigkeit zu erreichen, muss das Computersystem auf mindestens 300 Likes zugreifen können.

Laut den Forschern haben bereits heute Maschinen das Potenzial, Personen besser einschätzen zu können, als es den meisten ihren nahestehenden Menschen möglich ist. Und Datenmaterial sei genug vorhanden. Schließlich liegen zu jedem Facebook-Nutzer durchschnittlich 227 Likes vor.

(L'essentiel/fee)

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