Experiment in Luxemburg: «Das Geräusch des Zellenschlüssels prägt einen»

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Experiment in Luxemburg«Das Geräusch des Zellenschlüssels prägt einen»

SASSENHEIM – Eine Gruppe freiwilliger Richter und Mitarbeiter des Justizministeriums haben eine Nacht in der Haftanstalt in Sassenheim verbracht. Ein Bericht.

von
Nicolas Martin
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Justizvollzugsverwaltung

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Anlässlich der Eröffnung des neuen Gefängnisses in Sassenheim Anfang Dezember, durften etwa 40 luxemburgische Richter, Mitarbeiter der Justizvollzugsverwaltung und des Justizministeriums eine besondere Erfahrung machen. Unter ihnen war auch Generalstaatsanwältin Martine Solovieff. Sie und die anderen Freiwilligen erlebten einen Tag als Häftlinge.

Wie bei einem echten Haftantritt ging es los mit einer Durchsuchung am Eingang, der Abgabe persönlicher Gegenstände, einer medizinischen Kontrolle und einem Gespräch mit psychosozialem und sozialpädagogischem Personal. Weiter ging es mit Sport unter Aufsicht, mit einfachen Mahlzeiten, Spaziergängen auf dem Hof, einer Übernachtung in der Zelle und dem gnadenlosen Wecken um 6.15 Uhr.

Für Solovieff und ihre Begleiter war es eine neue und nicht ganz einfache Erfahrung: «Zum Glück wussten wir, dass wir am nächsten Tag wieder rauskommen. Das hat es leichter gemacht», so die Generalstaatsanwältin. Dennoch gab es Momente, die ihr besonders zugesetzt haben: «Das Geräusch, als der Schlüssel sich umgedreht hat, war schon unheimlich. Uns wurde ja mit einem Mal die Freiheit genommen, zu kommen und zu gehen, wie wir wollen.» Den Kurzzeit-Häftlingen hat auch der Verlust des Zeitgefühls zu schaffen gemacht. «Ohne Handy und Uhr fühlt man sich echt völlig verloren.»

Fernseher in der Zelle

In Sassenheim wird das Gefängnis bis zu 400 Männer in Untersuchungshaft aufnehmen können. Die meisten Zellen sind Einzelzellen und elf Quadratmeter groß, die in «Blöcken» von etwa einem Dutzend Häftlingen aufgeteilt sind. «Es ist ein modernes Gefängnis, im Vergleich zu anderen ist es wohl Luxus, aber es ist rudimentär. Betonwände, ein Bett, eine Toilette, ein Waschbecken, ein kleiner Kühlschrank, vergitterte Fenster und ein Fernseher mit den üblichen Programmen, kein Netflix oder Youtube», beschreibt die Magistratin.

Die genauen Rahmenbedingungen für Besuche im Gefängnis stehen noch nicht fest. «Grundsätzlich gilt, wer in U-Haft sitzt, darf von drei Personen besucht werden», erklärt die Verwaltung. Vor dem Besuch werden Besucher durchsucht, um Drogenschmuggel zu vermeiden. Auch die Häftlinge, besonders die Neuankömmlinge samt ihrer Zellen werden regelmäßig und gründlich nach Drogen sowie verbotenen Gegenständen durchsucht.

«Es ist wichtig für die Richter, zu sehen, was es bedeutet, eingesperrt zu sein»

Die Personalrekrutierung für das neue Zentrum läuft noch, es soll aber rund 230 Vollzugsbedienstete, 80 Externe (Mediziner etc.) und rund 100 Angehörige der technischen, sozialpädagogischen Verwaltung zusammenbringen.

«Es ist eine seltene Gelegenheit. Es werden nur wenige neue Gefängnisse gebaut. Es ist wichtig für die Richter zu sehen, was es bedeutet, in einer Zelle eingesperrt zu sein. In unseren Büros ist es ziemlich ‹einfach›, Menschen ihrer Freiheit zu berauben. So können wir die Auswirkungen unserer Entscheidungen messen». Eine Nachbesprechung wird in ein paar Tagen stattfinden, aber die Freiwilligen werden diese Nacht hinter Gittern im Hinterkopf behalten.

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