Cold Case in Texas – Das Dorf, das sich weigert, sein Geheimnis zu lüften

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Cold Case in TexasDas Dorf, das sich weigert, sein Geheimnis zu lüften

Cheerleaderin Natasha Atchley wird vor 25 Jahren ermordet, ihr Fall bleibt bis heute ungeklärt. Niemand im Dorf traut sich, darüber zu reden.

Der Mord an Natasha Atchley lässt ihre Familie nicht los. Obwohl 25 Jahre vergangen sind, haben die Atchleys kürzlich wieder die Belohnung erhöht, in der Hoffnung, dass sich jemand mit einem Hinweis bei ihnen meldet. Natashas Mörder wurde bis heute nicht gefasst – nicht zuletzt, weil das ganze Dorf lieber über die Tat schweigt.

Die Schülerin aus dem 5000-Seelen-Städtchen Livingston im US-Staat Texas war 19 Jahre alt, als sie in der Nacht zum 3. Mai 1992 ermordet wurde. Sie war an eine Party im 20 Minuten entfernten Shepherd gefahren, am nächsten Morgen fand die Polizei ihre verkohlte Leiche im Kofferraum ihres Autos. Der Wagen stand auf einer Hauptstraße, 1,6 Kilometer vom Haus entfernt, in dem das Fest stattgefunden hatte.

Alkohol und Drogen im Spiel

Keine Augenzeugen, keine DNA-Spuren – nichts half den Ermittlern in der Aufklärung des Falles weiter. «Die einzige Spur war die besondere Brennstoff-Mischung, die verwendet wurde, um Natashas Körper zu verbrennen. Offenbar kannte sich der Täter in der Materie aus», sagt Tom Branch, ein inzwischen pensionierter Hilfssheriff von San Jacinto County, dem Sender KHOU.

Obwohl auf der Party viele Leute anwesend waren, konnte niemand sagen, was mit Natasha Atchley passiert war. Laut Polizeiermittlungen waren in jener Nacht große Mengen Alkohol und Drogen konsumiert worden. Ein Mann sagte zunächst aus, er habe gesehen, wie zwei Männer Natasha schlugen. Kurz danach zog er seine Aussage zurück.

Wenn doch nur das Dorf seine Geheimnisse lüften würde

Wie der ehemalige Hilfssheriff erzählt, waren auch viele prominente Gäste an der Party zu Gast. «Einige sind Angehörige von hochrangigen Beamten in Polk County», weiß Brand. Es sei darum nicht ganz verwunderlich, dass sich bis jetzt niemand getraut habe, auszusagen.

Nicht einmal Natashas beste Freundin Keisha Myers will darüber reden: «Warum können wir sie nicht in unseren Herzen in Erinnerung haben und für sie beten und alles andere, was im Dorf passiert ist, einfach zurücklassen?», meint sie. Natasha sei ein besonderer Mensch gewesen. «Sie war Cheerleaderin und lebte ein ziemlich wildes Leben. Entweder liebte man sie oder man hasste sie», sagt Myers.

Chad Woodard, Bruder des Opfers, kann und will aber nicht vergessen. «Sie können sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, die verkohlten Knochen einer Schwester zu sehen. Das geht einem nie mehr aus dem Kopf.»

(L'essentiel/kle)

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