Proteste in Venezuela – Darum demonstriert Hans nackt auf dem Panzer

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Proteste in VenezuelaDarum demonstriert Hans nackt auf dem Panzer

Die gewaltsamen Proteste in Venezuela forderten bislang 39 Menschenleben. Drei Aktivisten zeigen, wie es auch gewaltfrei geht.

Jeden Tag kommt es in Venezuela zu Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften, Oppositionellen und Regierungsanhängern. Die Polizei geht mit Tränengas und Militärgerichten gegen Zivilisten vor, Demonstranten nehmen Beamte als Geiseln und halten sie stundenlang fest. Mittlerweile sind 39 Menschen ums Leben gekommen, rund 800 wurden verletzt.

Beide Seiten werfen sich gegenseitig vor, die Gewalt mit solchem Vorgehen anzuheizen. Drei Aktivisten haben in den letzten Wochen gezeigt, dass es auch friedlich geht:

Hans Wuerich (27), der Nackte auf dem Panzer

Als die Proteste am 20. April in der venezolanischen Hauptstadt Caracas eskalierten, zog Hans Wuerich in einem Impuls seine Kleider aus. Nackt und mit einer Bibel in der Hand näherte er sich einem Panzerwagen der Polizei. Die Beamten forderten ihn auf, stehen zu bleiben. Wuerich ließ sich davon nicht beeindrucken und stieg auf den Tanker. Die Polizisten antworteten mit Schrotmunition.

«Ich war in dem Moment so entschlossen, den Polizisten meine Botschaft zu vermitteln, dass es mir völlig egal war, ob sie mich töteten oder verhafteten», erzählt der Fachmann für soziale Kommunikation der New York Times. Nach 20 Minuten und mit leichten Verletzungen im Gesicht und am Rücken lief er nach Hause. «Meine Mutter war verärgert. Sie sagte, ich sei total verrückt, während sie meine Wunden behandelte.» Nach dem Vorfall habe er vier Tage lang sein Handy ausgeschaltet gelassen. «Aus Sicherheit», wie er sagt. Präsident Maduro machte sich Tage später in einer Rede über die Aktion lustig. «Das beweist, wie man auch Aufmerksamkeit erreichen kann, wenn man friedlich protestiert», sagt er zu spanischen Zeitung El País.

Carlos Vivas (29), der Cuatro-Spieler

Carlos Vivas geht regelmäßig an Demonstrationen und nimmt jedes Mal sein Cuatro mit, eine in Südamerika weit verbreitete viersaitige Gitarre. Dann mischt sich der Künstler unter die Leute und spielt einen Joropo, einen populären venezolanischen Tanz. «Die meiste Zeit hören die Menschen mir gar nicht zu», sagt Vivas zu El País. Vor allem nicht, wenn die Polizei gerade mit Tränengas auf die Menge schießt. «Aber ich spiele einfach weiter.» Jeder solle so demonstrieren, wie er das Gefühl habe, dass es am meisten nütze, meint er. «Ich glaube aber, dass Pazifismus der beste Weg ist.»

María José Castro (54), die Furchtlose

María José Castro ging am 3. Mai auf die Straßen von Caracas, um gegen die schwere Wirtschaftskrise und die dramatischen Versorgungsengpässe zu protestieren. Sie trug eine venezolanische Flagge um den Körper, dabei ist Castro eigentlich Portugiesin. Als Streitkräfte der Regierung begannen, gegen eine Gruppe Studenten zu schießen, stellte sich die 54-Jährige vor einen Panzerwagen.

«Ich fühlte mich plötzlich wie die Mutter all dieser jungen Menschen», sagt Castro. «Als ich hörte, wie ein Soldat den Befehl gab, gegen sie zu fahren, glaubte ich, dass es ein Massaker geben würde.» Das Bild, das sie heldenhaft vor dem Panzer zeigt, ging damals um die Welt.

(L'essentiel/kle)

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