Im Netz beleidigt – Cyber-Mobbing, ein Fall für die Versicherung

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Im Netz beleidigtCyber-Mobbing, ein Fall für die Versicherung

LUXEMBURG - In Frankreich gibt's seit kurzem Versicherungen, die den Ruf von Cyber-Mobbing-Opfern retten. Doch helfen diese weiter? Auch ohne lässt sich einiges tun.

Wer Opfer von Internet-Beleidigungen wird, sollte nicht einfach nur zusehen, sondern handeln. Dazu gehört, die Eltern zu informieren und gegebenenfalls zur Polizei zu gehen.

Wer Opfer von Internet-Beleidigungen wird, sollte nicht einfach nur zusehen, sondern handeln. Dazu gehört, die Eltern zu informieren und gegebenenfalls zur Polizei zu gehen.

DPA

Mit der Verbreitung des Internets hat auch die Lästerei über unbeliebte Mitmenschen ihren Weg in die virtuelle Welt gefunden. So mancher Jugendliche mag bereits die leidvolle Erfahrung gemacht haben, dass Mitschüler auf Facebook öffentlich über ihn herziehen oder peinliche Bilder hochladen. Aufsehen erregte zuletzt der Fall des Models Claudia Boerner, die nach der Teilnahme an der deutschen Kochshow «Das perfekte Dinner» im Internet beleidigt wurde und sich letztlich das Leben nahm («L’essentiel Online» berichtete).

Hilfe versprechen in Frankreich nun zwei Versicherer mit speziellen Produkten, dank derer der gute Ruf im Netz wiederhergestellt wird. Nach Swiss Life im Juni 2011 hat Axa im Januar dieses Jahres nachgezogen und erst kürzlich einen dazugehörigen Werbespot veröffentlicht, der vor allem Eltern von Jugendlichen ansprechen soll. Die Versicherungen übernehmen im Schadensfall bis zu einem bestimmten Limit die Kosten für Online-Reputations-Firmen, die für die Löschung der beleidigenden Einträge sorgen. Zudem gibt es juristische Hilfestellung. Begründet wird der Sinn einer solchen Versicherung damit, dass 72 Prozent aller Internetnutzer spontan nicht wüssten, wie sie unliebsame Kommentare über sie entfernen lassen könnten.

Bei Swiss Life werden 9,90 Euro pro Monat fällig. Axa versichert Familien für 22 Euro, Singles für 13 Euro pro Monat. Hilfe erhält der Kunde bei dieser Versicherung zum Beispiel auch, wenn er beim Online-Shopping auf Betrüger hereinfällt. Zudem können sich Opfer von Cyber-Mobbing an eine psychologische Hilfshotline wenden. Einige Einschränkungen im Kleingedruckten weisen die Versicherungsverträge allerdings auf, wie die französische Internetseite owni.fr zeigt.

«Diese Produkte sind Geldmacherei»

In Luxemburg bieten Axa und Swiss Life die Online-Reputations-Versicherungen nicht an. Swiss Life konzentriert sich hierzulande auf Lebensversicherungen. Axa beobachtet noch, wie das Produkt in Frankreich angenommen wird. «Diese Versicherung scheint uns interessant. Wir können allerdings noch nicht sagen, ob wir das Modell in Luxemburg anbieten werden. Das wäre verfrüht», sagte Pressesprecherin Nathalie Hanck.

Nach Ansicht von Paul Hammelmann, Direktor der Association des Compagnies d’Assurances, können Kunden auf eine Versicherung gegen Cyber-Mobbing verzichten. «Diese Produkte sind Geldmacherei auf dem Rücken der Kunden», sagte er gegenüber «L’essentiel Online». «Die Versicherungen sollten eher eine Rechtschutzversicherung anbieten. Das ist seriös, denn Fälle von Cyber-Mobbing gehören vor Gericht gelöst.»

Laut Judith Swietlik, Projektkoordinatorin bei der vom Wirtschaftsministerium geförderten Internet-Initiative Bee Secure, können Opfer einige Maßnahmen ergreifen, um sich zu schützen. «Wenn Beleidigungen im Netz mehrfach auftreten, sollten sich Jugendliche an ihre Eltern wenden. Und wenn auch sie nicht weiterwissen, bleibt die Möglichkeit, bei der Polizei Anzeige zu erstatten. Betroffene sollten darüber sprechen und nicht bei sich selbst die Fehler suchen», rät sie. Wer auf Facebook diffamiert werde, könne sich an das Soziale Netzwerk wenden mit der Bitte, den entsprechenden Kommentar zu entfernen.

(Kerstin Smirr/L'essentiel Online)

Was tun, wenn ich Opfer von Cyber-Mobbing werde?

Bee Secure hat einige Tipps zusammengefasst, wie sich Betroffene verhalten sollten, wenn sie online angegriffen werden. Bee Secure gibt auch im Einzelfall Hilfe. Cyber-Mobbing-Opfer können sich an die Helpline unter Telefon 26 64 05 44 wenden.

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