Lewandowski, Koundé und Co.: Darf marodes Barcelona seine neuen Superstars gar nicht einsetzen?

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Lewandowski, Koundé und Co.Darf marodes Barcelona seine neuen Superstars gar nicht einsetzen?

Trotz Schuldenberg schlägt der FC Barcelona auf dem Transfermarkt ordentlich zu. Dies sei Teil einer Wiederbelebungs-Strategie. Noch sind die prominenten Neuzugänge aber nicht spielberechtigt.

von
Silvan Haenni
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Noch lacht der Barça-Präsident: Joan Laporta bei der Vorstellung von Weltfußballer Robert Lewandowski.

Noch lacht der Barça-Präsident: Joan Laporta bei der Vorstellung von Weltfußballer Robert Lewandowski.

AFP
Unter dem 60-Jährigen fahren die Katalanen eine agressive Strategie.

Unter dem 60-Jährigen fahren die Katalanen eine agressive Strategie.

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Ohne Geld zu haben, wird fleißig investiert, um damit wieder Geld zu generieren.

Ohne Geld zu haben, wird fleißig investiert, um damit wieder Geld zu generieren.

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Am 13. August startet der FC Barcelona mit einem Heimspiel gegen Rayo Vallecano in die neue Saison. Die Hoffnungen bei den katalanischen Fans auf den ersten Meistertitel seit 2019 sind groß. Schließlich hat die Barça-Führung um Präsident Joan Laporta (60) mit Weltfußballer Robert Lewandowski (kam von den Bayern), Raphinha (Leeds) und Jules Koundé (Sevilla) große Neuzugänge tätigen können. Außerdem wechselten Innenverteidiger Andreas Christensen (Chelsea) und Franck Kessié (Milan) ablösefrei ins Camp Nou.

Die Gesamtkosten des emsigen Transfertreibens belaufen sich bislang auf mindestens 140 Millionen Euro. Weitere Stars sollen bis zum Ende des Sommerfensters am 1. September noch folgen. Das ist Geld, das der finanziell arg gebeutelte Club eigentlich nicht hat. Oder zumindest bis vor kurzem nicht hatte. Schließlich belaufen sich die Schulden des 26-fachen Meisters auf über 1,33 Milliarden Euro. Noch im Juni hieß es, Barça bräuchte dringend 500 Millionen, um die Insolvenz abzuwenden.

Heuten essen, morgen hungern?

Die unkonventionelle Notmaßnahme: Die Veräußerung von Clubvermögen. Zehn Prozent der TV-Rechte aus der Meisterschaft gehen für die kommenden 25 Jahre an die US-Investmentfirma Sixth Street. Zudem ist seit Montag bekannt: 24,5 Prozent der Barça Licensing und Merchandising Gesellschaft (BLM) wurden Socios.com abgegeben. Insgesamt soll dies etwas mehr als 300 Millionen auf einen Schlag einbringen. Dem neuen Hauptsponsor Spotify hat man für 435 Millionen bis 2034 gar den Stadionnamen hergegeben.

Der Geld-Strick um den Barça-Hals soll auch dadurch gelockert werden, in dem man das teure Kader von Trainer Xavi (42) ausmistet. Die Abschussliste ist lang und prominent. Wer keinen Abnehmer findet, soll wenigstens auf Teile des oft immensen Salärs verzichten. Präsident Laporta nennt es «Angleichung an die neue Gehaltsstruktur.» Für andere ist es «Mobbing» bis «Erpressung», wie es «The Athletic» in einem ausführlichen Bericht darlegt.

Fieses Spiel mit De Jong

Bestes Beispiel dafür: Frenkie de Jong (25). Der Niederländer wechselte vor drei Jahren für rund 75 Millionen Euro nach Katalonien und soll mit seinem Mega-Vertrag inklusive Boni und Prämien über 100 Millionen verdienen können. Laporta möchte ihn deshalb unbedingt loswerden. Ein Deal mit Manchester United wurde bereits eingefädelt. Nur: De Jong hat andere Pläne, will unbedingt bleiben und verzichtet nicht auf Teile seines Lohns.

