Luxemburg: Das Gleichgewicht des Rentensystems ist langfristig in Gefahr
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LuxemburgDas Gleichgewicht des Rentensystems ist langfristig in Gefahr

LUXEMBURG – Am Dienstag wurde die neueste Bilanz des Rentenversicherungssystems vorgelegt. Die Situation ist kurz- und mittelfristig gut, dürfte sich danach aber verschlechtern.

von
Joseph Gaulier

DPA

Ohne neue Reformen droht das Rentensystem Luxemburgs bin zum Ende des Jahrzehnts an seine Grenzen zu stoßen, bevor es zur Mitte des Jahrhunderts in eine Sackgasse gerät. Das geht im Wesentlichen aus der Bilanz der Pensionsversicherung hervor, die von der Generalinspektion der Sozialen Sicherheit (IGSS) am Dienstag vorgestellt wurde.

Seit 2013 sind die Einnahmen des Systems um 44 Prozent und die Ausgaben um 47 Prozent gestiegen. Allerdings weise das System noch immer einen Überschuss auf. Ende 2020 beliefen sich die Reserven auf 23,8 Milliarden Euro, was dem 4,8-fachen des aktuellen Leistungsniveaus entspricht. Das entsprechende Gesetz schreibt eine Mindestquote von 1,5 vor. Diese Marge veranlasste den Regierungsrat, den Gesamtbeitragssatz, also der Anteil, der auf das Einkommen der Beitragszahler erhoben wird, bei 24 Prozent zu belassen.

Analyse angefordert

Ab 2027 wird dieser Satz den Prognosen zufolge jedoch nicht mehr ausreichen, um die Ausgaben zu decken, ohne die Reserven anzugreifen. Die demografische Entwicklung, also die alternde Gesellschaft, gefährdet langfristig das derzeitige System. «Das Beschäftigungswachstum wird die demografische Entwicklung nicht unbegrenzt ausgleichen können», sagt Claude Haagen, Minister für soziale Sicherheit. Die Reserve würde ab 2041 weniger als 1,5 Jahresleistungen betragen, bevor sie 2047 erschöpft sein würde, so die Experten der IGSS.

Um nicht Gefahr zu laufen, in diese Sackgasse zu geraten, hat die Regierung eine Analyse beim Wirtschafts- und Sozialrat in Auftrag gegeben. Diese soll laut Bericht «denkbare Wege analysieren, erörtern und vorschlagen, um den Fortbestand des allgemeinen Rentenversicherungssystems zu gewährleisten». Dies könne durch eine Erhöhung des Beitragssatzes, eine Senkung der Rentenhöhe oder eine Anhebung des gesetzlichen Renteneintrittsalters, das derzeit bei 65 Jahren liegt, erfolgen.

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