Colombera verlässt ADR – «Das ist Betrug am Wähler»
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Colombera verlässt ADR«Das ist Betrug am Wähler»

LUXEMBURG - Jean Colombera wollte sich mit dem Rücktritt Zeit lassen. Nun hat er seine Meinung geändert. Die ADR fordert den Abgeordneten auf, sein Mandat niederzulegen.

Jean Colombera will nun ebenso wie sein Ex-Parteikollege Jacques-Yves Henckes als unabhängiger Abgeordneter im Parlament bleiben.

Jean Colombera will nun ebenso wie sein Ex-Parteikollege Jacques-Yves Henckes als unabhängiger Abgeordneter im Parlament bleiben.

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Nun zieht er sich doch direkt zurück: Mit sofortiger Wirkung tritt auch der Abgeordnete Jean Colombera aus der ADR aus. Nach Streitigkeiten an der ADR-Spitze und dem Rücktritt des umstrittenen Parteichefs Fernand Kartheiser hatte Colombera zunächst angekündigt, sich bis Anfang 2014 aus Partei und Parlament zurückzuziehen.

Wurde Colombera beschimpft?

Doch dann kam offenbar ein parteiinterner Eklat dazwischen: So soll Jeff Engelen, Colomberas designierter Nachfolger im Parlament, den Abgeordneten als «dreckigen Hund» beschimpft haben. Das erklärte Jean Colombera am Freitagmorgen gegenüber RTL.

Die Partei dementierte diese Vorkommnisse formell in einer Mitteilung an die Presse. Colombera sei während der Sitzung des Parteikomitees «zu keinem Augenblick diffamiert oder beleidigt worden».

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Jean Colombera will nun ebenso wie sein Ex-Parteikollege Jean-Yves Henckes als unabhängiger Abgeordneter im Parlament bleiben. Die ADR, der mit Gast Gibéryen und Fernand Kartheiser nur noch zwei von vier Abgeordneten bleiben, «bedauert» Colomberas Rückzug.

Die nun erhebliche geschwächte ADR fordert sowohl Henckes als auch Colombera auf, ihre Mandate niederzulegen. «In unserem Wahlrecht werden Mandate über Listen gewonnen. In der Konsequenz stehen diese Mandate den Parteien zu (...). Wer das nicht respektiert, der begeht Betrug am Wähler», so die ADR.

Wird Colombera 2014 Pirat?

Unterdessen wird nach einem Bericht in der Zeitung «Woxx» darüber spekuliert, dass sich Colombera vor den Wahlen 2014 der Piratepartei anschließen könnte.

In einer ersten Reaktion von Piraten-Mitgliedern bei Twitter ist die Antwort eindeutig: «Nee». Der Vorsitzende der Piratepartei, Sven Clement, sieht auf Nachfrage von «L'essentiel Online» «keine prinzipielle Unvereinbarkeit».

(sb/L'essentiel Online)

«Die Partei hat übernichts zu sagen»

Welche Rechte hat ein Abgeordneter? Darf er seine Partei einfach verlassen und einer anderen beitreten?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach, wie Parlamentspräsident Laurent Mosar auf Anfrage von «L'essentiel Online» erklärt: «Die Partei hat überhaupt nichts zu sagen und kann einen Abgeordneten bei seiner Entscheidung auch nicht unter Druck setzen.»

Ein gewählter Abgeordneter behält also sein Mandat bis zum Ende der Legislaturperiode und kann währenddessen eine Partei verlassen oder einer anderen beitreten, ohne dass dies Auswirkungen auf sein Mandat hätte.

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