Krankenhaus in Schottland – Coronavirus «überführt» Verbrecher in Klinik
Publiziert

Krankenhaus in SchottlandCoronavirus «überführt» Verbrecher in Klinik

Nicholas Rossi täuschte seinen Tod vor, um Klagen wegen sexuellen Übergriffs zu entkommen. Er floh nach Schottland, erkrankte im Dezember an Covid-19 und landete im Krankenhaus.

1 / 7
Nicholas Rossi wurde im Dezember 2021 in einem Spital in Glasgow festgenommen. Der Covid-19-Patient war ein gesuchter Krimineller in den USA.

Nicholas Rossi wurde im Dezember 2021 in einem Spital in Glasgow festgenommen. Der Covid-19-Patient war ein gesuchter Krimineller in den USA.

Screenshot nalahverdian2.wordpress.com
Rossi wird verdächtigt, eine Frau vergewaltigt zu haben, 2018 soll er einen weiteren sexuellen Übergriff in Ohio verübt haben.

Rossi wird verdächtigt, eine Frau vergewaltigt zu haben, 2018 soll er einen weiteren sexuellen Übergriff in Ohio verübt haben.

Screenshot Youtube/WPRI
Der Mann benutzte verschiedene Pseudonyme: Nicholas Alahverdian, Nicholas Alahverdian Rossi, Nicholas Edward Rossi, Nicholas Alahverdian-Rossi, Nick Alan, Nicholas Brown, Arthur Brown and Arthur Knight.

Der Mann benutzte verschiedene Pseudonyme: Nicholas Alahverdian, Nicholas Alahverdian Rossi, Nicholas Edward Rossi, Nicholas Alahverdian-Rossi, Nick Alan, Nicholas Brown, Arthur Brown and Arthur Knight.

Screenshot Staatsanwaltschaft Utah County 

Die Festnahme von Nicholas Rossi wird als Paradebeispiel großartiger Polizeiarbeit gefeiert: Der 34-Jährige war von Interpol im Zusammenhang mit einem sexuellen Übergriff in den USA im Jahr 2008 gesucht worden. Als im Dezember ein Mann namens Arthur Knight im Queen Elizabeth University HoKrankenhaus in Glasgow mit Covid-19 eingeliefert wurde, dachten sich die Ärzte zunächst nichts. Dann kam die schottische Polizei mit einem internationalen Haftbefehl.

Die kriminelle Laufbahn von Nicholas Rossi begann vor über 15 Jahren. Der Mann soll seinen Pflegevater betrogen haben, indem er Kreditkarten auf seinen Namen ausstellte und Schulden in Höhe von mehr als 200.000 Dollar anhäufte. Damals erwirkte das FBI einen ersten Haftbefehl gegen ihn.

Nicholas Rossi alias Alahverdian starb angeblich im Februar 2020

2008 wurde Nicholas Rossi verdächtigt, eine Frau vergewaltigt zu haben, 2018 soll er einen weiteren sexuellen Übergriff in Ohio verübt haben. Zu jenem Zeitpunkt benutzte der Mann verschiedene Pseudonyme: Nicholas Alahverdian, Nicholas Alahverdian Rossi, Nicholas Edward Rossi, Nicholas Alahverdian-Rossi, Nick Alan, Nicholas Brown, Arthur Brown und Arthur Knight.

Als Nicholas Alahverdian stieg er 2019 im US-Staat Rhode Island in die Lokalpolitik ein und engagierte sich besonders für das staatliche Kinderfürsorgesystem. Doch Monate später kündigte der «Politiker» an, dass er an einem Non-Hodgkin-Lymphom im Spätstadium leide und nur noch wenige Wochen zu leben habe. In einer Todesanzeige im Online-Nachruf-Portal EverLoved.com stand, dass Alahverdian am 29. Februar 2020 gestorben sei. Laut der Website wurde sein Leichnam eingeäschert, die Asche dann im Meer verstreut.

«Die Kinder und Familien in der Obhut des Rhode Island Department of Children Youth and Families (DCYF), die er inspirierte und durch turbulente Regierungsübergriffe führte, haben einen Kämpfer verloren, der zwei Jahrzehnte lang an vorderster Front gekämpft hat», hieß es im Nachruf.

«Es waren nicht die Cops, die ihn schnappten, es war Covid»

Aus der Liste gesuchter Verbrecher beim FBI verschwand Rossi aber offenbar nicht. Wie BBC schreibt, sollen die Ermittler und Ermittlerinnen ernsthafte Zweifel an der Geschichte über Rossis Tod gehabt haben. Ein Polizist bei der Staatspolizei von Rhode Island soll sogar den Priester angerufen haben, der die Gedenkfeier abhalten sollte, damit die Messe nicht stattfinde. «Das wäre Betrug», warnte der Ermittler den Geistlichen.Als am 13. Dezember ein gewisser Arthur Knight in ein schottisches Krankenhaus mit schweren Corona-Symptomen gebracht und intubiert wurde, landete Nicholas Rossi erneut im Visier der Behörden. Die Staatsanwaltschaft von Utah County will sich derzeit nicht darüber äußern, wie Nicholas Rossi gefunden wurde. Dies könnte «Ermittlungsmethoden offenlegen», zitiert «The Providence Journal» einen Ermittler. Hinter der Festnahme stecke jedoch «sorgfältige Ermittlungsarbeit», die an die Interpol-Behörden weitergeleitet worden sei.

CBS-Reporter Tim White, der den Fall seit Jahren verfolgt, sagte gegenüber BBC: «Alle waren fassungslos, als die Nachricht kam, dass er in Schottland am Leben ist. Es ist eine unglaubliche Geschichte. Die Polizei hat jahrelang versucht, ihn zu fassen. Aber es waren schließlich nicht die Cops, die ihn geschnappt haben, es war Covid.»

(L'essentiel/Karin Leuthold)

Deine Meinung