Jan Böhmermann – Das ist der Mann, der alle an der Nase herumführt

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Jan BöhmermannDas ist der Mann, der alle an der Nase herumführt

Mit dem Varoufakis-Video hat er einen großen Coup gelandet. Und es war garantiert nicht sein letzter. Jan Böhmermann mausert sich langsam aber sicher zur Kultfigur.

Fies grinst er in die Kamera. «Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe ‹Bild›-Redaktion – Sie müssen jetzt ganz stark sein.» In seiner Sendung «Neo Magazin Royale» behauptet Jan Böhmermann, er und sein Team hätten das Mittelfinger-Video des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis gefälscht, die Manipulation gehe auf ihr Konto.

Zwar ist mittlerweile klar: Böhmermanns Aktion war ein Fake. Trotzdem hat er mit dieser Nummer wohl nicht nur Günther Jauch, in dessen Sendung der Clip gezeigt wurde, kurzzeitig in helle Aufregung versetzt.

Auch Podolski muss dran glauben

Doch wer ist der Mann, vor dem sich die deutschsprachige Medienwelt besser in Acht nehmen sollte? Böhmermann schrieb in seiner Jugend zunächst für eine Lokalzeitung, wechselte später zum WDR-Radiosender 1 Live. Dort machte er mit seiner Rubrik «Lukas' Tagebuch» auf sich aufmerksam: Der gebürtige Bremer parodierte dort den Fußballer Lukas Podolski. Und zwar so gut, dass dieser den WDR verklagte und der ARD während der WM 2006 im eigenen Land jegliche Interviews verweigerte.

2009 fand Böhmermann Unterschlupf bei Harald Schmidt. Doch er wollte mehr. Der Komiker träumte von seiner eigenen Show. Die bekam er später: Seit Oktober 2013 moderierte der Norddeutsche das «Neo Magazin», das allerdings im Digitalkanal ZDFneo ein Schattendasein fristete. Anfangs Februar 2015 nahm dann das ZDF selber das Format in sein Programm auf.

Programm für Helene-Fischer-Fans

Böhmermann erhält ein neues Studio. Das bedeutet: mehr Publikum. Dazu darf er jetzt im eigenen Büro arbeiten. Seine Sendung wird mit dem Zusatz «Royale» versehen. Königlich sollen Böhmermanns Auftritte werden. In seinem Wohnzimmer. Auf seinem Spielplatz. Dort, wo er sich austoben kann.

Nun hat der etwas unnahbar wirkende Moderator also mehr Freiraum. Gleichzeitig aber auch mehr Verantwortung. Man hat ihm einen Platz in der Königsklasse der TV-Unterhaltung angeboten. Menschen unterschiedlichster Herkunft sitzen zu Hause vor den Bildschirmen. Bauarbeiter und Hochschuldozenten, Mötley-Crüe-Anhänger genauso wie Helene-Fischer-Fans.

«Hart wie Stahl, zäh wie Leder»

Viele sehen Böhmermann als Nachfolger von Harald Schmidt. Vorlaut, ehrgeizig, zynisch. Und ein bisschen arrogant. Seine Bissigkeit zelebriert der 34-Jährige auf Twitter genüsslich: «Man muss aufpassen, dass der Feminismus nicht in den Untergrund geht. Da kann man den nämlich noch schlechter kontrollieren», heißt es da etwa.

Ohne Zweifel provoziert Böhmermann mit seinen Auftritten. Cro's Erfolgs-Song «Easy» wandelte er kurzerhand in «Isis» um. Mit seinem Hashtag #HelmutKohlRIP löste Böhmermann einen riesen Wirbel aus. Seinen Varoufakis-Song beginnt er mit den Worten: «Wir sind Deutsche! Hart wie Stahl, zäh wie Leder und schnell wie Windhunde.»

Das abrupte Aus von «Roche & Böhmermann»

Jan Böhmermann verfügt über alle Zutaten, die einen außergewöhnlichen Showmaster ausmachen: Er besitzt das Mundwerk eines Harald Schmidt, die Cleverness eines Stefan Raab – und vor allem viel jugendliche Frische. Dass der Weg nicht immer nur steil nach oben führt, weiß er spätestens seit dem jähen Ende von «Roche & Böhmermann»: Das Format wurde 2013 abrupt abgesetzt, über die Gründe schweigen sich alle Beteiligten bis heute eisern aus.

(L'essentiel/Yves Schott)

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