Fast am Nordpol – Das ist der nördlichste Nerd von Europa

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Fast am NordpolDas ist der nördlichste Nerd von Europa

Wo Svein Nordahl lebt, gibt es mehr Eisbären als Einwohner: Er hat kein fließendes Wasser, dafür eine schnellere Internetverbindung als der Rest von Norwegen.

An der eiskalten Küste von Spitzbergen steht die Hütte des 64-jährigen Svein Nordahl – nur einen Steinwurf vom Nordpol entfernt. Dort wohnt der wohl nördlichste Nerd Europas: Der ehemalige Übersetzer ist begeistert von Technik. Der Rentner hat zig Computer, einen Server, der mit 40-Terabyte Speicher locker 60'000 HD-Filme aufnehmen könnte, iPads und in der Stube eine riesige Leinwand. Dort widmet sich Nordahl gerne seinem größten Hobby: Als Flugsimulator-Pilot erkundet er stundenlang die digitalen Landschaften.

Obwohl es in seinem kleinen Reich kein fließendes Wasser gibt, muss der 64-Jährige nicht auf den Luxus des modernen Lebens verzichten. Denn: Nordahl und seine Nachbarn haben einen schnelleren Internetzugang als die meisten Norweger auf dem Festland. Keine Selbstverständlichkeit für eine Region, wo es mehr Eisbären als Einwohner gibt.

Glasfaser Marke Eigenbau

Zu verdanken ist dies der Initiative von Svein Nordahl. Vor drei Jahren sprach er bei Telenor vor. Der norwegische Telekomanbieter hatte bereits zuvor einen Teil von Spitzbergen ans Glasfasernetz angeschlossen. Seine Nachbarschaft gehörte aber nicht dazu. Er verlangte: «Ich will in meiner Hütte einen Glasfaseranschluss haben», wie Nordahl gegenüber dem «Wall Street Journal» sagte.

Im Jahr 2011 schloss er einen Deal mit Telenor ab, indem er erklärte, dass er die Kabel selbst verlegen würde. Telenor willigte ein, unter der Bedingung, dass mindestens 15 weitere Personen mitmachen müssten. Dem Rentner gelang es, seine Nachbarn vom High-Speed-Internet zu überzeugen. Im Sommer 2012 griffen die Einwohner zur Schaufel und zogen die Leitung eigenhändig zu den abgelegenen Hütten.

Nichts für Weicheier

«In der Umgebung gibt es etwa 50 Häuser, 40 davon haben seither einen Glasfaseranschluss», sagt Kristine Meek, Sprecherin von Telenor. Das durchschnittliche Tempo liegt bei 25 bis 75 Mb/s. Nordahl hat einen Anschluss mit 50/50 Mbit – und ist damit rund 10 bis 20 mal schneller im Internet unterwegs als der Rest von Norwegen.

Die Lebensbedingungen auf Spitzbergen sind trotzdem nichts für Weicheier: Im Winter ist es schnell unter -16 Grad kalt und monatelang dunkel. Ein Lichtblick bleibt dabei für Nordahl und seine Nachbarn: «Wir haben nun keine Mühe mehr, Filme zu streamen oder herunterzuladen», sagt er.

(L'essentiel/tob)

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