Dazzle Camouflage – Das haben Tennis-Shirts und Kriegsschiffe gemein

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Dazzle CamouflageDas haben Tennis-Shirts und Kriegsschiffe gemein

Tennisspieler nutzen sie bereits am French Open, nun hat auch eine Studie die Wirksamkeit einer uralten Tarntechnik bestätigt.

Bei den French Open stachen sie heraus: Ana Ivanovic, Jo-Wilfried Tsonga, Tomas Berdych und Dominic Thiem. Nicht zwingend durch ihre sportliche Leistung, sondern durch ihr Outfit. Adidas hatte die Spieler mit Trikots ausgestattet, deren markantes Schwarzweißmuster mehr als nur ein Fashion-Statement sein sollte.

Der Sportartikelhersteller nannte als Inspiration für die Trikots die sogenannte «Dazzle Camouflage». Dabei handelt es sich um ein Tarnmuster, das im Ersten Weltkrieg Schiffe vor U-Boot-Attacken schützen sollte.

Streifenmuster

Zu diesem Zweck wurden hellere und dunklere Streifen in einem wilden Muster auf die Schiffe gemalt. Sie sollten es den Gegnern erschweren, Form, Größe, Geschwindigkeit, Entfernung und Richtung des optisch in kleinere Einheiten zerstückelten Zielobjekts genau zu bestimmen.

Erfunden wurde die Technik vom britischen Künstler Norman Wilkinson. Übernommen wurde sie sowohl von der britischen als auch der US-Marine. Jedes Schiff erhielt ein einzigartiges Muster, auch innerhalb der eigenen Klasse, um den Verwirrungsfaktor möglichst hoch zu halten.

Ob die Tarnung wirklich funktionierte, konnte aber nie restlos geklärt werden. Mit der Entwicklung von Torpedos mit integrierter Zielsuche während des Zweiten Weltkriegs verlor diese Tarntechnik an Bedeutung.

Bewegtes Muster

Nun ist sie zurück. Nicht nur auf den Sandplätzen des French Open, sondern auch in den Labors der Universität Bristol in England. Forscher haben dort nach Wegen gesucht, die Streifentarnung zu verbessern, wie sie im Fachjournal «PLOS one» berichten.

Die Experimente ergaben, dass sich die Effizienz der Tarnung steigern lässt, wenn sich das Muster bewegt. Das Team um Joanna Hall zeigte Testpersonen computergenerierte Bilder und es stellte sich heraus, dass Objekte schneller wahrgenommen werden, wenn sich das Muster in Fahrtrichtung bewegt. Wenn es gegen die Fahrtrichtung läuft, erscheint das Ziel langsamer.

Bis zu zwei Meter Zielabweichung

Für ein Objekt von der Größe eines Militär-Jeeps belief sich die Fehleinschätzung der genauen Lage des Ziels auf bis zu zwei Meter, wenn sich das Objekt in 70 Metern Entfernung mit einer Geschwindigkeit von 90 km/h bewegte. Das ist nicht unerheblich, wenn man mit dem Beschuss aus einer feindlichen Bazooka rechnen muss.

Der Effekt war am größten, wenn das ganze Zielobjekt mit Streifen verfremdet wurde, aber auch nur kleinere Felder an Front und Heck des Objekts zeigten bereits eine Wirkung. Laut Hall braucht es noch weitere Studien, um zu sehen, was die neue alte Tarnmethode in der realen Welt wirklich taugt.

Ob die Forscher dafür auch das Abschneiden der Adidas-Spieler bei Roland Garros in Betracht ziehen werden, ist allerdings nicht bekannt.

(L'essentiel/jcg)

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