Breiviks Verteidiger – Darum war ich der Anwalt eines Massenmörders

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Breiviks VerteidigerDarum war ich der Anwalt eines Massenmörders

Anwalt Geir Lippestad übernahm 2011 ein schwieriges Mandat: Er verteidigte den rechtsradikalen Attentäter Anders Breivik. In einem Buch erklärt er nun, wieso.

Am frühen Morgen des 23. Juli 2011 klingelt das Telefon beim norwegischen Anwalt Geir Lippestad. Es ist die Polizei. Diese teilt dem überraschten Anwalt mit: Andres Behring Breivik, der Mann, der am Tag zuvor bei einem Bombenattentat und auf der Insel Utøya 77 Menschen kaltblütig getötet hatte, will ihn als Verteidiger. Lippestad bittet um Bedenkzeit. Wenig später übernimmt er das Mandat.

In seinem Buch «Ich verteidigte Anders Breivik. Warum?», das jetzt auf Deutsch erschienen ist, erklärt Anwalt Geir Lippestad, dass es sein fester Glaube an den Rechtsstaat gewesen sei, der ihn das Mandat des Maßenmörders annehmen ließ. Seine Arbeit als Verteidiger eines Terroristen sei ihm leichter gefallen, als er verstand, «dass ich nicht beliebt sein musste, sondern dass ich Breiviks rechtliche Interessen zu vertreten hatte». Schließlich arbeitete er «nicht für den Mörder», so Lippestad über Breivik. «Ich arbeite für ein System, auf das ich unendlich stolz bin.»

Anwalt distanziert sich vom Klienten

Zu Beginn des Buchs distanziert sich der Anwalt von Breivik. Lippestad schreibt: «Als er die brutalen Details des Massenmords schilderte, spürte ich, dass ich automatisch eine Art Filter vorschaltete, als würde ich die Situation von außen erleben.»

Nach jedem Treffen mit seinem Klienten packt Lippestad ein «seltsames Gefühl». Es sei «wie Staub von einem fremden Planeten, der trotzdem zu dieser Welt gehört, fern und unheimlich zugleich», schreibt der Anwalt. Erst nachdem er sich von diesem Gefühl wieder befreit hat, kann er in sein normales Leben zurückkehren.

Lippestad geht es um Werte

Sein Buch soll dazu beitragen, «dass wir uns mehr Gedanken über die Werte machen, die uns unabhängig von Glauben, Hautfarbe, Nationalität und anderen Eigenschaften vereinen». Denn: «Wie unterschiedlich wir auch sind, wir dürfen nie zulassen, dass diese Werte untergraben werden. Wir dürfen keine Intoleranz tolerieren, auch wenn dies paradox klingt.»

Wegen dieser Werte habe es Norwegen schließlich auch geschafft, «dem Terror entgegenzutreten». «Diese Werte bedeuten auch, dass der Täter nach den allgemeinen Prinzipien der Rechtssicherheit und Demokratie behandelt wird», so Lippestad.

Ende Februar dieses Jahres trennte sich Anders Behring Breivik von seinem Rechtsanwalt. Angeblich waren der Mörder und sein Verteidiger aneinandergeraten, als es darum ging, Breivik aus der Isolationshaft zu holen.

(L'essentiel/kle)

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