Sexuelle Identität: Das dritte Geschlecht könnte sich bald in Luxemburg etablieren

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Sexuelle Identität Das dritte Geschlecht könnte sich bald in Luxemburg etablieren

LUXEMBURG – Bei der Frage nach dem Geschlecht soll es neben «Mann» und «Frau» bald auch eine dritte Option geben. Die Regierung arbeitet aktuell an einem Gesetzesentwurf hierfür.

von
Joseph Gaulier
Dan Biancalana hat am Dienstag in der Chamber die Debatte angestoßen.

Dan Biancalana hat am Dienstag in der Chamber die Debatte angestoßen.

Editpress/Alain Rischard

Neben den Möglichkeiten «männlich» oder «weiblich» soll es im Großherzogtum bald ein drittes Geschlecht geben, das man in offiziellen Papieren eintragen kann. «Ein Gesetzesvorentwurf ist in Vorbereitung und wir hoffen, ihn im Frühjahr einzureichen», sagte Justizministerin Sam Tanson (Déi Gréng) am gestrigen Dienstag in der Abgeordnetenkammer. Sie antwortete damit auf eine Frage des Abgeordneten Dan Biancalana (LSAP). Ihm nach gehe es darum, Antworten auf Anfragen zu liefern, die sich um die sexuelle Identität drehen. Der Blick solle auf Konzepte der Trans-Identität und auf Menschen gerichtet werden, «die sich nicht mit ihrem Geburtsgeschlecht identifizieren», so Biancalana.

Es braucht keinen chirurgische Anpassung des Geschlechts, um im Personenstandsregister die Änderung seiner Geschlechtszugehörigkeit vorzunehmen. Laut Dan Biancalana haben seit 2018 105 Personen in Luxemburg ihr Geschlecht im Register ändern lassen. Diese Möglichkeit allein reiche aber nicht mehr aus. Zudem sei das Zivilrecht bei dieser Thematik auch nicht mehr zeitgemäß. Der Abgeordnete stellt klar: «Das hier ist eine wichtige Angelegenheit und die Beratungen der Minister zu dem Thema laufen noch.» Details des zukünftigen Gesetzes seien derzeit noch nicht bekannt.

«Die Frage ist komplex, weil sie zahlreiche, weitere Fragen aufwirft», so Sam Tanson. Das gelte auch auf internationaler Ebene, etwa bei einer Änderung in den Reisepässen. Die Reform könnte Transgender und Intersexuelle – Personen mit natürlichen Geschlechtsmerkmalen, die sich nicht eindeutig als weiblich oder männlich einordnen lassen – betreffen. Ebenso können nicht-binäre Personen, die sich weder als Mann, noch als Frau fühlen, betroffen sein. «Wir verlangen eine Kategorie ‹keine Angabe›, die dem wahren Gefühl der Personen entsprechen würde», so Laurent Boquet, Mitglied des Verwaltungsrats des gemeinnützigen Vereins Rosa Lëtzebuerg.

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