Überraschung in München – Cousine will nun doch Gurlitt-Erbe antreten

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Überraschung in MünchenCousine will nun doch Gurlitt-Erbe antreten

Eine Verwandte erhebt überraschend Anspruch auf das Erbe des Kunstsammlers Gurlitt. Die Cousine hat einen Erbschein beim zuständigen Gericht beantragt.

Sind hier zukünftig die wertvollen Gemälde aus der Gurlitt-Sammlung zu sehen? Zumindest hat das Kunstmuseum in Bern das Erbe nun - nach langer Bedenkzeit - angetreten. Foto: Gian Ehrenzeller/dpa

Sind hier zukünftig die wertvollen Gemälde aus der Gurlitt-Sammlung zu sehen? Zumindest hat das Kunstmuseum in Bern das Erbe nun - nach langer Bedenkzeit - angetreten. Foto: Gian Ehrenzeller/dpa

Die Cousine von Cornelius Gurlitt erhebt Anspruch auf das Erbe des Kunstsammlers. Nach Angaben ihres Sprechers beantragte Uta Werner am Freitag einen Erbschein beim zuständigen Nachlassgericht. Beim Gericht war zunächst niemand für eine Bestätigung zu erreichen.

Werner werde von ihren Kinder sowie einzelnen Söhnen und Enkeln ihres Bruders Dietrich unterstützt, hieß es in einer Mitteilung vom Freitag. Die betagten Geschwister Uta und Dietrich wären die gesetzlichen Erben gewesen. Dietrich Gurlitt hat bisher keine Ansprüche erhoben.

Familie wollte nur im Notfall einspringen

Eigentlich habe sich die Familie nur für den Fall auf das Erbe vorbereiten wollen, dass das Kunstmuseum Bern es ausschlägt. Wegen eines Gutachtens, das den Geisteszustand und damit die Testierfähigkeit von Cornelius Gurlitt anzweifelt, habe man sich aber jetzt anders entschieden, hieß es in der Mitteilung.

Gurlitt hatte in seinem Testament das Kunstmuseum Bern als Alleinerben für seine millionenschwere Kunstsammlung eingesetzt. Am Freitag wurde bekannt, dass das Museum das Erbe antreten will. Für Montag ist ein gemeinsamer Termin mit der Bundesregierung in Berlin angesetzt.

Museum brauchte viel Zeit für Entscheidung

Die Sammlung Gurlitt umfasst Hunderte Werke, bei denen nicht auszuschließen ist, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt. Deutschland hat sich verpflichtet, NS-verfolgungsbedingt entzogene Kunstwerke an die Erben der einstigen Besitzer zurückzugeben.

Der am 6. Mai gestorbene Kunstsammler Gurlitt, dessen Vater einer von Adolf Hitlers Kunsthändlern war, hatte sein komplettes Vermögen inklusive der millionenschweren Sammlung dem Kunstmuseum Bern vermacht. Das Museum hatte sich mit der Entscheidung viel Zeit gelassen und die gesetzliche Frist zur Annahme des Erbes nahezu völlig ausgeschöpft.

(L'essentiel/dpa)

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