Auch, weil Barça ihm gegenüber bereits mit Zahlungen in Höhe von über 20 Millionen Euro nachsteht. Er ist nur einer von mehreren Spielern, denen der Club Geld schuldet. Einer, der auf Lohn und gewisse Forderungen verzichtet hat, ist Abwehrchef und Clublegende Gerard Piqué. Doch auch ihn wollen sie offenbar loswerden.

Das Problem mit den Lizenzen

Der dringend nötige Aderlass wird auch vor den größten Identifikationsfiguren nicht haltmachen. Barcelona muss nämlich unter anderem Auflagen der spanischen Profi-Liga bezüglich der Lohnobergrenze einhalten. Der Zusammenhang ist einfach: Je schlechter ein Club finanziell dasteht, desto tiefer ist der sogenannte Salary Cap. Wird der Cap überschritten, werden die Lizenzen für Neuzugänge schlicht nicht ausgestellt. Dies soll die Vereine dazu zwingen, wirtschaftlich nachhaltig zu arbeiten.

Im Moment sind also die neuen Stars Lewandowski, Raphinha und auch Koundé noch ohne Spielberechtigung. Ob es Laporta schafft, bis Ende der Transferperiode genügend Spieler zu veräußern, um die Lizenzen seiner neuen Stars zu lösen, ist fraglich. Dies bis am 13. August zu tun, praktisch unmöglich. Die einzige Hoffnung für die Blaugrana: Seit neustem offeriert die Liga ein Schlupfloch, die Saläre der jüngeren Spieler dem B-Kader zuzuschreiben. Barça-Boss Laporta gibt sich zuverlässig: «Wir meinen, dass wir nun alle unsere Hausaufgaben gemacht haben und daher in der Lage sein werden, alle Spieler problemlos einzuschreiben.»

Misstrauen der anderen Clubs

Für den Fall, dass dies nicht klappen sollte, hat man beispielsweise beim Raphinha-Transfer den Verkäufer-Club Leeds darum gebeten, den Spieler wieder zurücknehmen zu wollen. Der Premier-League-Absteiger reagierte schockiert und fügte der 60-Millionen-Ablöse eine Zehn-Millionen-Strafe hinzu, sollte Barça nicht rechtzeitig bezahlen. «Athletic» zitiert derweil Club-Bosse aus Spanien, die bei Geschäften mit Barcelona mittlerweile ähnliche Klauseln in die Verträge einbauen würden.

Auch Kontinentalverband Uefa ist gegenüber einer der dominantesten Kräfte der vergangenen zwei Jahrzehnte zunehmend misstrauisch. So soll Laporta die in Nyon ansässige Organisation darum gebeten haben, Vorschuss-Zahlungen für die TV-Einnahmen der Champions League der kommenden Jahre zu leisten. Die Uefa lehnte umgehend ab. Man könne nicht damit rechnen, dass Barça immer in der Königsklasse spielen werde: «Die Champions League ist kein Geburtsrecht.» Ohne lizenzierte Stars umso weniger.

La Liga heißt neu «La Liga EA Sports FC»

Das spanische Fußball-Oberhaus hat einen neuen Hauptsponsor: EA Sports, der kanadische Videospiel-Entwickler, wird ab 2023/24 zwischen 30 und 40 Millionen Euro pro Jahr in die Liga pumpen. Vereinbart worden ist vorerst ein Zeitraum von fünf Saisonen, in denen das EA-Spiel «FIFA» der Liga einen neuen Namen geben wird.

Dieses heißt nämlich ab der übernächsten Ausgabe «EA Sports FC» und löst die Namensgebung des bisherigen Partners «Santander» ab, der nur rund 17 Millionen Euro pro Jahr zahlte. Im Zentrum der neuen Partnerschaft sollen neben eines höheren Sponsoren-Betrags auch Synergien zwischen der virtuellen und der realen Welt stehen. (sih)

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