Teil-Rücktritt: Darum nimmt Boris Johnson den Hut

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Teil-RücktrittDarum nimmt Boris Johnson den Hut

Der britische Premierminister Boris Johnson wird sein Amt als Parteivorsitzender aufgegeben. Zuvor waren über 50 Minister und Regierungsmitarbeiter aus Protest gegen ihn zurückgetreten – historisch. 

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Der britische Premierminister Boris Johnson wird nach drei Jahren zurücktreten (Bild von 2016: Bauminister Michael Gove, den Johnson jetzt entlassen hat. Er soll ihm Berichten zufolge als Erster einen Rücktritt nahegelegt haben.)

Der britische Premierminister Boris Johnson wird nach drei Jahren zurücktreten (Bild von 2016: Bauminister Michael Gove, den Johnson jetzt entlassen hat. Er soll ihm Berichten zufolge als Erster einen Rücktritt nahegelegt haben.)

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Den jüngsten Umfragen zufolge wollen 70 Prozent der Briten und Britinnen Johnson nicht mehr länger als Premier. 

Den jüngsten Umfragen zufolge wollen 70 Prozent der Briten und Britinnen Johnson nicht mehr länger als Premier. 

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Gesundheitsminister Sajid Javid gab im Parlament eine emotionale Rücktrittserklärung ab und rief die Kabinettsmitglieder zur Revolte auf zur «Rettung von Partei und Land». Die ganzen Skandale und Affären widersprächen allen Werten von Integrität und Loyalität. 

Gesundheitsminister Sajid Javid gab im Parlament eine emotionale Rücktrittserklärung ab und rief die Kabinettsmitglieder zur Revolte auf zur «Rettung von Partei und Land». Die ganzen Skandale und Affären widersprächen allen Werten von Integrität und Loyalität. 

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Der britische Premier hat die Handhabung des jüngsten Sexskandals um ein führendes Tory-Fraktionsmitglied politisch nicht überlebt: Nach einer offenen Revolte gegen ihn tritt der britische Premierminister Boris Johnson laut Medienberichten noch am Donnerstag als Parteichef der Konservativen zurück. Bis im Herbst wolle Johnson noch Regierungschef bleiben, meldet der britische Sender BBC.

Der Regierungssitz 10 Downing Street erklärte soeben, Johnson wolle sich noch am Donnerstag an die Nation wenden. Laut «BBC» würde Johnson zu den Premierministerinnen und Premierministern mit den bislang kürzesten Amtszeiten gehören. Mit Stand heute, Donnerstag, 7. Juli, ist Johnson zwei Jahre und 349 Tage im Amt und liegt so hinter seiner Vorgängerin Theresa May (drei Jahre und elf Tage). 

70 Prozent der Briten wollten Boris los werden

Noch am Vortag hatte Johnson einen Rücktritt ausgeschlossen. Doch innert zweier Tage waren Tory-Abgeordnete aus Protest gegen Johnson fast im Stundentakt zurückgetreten: Bis am Donnerstagmorgen hatten 52 Minister und Regierungsmitarbeiter aus Protest gegen Johnson ihre Ämter niedergelegt– angefangen mit den Rücktritten von Schwergewichten aus dem eigenen Kabinett, Schatzkanzler Rishi Sunak und Gesundheitsminister Sajid Javid, am Dienstag.

Auch auf den Rückhalt der britischen Bevölkerung kann Johnson nicht mehr zählen: 70 Prozent der Bürger und Bürgerinnen wollen Boris laut jüngsten Meinungsumfragen nicht mehr als Premierminister.  

Komplexe Probleme 

Die sich häufenden Skandale und ewigen Ausreden nervten die Briten und Britinnen zunehmend – während sie wachsende Armut, hohe Wohnkosten, marode Gesundheitsdienste, steigende Steuern und die hohe Inflation plagten. 

Dazu kommentiert die NZZ: «Man kann sich in einer hochentwickelten Demokratie wie der britischen nicht auf Dauer mit lockeren Sprüchen, luftigen Versprechungen, billigen Ausreden, Widersprüchen und Unwahrheiten durch die Regierungsgeschäfte durchmogeln.»

Die Probleme seien zu groß und zu komplex. Es brauche deswegen «eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Sachfragen, Ausdauer und einen politischen Kompass, der die Richtung vorgibt. All das fehlt Boris Johnson.» 

(gux)

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