Stars in der Rehab – Das große Geschäft mit der Sucht

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Stars in der RehabDas große Geschäft mit der Sucht

Immer wieder checken Berühmtheiten in der Entzugsklinik ein - zuletzt Shia LaBeouf und Robin Williams. Hinter den Abgründen der Stars steht ein Millionen-Business.

Shia LaBeouf lässt sich nach seinem Ausraster im Theater wegen Alkoholsucht behandeln. Der Spross von Robert Downey Jr. wurde mit Drogen am Steuer erwischt und checkt wahrscheinlich bald in eine High-End-Rehab-Facility ein. Auch Robin Williams, der eigentlich seit Jahren clean ist, ließ sich laut seinem Sprecher kürzlich vorsorglich in eine Entzugsklinik in Minnesota einweisen.

Die Sucht der Stars ist omnipräsent. Und schon lange kein Geheimnis mehr. Wer an die Öffentlichkeit geht, bekommt Publicity und Glückwünsche für eine baldige Genesung. Und die Entzugskliniken bekommen ganz viel Geld. Denn je prominenter der Süchtige, der in einer Klinik ein Zimmer bezieht, desto mehr Kohle kann das Institut für seine Leistungen verlangen.

Keine Sonderbehandlung ohne Kohle

Die Verlierer sind jene Suchtkranken, die keinen Celebrity-Status genießen. Denn laut Alcoholrehab.com sind die Kosten für einen begleiteten Entzug in den Top-Instituten in den letzten Jahren durch die Decke gegangen.

Hat eine durchschnittliche Behandlung gegen Alkoholabhängigkeit vor zehn Jahren noch 1400 US-Dollar gekostet, berappen Süchtige heute 10'000 Dollar für das gleiche Treatment. Hazelden, eine der bekanntesten Entzugskliniken in Amerika, verlangt für vier Wochen Behandlung derzeit satte 28'000 Dollar.

Das Promises Rehab Center in Malibu, das bei den Hollywood-Stars besonders beliebt ist, kostet laut der Beratungsseite 33'000 Dollar im Monat. Und für die Meadows Clinic in Arizona, die derzeit als die beste Einrichtung für Suchtkranke gehandelt wird, muss der Betroffene – ob berühmt oder nicht – 1'000 US-Dollar am Tag hinblättern.

Veraltete Behandlungsmethoden für mehr Geld

Wer so viel Geld für seine Gesundheit ausgibt, erwartet, dass die Methoden auch anschlagen. Trotzdem starb «Glee»-Star Corey Monteith an einer Überdosis Alkohol und Heroin. Drei Monate nach seiner Entlassung aus der berühmten Betty Ford Clinic.

Teil des Problems seien die veralteten Behandlungsmethoden, die auch in großen und modernen Kliniken immer noch Anwendung finden würden, sagt Anne Fletcher. Die Autorin und Psychologin hat für ihr Buch «Inside Rehab» Jahre aufgewendet, um zahlreiche Entzugskliniken auf Herz und Nieren zu prüfen. Viele der Institute würden ihre Patienten ohne Nachbetreuung nach Hause schicken, klagt Fletcher in ihrem Buch an.

Für diese Situation haben findige Ex-Abhängige ein lukratives Business-Modell gefunden. Menschen, die bereits seit Jahrzehnten clean sind, bieten ihre Erfahrungen an und begleiten den Suchtkranken auf Schritt und Tritt. Sie gehen gemeinsam zum Sport, zur Arbeit, zu Anlässen oder in den Supermarkt.

Babysitter für Berühmte

Diese Rund-um-die-Uhr-Überwachung lassen sich die sogenannten Sober Coaches einiges kosten: 1'000 US-Dollar am Tag ist das Minimum. Für spezielle Anlässe wie stressige Veranstaltungen verlangen manche sogar 50'000 Dollar, wie Thefix.com schreibt.

Und wer profitiert von diesem Angebot? Celebritys, die es sich leisten können. Jüngstes Beispiel ist Lindsay Lohan. Ihr Sober Coach Michael Cormier zog mit ihr von Los Angeles nach New York, um sie während der Dreharbeiten zu Oprah Winfreys Dokumentation zu begleiten.

Ob seine Tätigkeit etwas gebracht hat? Da ist sich nicht mal Cormier selbst sicher: «Ich habe keine Beweise, dass sie nicht mehr trocken ist. Aber ich bin mir nicht sicher», gab der Sober Coach in der Sendung zu Protokoll. Bezahlt wird Michael Cormier aber trotzdem.

(L'essentiel/kt)

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