Tourminator Froome – Das Kettenblatt als Erfolgsgeheimnis?

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Tourminator FroomeDas Kettenblatt als Erfolgsgeheimnis?

Der Brite Chris Froome dominiert die 100. Tour de France nach Belieben. Ob im Zeitfahren oder am Berg – die Konkurrenz ist chancenlos. Macht ein ovales Kettenblatt den Unterschied?

Wie Christopher Froome seine Konkurrenten um den Tour-Gesamtsieg bei den Anstiegen nach Ax-3-Domaines und auf den Mont Ventoux abgehängt hat, verblüffte und rief nach den Erfahrungen mit Doping der letzten Jahre sofort die Kritiker auf den Plan. In der Tat hatte der Angriff am Mont Ventoux, bei dem Froome seinen ärgsten Verfolger Alberto Contador abhängte, etwas Furchterregendes.

Froome musste bei seiner Tempoverschärfung weder aus dem Sattel noch schalten. Contador ließ er stehen wie einen Schuljungen. Die letzten 15,7 Kilometer absolvierte der Tour-Dominator in der 11. schnellsten je gemessenen Zeit. Ohne Doping sei eine solche Leistung gar nicht möglich, lautete der einhellige Tenor.

Der umstrittenene Sportwissenschaftler Antoine Vayer verstärkt diesen Eindruck mit der Veröffentlichung des Kraftaufwands in den Anstiegen. Froome soll auf dem Schlussanstieg zum «Riesen der Provence» 446 Watt getreten haben. Das sei die Leistung «eines Mutanten», so der ehemalige Betreuer des 1998 in den großen Dopingskandal verwickelten Festina-Teams.

Perfekte Genetik

Froome ist 28 Jahre alt, kahlköpfig und wirkt wie ein Strich in der Landschaft. Bei 1,86 Meter Körpergröße wiegt der Tour-Zweite von 2012 nur gerade 72 Kilogramm. Die Frage drängt sich auf: Wie holt dieser Mann so viel Kraft aus seinen Beinen? Froome sei genetisch mit einem perfekten Körper ausgestattet, sagen seine Betreuer beim Team Sky. Er habe ein großes Herz und üppige Lungen.

2010 wurde bei ihm die Parasiteninfektion Bilharziose diagnostiziert, welche die Zahl der roten Blutkörperchen reduziert und mit legalen Medikamenten behandelt werden muss. Froome soll zudem von einer neuen Trainingsmethode profitieren, für die Sky den früheren Schwimm-Trainer Tim Kerrison engagiert hat. Die Methode kombiniert Kraft und Ausdauer.

Geheimwaffe ovales Kettenblatt

Die Mechaniker von Sky haben zudem ein Kettenblatt entwickelt, das durch seine ovale Form wirkungsvoller arbeiten soll als die runden, herkömmlichen Blätter. Durch das ovale Kettenblatt bekommt man im oberen und im unteren Toten Punkt bei einer Pedalstellung zwischen 5 und 7 Uhr beziehungsweise 11 und 1 Uhr – also dort, wo die Beine kaum noch Kraft abgeben können – eine kleinere Übersetzung.

Zwischen 20 und 30 Watt zusätzliche Leistung (3 Prozent) soll die von Osymetric hergestellte Spezialanfertigung bringen. Neben Froome fährt nur Pierre Rolland oval. «Es ist ein völlig anderes Treten», sagt der Franzose. Auch Tony Martin und Fabian Cancellara testeten schon ein ovales Kettenblatt, doch beide konnten keinen Vorteil entdecken. «Wenn man sich an den runden Tritt gewöhnt hat, ist es schwer sich umzugewöhnen. Wenn man es aber schafft, ist oval sehr effektiv», gibt Zeitfahren-Spezialist David Millar zu Bedenken.

Froomes «Race Coach» war gedopt

Schon im letzten Jahr fuhren die Sky-Spitzenfahrer Bradley Wiggins (Gesamtssieger) und Froome (2.) mit dem Osymetric-Blatt. Die Idee der ovalen Kettenblätter ist allerdings schon viel älter – sie wurde bereits in den 90er-Jahren vereinzelt propagiert. Zeitfahren-Spezialist Bobby Julich gewann damit 2005 Paris-Nizza und sagte danach, dass diese Kettenblätter einen Zeitgewinn von fünf Sekunden pro Kilometer ausmachen können. Im November 2010 wurde der Amerikaner «Race Coach» beim Team Sky, zu dem schon damals auch Chris Froome gehörte. Julich wurde im Oktober 2012 allerdings entlassen, weil er zugab zwischen 1996 und 1998 mit Epo gedopt zu haben.

Ob mit oder ohne ovalem Kettenblatt: Treten muss der Rad-Profi immer noch selbst. Je schneller und kräftiger, desto besser. Die Radsport-Welt schaut am Donnerstag gebannt in Richtung Alpe d'Huez. Es wird erwartet, dass Froome am «Berg der Berge» seine Konkurrenten erneut in die Schranken verweist.

(L’essentiel Online / pre)

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