Haiti - ein Jahr danach – Darlene kann wieder lächeln

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Haiti - ein Jahr danachDarlene kann wieder lächeln

Die 17-jährige Darlene Etienne wurde 15 Tage nach dem Erdbeben lebend aus den Trümmern gerettet. Mittlerweile hat sie sich erholt – doch die Strapazen wirken nach.

Das ist Darlene Etienne am 9. Januar 2011. Die heute 17-Jährige war 15 Tage nach dem Erdbeben aus den Trümmern gerettet worden.

Das ist Darlene Etienne am 9. Januar 2011. Die heute 17-Jährige war 15 Tage nach dem Erdbeben aus den Trümmern gerettet worden.

Keystone

Darlene Etienne empfängt die Medien mit einem breiten Lächeln. Schließlich waren sie überraschend gekommen, um zu sehen, wie es der 17-Jährigen ein Jahr nach der Katastrophe geht. Darlene war am 27. Januar, 15 Tage nach dem Beben lebend aus den Trümmern gerettet worden. Ein französisches Rettungsteam grub sie frei aufgrund von Hinweisen der Anwohner, die ein leises Jammern gehört hatten.

Als man sie fand, war Darlenes Haut weiß vom Kalk der Wände. Sie sah aus wie ein Gespenst. Ihre Augen saßen tief in den Höhlen und blickten leer. Ein Retter erzählte später der Nachrichtenagentur AP, das Mädchen sei in letzter Minute geborgen worden. Sie hätte nicht viel länger unter den abgebröckelten Betonblöcken und den verbogenen Stahlstäben durchgehalten.

Um sie herum wurden tagelang Menschen gerettet, nur sie nicht

Heute wohnt Darlene bei der Großmutter im ländlichen Artibonite Valley, drei Autostunden von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt. Darlene lächelt, die Spuren der Tragödie in ihren Augen immer noch sichtbar. Sie erinnert sich genau an den Tag, an dem sie gerettet wurde, sagt sie. Sie sei all die Tage unter den Trümmern bei Bewusstsein und hellwach gewesen – im Gegensatz zu anderen Überlebenden, die nach der Bergung berichten, wie sie die Tage in einer Art Halbschlaf verbrachten.

In den ersten Tagen habe sie laut geschrien, doch der Lärm der Bagger, die Sirenen und das Geschrei der Anwohner, die verzweifelt nach ihren Angehörigen riefen, überdeckten ihre Stimme. Sie verfolgte aufmerksam, wie die Maschinen Steinblöcke in ihrer Nähe entfernten. Jedes Mal meinte sie: «So, jetzt holen sie mich raus», doch dann war es jemand anders gewesen.

«Hier gibt es nichts mehr»

Darlene war neun Tage vor dem Beben von Zuhause ausgezogen, um bei ihrem Cousin und seiner Frau zu wohnen. Von dort war der Weg zur neuen Schule viel kürzer. Beim Erdbeben starb die Frau ihres Cousins, als eine Wand über sie stürzte. Keiner erwartete, Darlene lebend zu finden. Erst als ein Nachbar Steine aus dem Weg räumte, hörte er ihre leisen Hilferufe. Sie gab ihm die Telefonnummer ihrer Familie, die sofort einen Rettungstrupp alarmierte.

Ihre erfolgreiche Rettung wurde in den Medien wie ein Wunder gefeiert. Sie selber erkennt sich kaum auf den Bildern von damals. Eine Zukunft in Haiti sieht sie nicht. Ihre Mutter sucht nach einer Möglichkeit, Darlene ins Ausland zu schicken. «Hier gibt es nichts mehr», sagt sie

(20min.ch/kle/dpa)

Politische Lage instabil

Nach Ansicht der EU reicht die bisher geleistete Hilfe nicht aus. Die Europäer sehen aber vor allem die politische Lage mit Sorge. «So schlimm das Erdbeben auch war, es war nicht das größte Problem Haitis», sagte die für Katastrophenhilfe zuständige EU-Kommissarin Kristalina Georgiewa. «Das größte Problem ist der Mangel an Institutionen und an guter Regierungsführung. Dieser Mangel an Entwicklung ist unsere eigentliche Hauptaufgabe», sagte die Kommissarin. Die Bildung einer neuen Regierung, die den Wiederaufbau managen könnte, hat sich verzögert, da die Präsidentenwahlen im vergangenen November in Chaos endeten. Bisher ist nicht klar, wann es mit mit welchen Kandidaten zu einer Stichwahl um das Präsidentenamt kommen wird.

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