EM 2020 – Das Ende der klassischen Europameisterschaft
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EM 2020Das Ende der klassischen Europameisterschaft

2020 wird die Europameisterschaft in ganz Europa stattfinden und nicht in einem Land. Das bedeutet das Ende des klassischen Fan-Tourismus und der Völkerverbindung.

Die EM 2016 ist vorbei. Die längste in der Geschichte, mit den meisten Teams. Aber die Aufstockung des Turniers auf 24 Teilnehmer wird nicht nur goutiert. Die 15. Europameisterschaft hat keine neuen taktischen Erkenntnisse hervorgebracht, den Fußball in seiner Entwicklung nicht weiter gebracht.

Dass der Modus nicht optimal ist, hat man auch bei der Uefa erkannt. Das Problem sei, dass diese Gruppendritten erst nach Abschluss der Vorrunde im Quervergleich feststünden und die Teams, wie zum Beispiel Albanien in der Gruppe A, lange warten mussten, ehe sie wussten, ob sie für den Achtelfinale qualifiziert sind. Zudem wurden diese Spiele nicht, wie bei Entscheidungen üblich, am gleichen Tag zur selben Zeit ausgetragen. So war die Chancengleichheit nicht gewahrt.

Keine Reduktion der Teams und die Kasse stimmt

2020 soll die Anzahl der Teams bei 24 bleiben. Für 2024 überlegt sich die Uefa eine Aufstockung auf 32 Teams, erklärte Interims-Generalsekretär Theodore Theodoridis vor dem Finale in Paris. Bei 55 Mitgliedsländern bräuchte es dann wohl keine Qualifikation mehr.

Dem sportlichen Wert wäre das kaum zuträglich. Der war in Frankreich schon nicht hoch, aber zumindest stimmte die Kasse. Die Uefa hat mit dem Turnier über 1,9 Milliarden Euro umgesetzt und rechnet mit einem Gewinn von rund 830 Millionen Euro. So gesehen ist es keine Überraschung, das die Uefa keine Reduktion der Teilnehmer im Sinn hat.

Mit der entfachten Euphorie durch die Außenseiter und neuem Interesse zum Beispiel in Island, Wales, Ungarn und auch bei den Iren werden neue Märkte aufgetan, während große Nationen wie Deutschland, Spanien, England und auch Italien mit einer Übersättigung zu kämpfen haben. Meisterschaft von Freitag bis Montag, Dienstag und Mittwoch Champions League und Donnerstag Europa League, Europameisterschaften, Weltmeisterschaften, dazwischen der Confederations Cup und Qualifikationsspiele – Geldgeber und Fans sind bedient und auch gesättigt. Deshalb muss die Öffnung in den Augen der Fifa und der Uefa wohl in die Breite erfolgen.

Europa-Meisterschaft in 13 Ländern

Eine EM wie 2016 wird es 2020 dennoch nicht geben. Keine ausländischen Fans, die begeistert ihren Teams durchs ganze Land folgen, sich mit den Einheimischen in den Public Viewings vermischen, gemeinsam feiern und sich unter das Volk im Gastland mischen. Das war es vorerst in dieser Turnierform.

In vier Jahren wird die EM in insgesamt 13 Städten in 13 Ländern ausgetragen: in Amsterdam, Bilbao, Baku, Brüssel, Budapest, Bukarest, Dublin, Glasgow, München, Kopenhagen, Rom, London und in St. Petersburg. Die Fans werden wohl am Spieltag anreisen und am Abend oder am Tag darauf wieder nach Hause reisen.

EM im Flugzeug und am TV

Kleinigkeit. Es sind ja zum Beispiel nur schlappe 4300 km (Luftlinie) zwischen Bilbao und Baku oder 2400 km von St. Petersburg nach Rom. Für Mannschaften, Fans und Medien eine riesige logistische Herausforderung. Auch die unterschiedlichen Zeitzonen sind nicht zu unterschätzen. Das bedeutet wohl das Ende des klassischen Fantourismus und auch der Turnier-Stimmung.

Die nächste EM findet so im Flugzeug statt oder vor dem Fernseher. Der bis 2020 suspendierte Uefa-Präsident Michel Platini nannte seine Idee einst «romantisch». Es ist eher – gelinde ausgedrückt – eine Schnapsidee!

(L'essentiel/ete)

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