Kollegin im Dienst getötet – «Das gesamte Polizei-Korps ist zutiefst bestürzt»

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Kollegin im Dienst getötet«Das gesamte Polizei-Korps ist zutiefst bestürzt»

GARNICH - Am Donnerstag findet das Begräbnis für die im Dienst getötete Kommissarin Yasmine Grisius statt. Angehörige und Kollegen sind nach wie vor fassungslos.

Der tragische Tod der Luxemburger Polizistin Yasmine Grisius macht weiterhin fassungslos. Angehörige, Freunde und Kollegen haben sich in den vergangenen Tagen in emotionalen Worten von «dem léiwen Yasmine», die vergangenen Freitag bei einer Verkehrskontrolle in Dippach angefahren und tödlich verletzt wurde, verabschiedet. «Mütter sterben nicht, Mütter leben fort auf ihre Weise», ist in einem Nachruf auf die zweifache Mutter zu lesen. Doch der schlimmste Moment für die Hinterbliebenen kommt erst.

Am Donnerstagnachmittag findet in Garnich der letzte Abschied von der 38-jährigen Beamtin statt. Pressevertretern ist der Zutritt zum Begräbnis gestattet – unter der Bedingung, dass sie «die Würde und die tiefe Trauer der Familien und Verwandten der Verstorbenen respektieren», wie die Polizei am Mittwoch in einem Communiqué schreibt. Dem Vernehmen nach war der Wunsch, die Andacht nicht nur auf engste Freunde und Verwandte zu beschränken, von der Familie ausgegangen. Unterdessen laufen die ersten Hilfsaktionen für die Familie an (siehe Infokasten rechts).

Anteilnahme auf Facebook

Die Anteilnahme für die Hinterbliebenen von Yasmine Grisius ist riesig – auch im Ausland löst der schreckliche Arbeitsunfall Betroffenheit aus. Auf der populären deutschen Facebook-Seite Polizei-Mensch wurde der Eintrag mit dem Unfallbericht knapp 1500 Mal weitergeleitet, mehr als 4000 «Gefällt mir»-Angaben finden sich unter dem Post. Ein anonymer Kollege aus Luxemburg schildert auf der Seite, wie er mit dem tragischen Ereignis umgeht: «Es traf mich heute Morgen wie ein Schlag. Es fällt schwer auf der Schicht, klare Gedanken zu fassen. Dieser Zwischenfall führt zu einem weiteren Knick.»

Vor den Kommissariaten wehen die Flaggen seit dem Unfall auf halbmast. Es kommt äußerst selten vor, dass Luxemburger Polizisten im Dienst ums Leben kommen. Seit 1945 waren es, inklusive der bis zum Jahr 2000 bestehenden Gendarmerie Grand-Ducale, insgesamt elf. Eine Gedenktafel erinnert in der Polizei-Generaldirektion an ihr trauriges Schicksal.

«Sie war eine offene, lebensfrohe Person»

Viele Kollegen der Luxemburger Polizei haben als Zeichen ihrer Trauer das Polizei-Traueremblem «The Thin Blue Line» auf ihre Facebook-Seite gestellt, darunter auch der Generalsekretär der nationalen Polizeigewerkschaft SNPGL, Christian Pierret. Er sagt zu L'essentiel: «Das gesamte Korps ist zutiefst über den Tod der Kollegin bestürzt. Solche Vorfälle zeigen einen auf brutalste Weise, wie gefährlich unser Job sein kann.» Pierret wurde 1997 gemeinsam mit Yasmine Grisius im Polizeidienst vereidigt. «Sie war eine offene, lebensfrohe Person. Der Polizistenjob hat ihr großen Spaß gemacht.» In die Trauer mischt sich bei dem Polizeigewerkschafter aber auch Unverständnis: «Die Strafen für Alkohol am Steuer haben offenbar ihre Wirkung verfehlt. Mögliche Wiederholungstäter fühlen sich zu selten abgeschreckt.»

Die Polizistin war am Freitagmorgen gegen 1:30 Uhr im Zuge einer Verkehrskontrolle in Dippach angefahren und schwer verletzt worden. Zwei Stunden später mussten Ärzte den Kampf um das Leben der zweifachen Mutter aufgeben. Wie sich später herausstellte, war der Unglücksfahrer alkoholisiert und noch dazu wegen eines früheren Alkoholdelikts am Steuer vorbestraft. Der 39-Jährige befindet sich derzeit in Untersuchungshaft und wartet auf seinen Prozess. Wegen fahrlässiger Tötung droht ihm eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren.

(Jörg Tschürtz/L'essentiel)

Spendenaktion

Um den hinterbliebenen Kindern den Weg in die Zukunft zu erleichtern, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen. «Die Leute, die besonders an Yasmine denken wollen, können das mit einer Spende an ihre Kinder auf das Konto BCEE LU55 0019 4555 8627 1000 mit dem Vermerk ‚Don Yasmine Grisius‘ machen», heißt es in einer Traueranzeige. Mit dem Geld können die beiden Töchter ihrer Mama immer wieder Blumen schenken, weil sie diese so gern hatte.

Auch die Polizeigewerkschaft SNPGL hilft den Kindern der Verstorbenen mit Geldmitteln aus ihrem «Fonds de Secours», auf die sie ab ihrer Volljährigkeit zugreifen können. Die Personaldirektion der Police Grand-Ducale greift dem hinterbliebenen Partner von Yasmine Grisius unterdessen administrativ unter die Arme.

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