Bewerber lügen sowieso – Das Bewerbungsgespräch bringt nichts

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Bewerber lügen sowiesoDas Bewerbungsgespräch bringt nichts

Das Bewerbungsgespräch ist immer noch eines der gebräuchlichsten Rekrutierungstools – der falsche Weg, sagt ein Psychologe.

Es ist die Standardprozedur, durch die Bewerber durchmüssen: Beim Job-Interview müssen sie sich den bohrenden Fragen des Arbeitgebers stellen. Klassiker wie «Warum sollten wir gerade Sie einstellen?» oder «Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?» haben schon so manchen Arbeitssuchenden gehörig ins Schwitzen gebracht.

Doch das Bewerbungsgespräch ist eines der schlechtesten Werkzeuge, um das Potenzial eines Kandidaten abzuschätzen. Das sagt der US-Psychologe Ron Friedman. Seine Schätzung: Über 80 Prozent der Bewerber lügen während der Interviews. «Das bedeutet, dass ein Arbeitgeber im besten Fall fragwürdige Informationen erhält.»

Das Aussehen beeinflusst

Laut Friedman gibt es noch weitere Aspekte, die ihn an der Brauchbarkeit von Bewerbungsgesprächen zweifeln lassen. Dazu gehören die Annahmen, die der Personaler automatisch trifft, wenn er den Job-Kandidaten sieht. «Wir alle ziehen voreilige Schlüsse, die wir nur aufgrund des Erscheinungsbilds treffen», so der Psychologe zum «Business Insider». So schreibe man gutaussehenden Menschen Kompetenzen zu, großen Bewerbern Führungstalent oder verbinde mit einer tiefen Stimme automatisch Vertrauenswürdigkeit.

Dies wiederum beeinflusse, wie der Arbeitgeber seine Fragen formuliere. Laut Friedman wird ein als extrovertiert eingeschätzter Kandidat etwa danach gefragt, wie er ein Team führe. Der Bewerber, der introvertiert erscheint, muss dagegen eher beantworten, ob er sich als Führungsperson überhaupt wohlfühle. «Solche Nuancen können den Ausgang eines Job-Interviews massiv beeinflussen», sagt der Psychologe.

Besser Probe arbeiten als interviewen

In seinem Buch «The Best Place to Work» nennt Friedman eine Alternative zum Bewerbungsgespräch: Probe arbeiten. So lasse sich viel besser eruieren, ob jemand ein talentierter Verkäufer sei oder wie schnell ein Webdesigner eine Website gebaut habe. «So basiert die Einschätzung auf der effektiven Leistung und nicht auf dem, wie gut sich ein Bewerber im Interview verkauft hat.»

(L'essentiel/vb)

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