Alles fürs Personal – Darum hat Google die glücklichsten Mitarbeiter
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Alles fürs PersonalDarum hat Google die glücklichsten Mitarbeiter

Beim Suchmaschinen-Riesen zu arbeiten ist kein Honigschlecken. Trotzdem gilt Google als beliebter Arbeitgeber. Denn niemand weiß besser, wie man Mitarbeiter umgarnt.

Begehrte Jobs: Einblick in das Gebäude von Google in Zürich.

Begehrte Jobs: Einblick in das Gebäude von Google in Zürich.

Editpress

Google hat ein Frauenproblem. Nicht dass Googler etwas gegen Frauenpower hätten, im Gegenteil. Wie die meisten Technologie-Unternehmen versucht auch Google, seine magere Frauenquote seit Jahren zu steigern. Die Krux: Selbst dem erfolgsverwöhnten Software-Konzern liefen in der Vergangenheit immer wieder junge talentierte Frauen davon.

Eine interne Analyse der Personalabteilung offenbarte, dass Mitarbeiterinnen, die schwanger wurden, das Unternehmen doppelt so häufig verließen wie der Rest der Belegschaft. Doch Google hat reagiert: Seit 2007 erhalten Mütter fünf Monate bezahlten Mutterschaftsurlaub. Der branchenübliche Standard in den USA beträgt gerade mal 12 Wochen.

Mit Sozialismus oder Wohltätigkeit hat dies wenig zu tun. Google verteilt keine Geschenke, der Konzern kalkuliert, was sich bezahlt macht. Mit neu fünf Monaten Mutterschaftsurlaub konnte die Absprungrate um 50 Prozent reduziert werden, verriet Personalchef Laszlo Bock dem Online-Medium Slate. Unter dem Strich kommt Google der ausgedehnte Urlaub billiger zu stehen, als wenn der Konzern im hart umkämpften Markt für IT-Spitzenleute noch mehr Zeit und Geld in die Rekrutierung neuer Mitarbeiter stecken müsste.

Apple, Microsoft? Lieber Google!

Seit Jahren ringt Google mit Apple, Facebook und Microsoft sowie einer Horde von Start-up-Firmen um die klügsten Köpfe in der Tech-Branche. Diese Woche wurde der Suchmaschinenriese vom «Fortune Magazine» erneut als beliebtester Arbeitgeber genannt – im vierten Jahr in Folge. Microsoft rangiert auf Platz 75, während Apple, Amazon und Facebook nicht einmal in den Top 100 auftauchen. Doch was macht Google zum begehrtesten Arbeitgeber?

Legendär sind die mannigfachen Anreize, mit denen der IT-Riese aus Mountain View bei San Francisco seine Mitarbeiter bei Laune hält: Statt in einer profanen Kantine essen die Mitarbeiter in Gourmet-Restaurants, außerdem gibt es einen Wäscheservice am Arbeitsplatz. Doch das ist nur das Sahnehäubchen. Im letzten August wurde bekannt, dass sich Google nicht nur um seine Mitarbeiter kümmert, sondern auch die Hinterbliebenen umsorgt. Stirbt ein in den USA beschäftigter Googler, bekommt der Lebenspartner über einen Zeitraum von zehn Jahren die Hälfte des Jahresgehalts des Verstorbenen ausbezahlt.

Drei Minuten in der Schlange

Sämtliche Maßnahmen, die die Mitarbeiterzufriedenheit steigern sollen, würden von den Personalverantwortlichen minutiös überwacht und statistisch ausgewertet, schreibt das US-Magazin «Slate». Die Personalabteilung, die seit 2007 vom 40-jährigen Laszlo Bock geleitet wird, lässt kein Detail aus. Bei Google weiß man genau, wie lange die optimale Warteschlange im Personalrestaurant ist und selbst die Größe der Teller wird nicht dem Zufall überlassen.

Laut Bock beträgt die ideale Warteschlange bei der Essensausgabe drei bis vier Minuten. Das sei kurz genug, damit die Angestellten nicht zu viel Zeit verschwenden, und lange genug, um mit neuen Leuten ins Gespräch zu kommen. Experimentell wurde auch bestimmt, dass die Personalrestaurants nebst Tellern mit 30 Zentimeter Durchmesser auch mit kleineren 20-Zentimeter-Tellern ausgestattet werden sollten. Kleinere Teller ermutigten die Angestellten kleinere, gesündere Portionen zu essen.

Bonus oder Gehaltserhöhung?

Außenstehenden mag es absurd erscheinen, wie akribisch Google überwacht, wie seine Angestellten auf Anreize reagieren. Doch beim Technologie-Konzern ist man davon überzeugt, die Zufriedenheit seines Personals mit Mathematik zu steigern.

Unter Bock arbeite Googles Personalabteilung ähnlich wie ein wissenschaftliches Labor, schreibt Slate weiter. Sozialwissenschaftler beschäftigten sich mit der Frage, wie das Glücksgefühl der Angestellten, ein Googler zu sein, laufend maximiert werden kann. Soll das Gehalt erhöht werden? Braucht es einen Bonus? Aktien? Oder erhöht letzten Endes mehr Freizeit die Zufriedenheit am meisten?

Die Praxis gibt eine klare Antwort: Als Google 2010 die wachsende Konkurrenz von Facebook zu spüren bekam, beschloss der damalige Firmenboss, Eric Schmidt, eine 10-prozentige Löhnerhöhung für alle. So sollte einem Mitarbeiter-Exodus vorgebeugt werden. Eine kluge Entscheidung, wie eine spätere Mitarbeiterbefragung enthüllte. Die Angestellten bewerteten die Lohnerhöhung weit positiver als einen Bonus oder Aktien, da das höhere Grundgehalt ihre Situation langfristig verbesserte. Trotz des beinharten Wettbewerbs um Talente habe die Abwanderung zu rivalisierenden Unternehmen daher vermindert werden können, sagte Google.

(L'essentiel Online)

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