Luxemburg – Corona trifft ärmere Menschen am härtesten
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LuxemburgCorona trifft ärmere Menschen am härtesten

LUXEMBURG – Die Rate der Corona-Krankenhausaufenthalte ist bei Menschen mit niedrigem Einkommen doppelt so hoch wie bei Menschen mit höherem Einkommen.

Menschen mit niedrigem Einkommen haben sich auch in Luxemburg häufiger infiziert als jene mit einem hohen Einkommen.

Menschen mit niedrigem Einkommen haben sich auch in Luxemburg häufiger infiziert als jene mit einem hohen Einkommen.

Editpress/Alain Rischard

Es war zu befürchten: Schon die Zahlen aus den Vereinigten Staaten haben vermuten lassen, dass die Chance, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, eben doch etwas mit der Höhe des Einkommens und der sozialen Herkunft zu tun hat. Mit dem Fortschreiten der Pandemie waren die Menschen keineswegs in gleichem Maße mit der Pandemie konfrontiert: Menschen mit niedrigem Einkommen haben sich auch in Luxemburg häufiger infiziert als jene mit einem hohen Einkommen.

«Wir hatten etwas höhere Infektionsraten bei Geringverdienern und viel höhere Raten bei Empfängern von Mindestsozialleistungen», betonte Philippe Van Kerm bei der Vorstellung der Zwischenergebnisse einer Studie über die sozioökonomischen Auswirkungen der Pandemie. Kerm ist Professor für Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Luxemburg und gab zu, dass er selbst vom Ausmaß bestimmter Unterschiede überrascht war. Insbesondere war die Rate der Krankenhausaufenthalte zwischen den untersten 20 Prozent der Einkommensbezieher doppelt so hoch wie die der obersten 20 Prozent. Trotz des relativ allgemeinen Zugangs zur Gesundheitsversorgung im Großherzogtum.

«Die Wohnverhältnisse, die Art der Beschäftigung und Verhaltensweisen»

Millionen von anonymisierten Daten, die zwischen dem 1. März 2020 und dem 31. Juli 2021 mit Unterstützung des Statistikinstituts Statec, dem Luxemburger Institut für sozioökonomische Forschung (LISER) und der Generalinspektion für soziale Sicherheit (IGSS) erhoben wurden, bildeten die Grundlage für diese Untersuchung. Von den Einwohnern Luxemburgs haben demnach 497.999 Personen mindestens einen Corona-Test durchgeführt (87 Prozent). Bei 6949 Personen war der Test positiv (zwölf Prozent).

Dafür, dass sich viel mehr Menschen mit niedrigem Einkommen infiziert haben, hat Van Kerm einen Erklärungsansatz: «Die Wohnverhältnisse» (Größe der Wohnung, Anzahl der Familienmitglieder im Haushalt, ob mit Garten, Balkon, Terrasse oder nicht) gehören nach Ansicht von Philippe Van Kerm ebenso dazu wie «die Art der Beschäftigung» (Zeitarbeit, Gesundheitswesen, Baugewerbe, Reinigung, Sicherheit). Ebenso spielen Verhaltensweisen (Quarantäne, Tragen von Masken) eine Rolle, die mit der sozioökonomischen Situation zusammenhängen können. Bei den Nationalitäten hätte es demnach weniger Unterschiede gegeben. Sie müssten aber auch noch mit den Impfdaten abgeglichen werden. «Dies ist der nächste Schritt», sagt Van Kerm.

(Nicolas Martin/ L'essentiel)

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